Unvergessen
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Bild: Getty Images Europe

Vom Star zum Alkoholiker

Unvergessen

18.05.1991: Fussball-Ikone «Gazza» verletzt sich bei einem brutalen Foul selbst und bringt seine Karriere ein erstes Mal ins Wanken – doch es sollte noch viel schlimmer werden

18. Mai 1991: Im FA-Cup-Final ruhen die Hoffnungen Tottenhams auf Englands neustem Shootingstar Paul Gascoigne. Doch bei einem selbst verschuldeten Foul verletzt er sich schwer und stirbt Jahre später beinahe an seiner Alkoholsucht.



Ein frischer Wind weht gerade in Englands Fussball. Die Familien strömen mit ihren Kindern nach der Tragödie von Hillsborough endlich wieder in die Stadien, das heiss geliebte Spiel blüht neu auf.

Seinen Beitrag für die steigende Euphorie in England leistet Tottenham-Söldner und Englands neuer Liebling Paul Gascoigne. Der Jungstar in den Reihen der Spurs hat grossen Anteil an Englands Erfolg an der WM 1990 gehabt. Er gehörte zu den besten Mittelfeld-Spielern des Turniers in Italien und führte die englische Nationalmannschaft bis in die Halbfinals.

Die Final-Träume platzen für den Inselstaat erst im Penaltyschiessen, während Gascoigne im Endspiel nicht mehr hätte auflaufen dürfen. Nach einem Foul kurz vor Schluss erhielt er die Gelbe Karte und wäre für den Final gesperrt gewesen. Der Engländer vergoss bittere Tränen und rührte damit eine ganze Nation.

Das Foul und die Tränen ab 1:00. Video: Youtube/2014WorldCupBrazil

Der FA-Cup-Final gegen Nottingham

Ein Jahr später steht der 23-Jährige mit Tottenham gegen Nottingham Forest im Final des prestigeträchtigen FA-Cups. Im Halbfinal besiegte man Arsenal, wobei «Gazza», wie man ihn nennt, mit einem herrlichen Freistosstor überzeugte. In seiner letzten Saison für die Spurs vor dem Abgang nach Italien zu Lazio Rom will der Kämpfer nochmals zeigen, was er drauf hat.

Bild: Getty Images Europe

Der Künstler, der neben dem Fussbal des öfteren für Negativschlagzeilen wegen Alkoholismus sorgte, muss vor dem Match allerdings zur Beruhigung kommen. Gegenüber BBC Radio 5 sagt er später: «Bevor wir ins Wembley gingen, kickten wir im Hotelzimmer in alles rein, was rumstand, sprangen vom Bett so hoch wir konnten und spendierten Seifen mit Halbvolleys aus dem Fenster. Als der Doktor ins Zimmer kam sagte er: ‹Wir hörten den Lärm, du musst jetzt diese Pillen zu dir nehmen, Paul.›»

«Bevor wir ins Wembley gingen, kickten wir im Hotelzimmer in alles rein, was rumstand, und spendierten Seifen mit Halbvolleys aus dem Fenster.»

Als das Spiel angepfiffen wird, wirkt Gascoigne fast schon überdreht, mit dem Willen, seinem Namen alle Ehre zu machen. Dann, in den Startminuten das Foul, welches die Karriere der Fussball-Ikone erschüttern sollte. Bei einem brutalen Tackling gegen Nottinghams spielstärksten Mann, Gary Charles, bleibt Tottenhams Nummer 8 gleich selbst liegen.

Noch auf dem Platz wird er behandelt und als Gazza kurz darauf ganz ausgewechselt wird und der Arzt in der Kabine die Diagnose einer Kreuzbandverletzung feststellt, bricht der harte Kerl wieder in Tränen aus. Im Spital muss der Bedauernswerte im TV mitverfolgen, wie sein Team dank eines 2:1 den Pokal in die Höhe stemmt. Der grosse Traum des am Boden zerstörten Gascoigne.

Das brutale Foul, bei welchem sich Gazza selbst verletzte. Video: Youtube/sports4uk2012

Letzte Erfolge

Gazzas Wechsel zu Lazio Rom, welcher schon vor dem Match in trockenen Tüchern war, muss sich um ein Jahr verschieben. Und als dieser vollzogen wird, beträgt die Ablösesumme nur noch drei statt achteinhalb Millionen Pfund. Bei den Römern will dem von Zwischenfällen zurückgeworfenem Star nicht mehr viel gelingen.

Nach drei Jahren wechselt er 1995 zum schottischen Traditionsverein Glasgow Rangers, wo er dank erneut starken Leistungen zurück in die Nationalmannschaft stösst und an der EM 1996 in England wieder einer der prägenden Figuren wird. Im selben Jahr wird er in Schottland zum Spieler des Jahres gewählt.

18 Nov 1996:  Paul Gascoigne (left) and teammate Ally McCoist pose with the trophy after the Scottish Coca Cola cup final between Rangers and Hearts at Celtic Park in Glasgow. Rangers won 4-3. Mandatory Credit: Mark Thompson/Allsport

Paul (links) 1996 mit Glasgow-Teamkollege Ally McCoist und dem gewonnenen Cup-Pokal. Bild: Getty Images Europe

«Ich war tot»

Im Gegensatz zu früheren Zeiten kann Gascoigne nach seinem Rücktritt sein unangebrachtes Benehmen neben dem Platz nicht mehr mit den Leistungen auf dem Platz überschatten. Mehr und mehr fällt der ehemalige Star in ein Loch, sorgt mit Alkoholexzessen für Schlagzeilen und verprügelt öffentlich seine Frau. Gegenüber dem Fernsehsender Sky News Television erzählt er später: «Wenn du in einem Restaurant sitzt und jemand nennt deine Mutter eine Hure, ich hasse das – und ja, ich habe ihre Arme gehalten und schlug meinen Kopf gegen ihren. Ich traf sie nicht richtig, habe sie eher zu Boden geworfen. Aber die ganze Geschichte tat mir furchtbar leid.»

«Ich habe ihre Arme gehalten und schlug meinen Kopf gegen ihren.»

Paul Gascoigne über den Vorfall mit siener Frau.

Gascoignes Leben wird fortan von Therapien und Entzugskliniken geprägt. Im fortschreitenden Alter hängt das Leben des ehemaligen Fussball-Profis am seidenen Faden. 2004 wird er das erste Mal in einem lebensbedrohlichen Zustand in den Spital eingeliefert. Anfangs 2013 darf Gascoigne nach einigen Wochen die Entzugsklinik verlassen. Gegenüber der Sun sagte der 45-Jährige: «Drei Ärzte dachten, dass ich es nicht schaffe. Ich habe das durchgemacht, den Tod. Ich war tot.» Weiter meinte er: «Das muss eine Inspiration sein, dass mir das nie wieder passiert.»

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Die Sun bittet alle, Gazza nichts mehr zu trinken zu geben. Bild: The Sun

Doch im Juli desselben Jahres findet man einen völlig betrunkenen Mann am Strassenrand. Es ist Gazza, welcher sich einmal mehr volllaufen liess. Die Sun titelt darauf: «Eine Bitte an alle Barkeeper und Fans: Gebt diesem Mann nichts zu trinken!»

Gazzas heutiger Zustand ist wieder stabil. Vor zwei Wochen zog er sich bei seinem früheren Verein Newcastle United für ein Show-Match das Trikot über. Er sah gesund aus und Lauren, Pauls Nichte, postete ein Bild ihres Onkels mit den Worten: «Das ist der beste Onkel der Welt! Ich bin so froh, dass er zurück ist und gesund.»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

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