Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa03217905 Manchester City's Sergio Aguero celebrates scoring the winning goal during the English Premier League soccer match at Etihad Stadium Manchester, Britain, 13 May 2012. ..DataCo terms and conditions apply. http//www.epa.eu/downloads/DataCo-TCs.pdf  EPA/PETER POWELL DataCo terms and conditions apply. http//www.epa.eu/downloads/DataCo-TCs.pdf

Bild: EPA

Fünf Minuten für die Ewigkeit

13.05.2012: Zu früh gefreut! City schnappt United den Titel im grössten Herzschlag-Finale der englischen Geschichte weg

13. Mai 2012: United feiert, City weint. Doch noch bleibt die Nachspielzeit. Dzeko und Agüero kehren den englischen Meisterkrimi in letzter Minute und machen die grösste himmelblaue Party seit 44 Jahren perfekt.

Viele Fans von Manchester City haben nach 90 Minuten genug gesehen. Mit Tränen in den Augen und derben Flüchen auf den Lippen ziehen sie beim Saisonfinale enttäuscht aus dem Etihad-Stadion ab. Die Nachspielzeit läuft und das Heimteam liegt gegen den Fast-Absteiger Queens Park Rangers 1:2 zurück, während Manchester United beim FC Sunderland gerade 1:0 gewonnen hat. Trotz hunderter Öl-Millionen von Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan haben es die Citizens offenbar wieder einmal im letzten Augenblick vergeigt – die 44-jährige Wartezeit auf den dritten Meistertitel will einfach kein Ende nehmen.

Ein Fernduell, das es in sich hat

Dabei hatte doch alles für Manchester City gesprochen. Stadtrivale United schwächelte im Endspurt gehörig und hatte seinen Fünfpunkte-Vorsprung bis zum letzten Spieltag verzockt. Dank der besseren Tordifferenz (+64) konnte City den punktgleichen Titelverteidiger (+56) im finalen Fernduell mit einem Sieg fast sicher vom Thron stossen.

epa03217824 Manchester United's Wayne Rooney shows dejection after their English Premiership league soccer match against Sunderland at the stadium of Light, Britain 13 May 2012. Manchester City beat QPR, winning the English Premiership League Cup...DataCo terms and conditions apply http//www.epa.eu/downloads/DataCo-TCs.pdf  EPA/LINDSEY PARNABY ..DataCo terms and conditions apply http//www.epa.eu/downloads/DataCo-TCs.pdf

Manchester United legt in Sunderland dank Wayne Rooney vor. Bild: EPA

Zwar geht Manchester United in Sunderland nach 20 Minuten durch Wayne Rooneys 27. Saisontor in Führung, aber mit etwas Glück bucht Pablo Zabaleta noch vor der Pause auch das 1:0 für Manchester City. Hektisch wird es im Etihad-Stadion als Djibril Cissé drei Minuten nach dem Seitenwechsel entgegen dem Spielverlauf das 1:1 für QPR erzielt. 

Bei Barton brennen alle Sicherungen durch

Der hitzköpfige Rangers-Captain Joey Barton tut kurz darauf sein Möglichstes, um City wieder auf die Siegesstrasse zu bringen. In der 55. Minute rastet er völlig aus, schlägt mit dem Ellbogen nach Carlos Tevez und tritt als Zugabe noch Sergio Agüero von hinten um, nachdem ihm Schiri Dean den roten Karton vor die Nase gehalten hat. Er wird für diese Brutalo-Aktion 12 Spiele gesperrt.

QPR-Captain Joey Barton verliert nach seinem Platzverweis die Nerven. Video: Youtube/CityFan2000

Doch statt den Sack in Überzahl endlich zuzumachen, lässt sich das Team von Roberto Mancini  auskontern. Jamie Mackie trifft mit dem 2:1 für QPR mitten ins City-Herz. 

Mancini altert in einer Halbzeit um 43 Jahre

Es folgt ein wütender Sturmlauf des Heimteams. An dessen Ende stehen 19:0 Corner, 24:3 Schüsse und 70% Ballbesitz – nur ein Tor will den Citizens in der regulären Spielzeit partout nicht mehr gelingen. 

Mancini springt in der Schlussphase wie Rumpelstilzchen an der Seitenlinie auf und ab. Weil niemand mehr auf ihn hören will, fängt er an auf italienisch rumzubrüllen. Das hilft auch nicht wirklich. Später gibt er zu Protokoll: «Ich bin 47. Aber ich fühle mich, als ob ich heute 90 Jahre alt geworden bin.»

Der Fussball-Krimi hat Roberto Mancini sichtlich mitgenommen. Bild: EPA

United feiern schon, aber City gibt nicht auf

In Sunderland machen sich die United-Stars nach dem Schlusspfiff schon auf den Weg zur Gästekurve, um mit ihrem Anhang den unverhofften Last-Minute-Titel zu feiern. Doch City rennt weiter an. 

In der 92. Minute lohnt sich das. Edin Dzeko trifft nach einem Eckball per Kopf zum 2:2 – aber das reicht noch nicht! Drei Minuten Nachspielzeit bleiben noch. Nigel De Jong lanciert Kun Agüero, der legt an der Strafraumgrenze ab auf Balotelli, der den Ball mit letztem Einsatz zurück zu Agüero spitzelt. Der Argentinier verzögert denn Abschluss und schiesst den Ball in der 94. Minute mit Volldampf an QPR-Goalie Kenny vorbei ins himmelblaue Glück.

Das ganze Drama des 13. Mai 2012 in knapp vier Minuten. Video: Youtube/5antaClawsFootball

Das Etihad-Stadion steht Kopf. Die Zuschauer, die schon auf dem Heimweg waren, kehren schleunigst um. Die Reporter, 
Fans und Spieler schreien sich gemeinsam die Seele aus dem Leib. Es ist das dramatischste Finish in der Geschichte der Premier League – mit einem Happy End für Manchester City. Vincent Kompany bringt die Gefühlslage auf den Punkt: «Wunder geschehen ja des öfteren in Manchester – aber dieses Mal war es endlich einmal auf unserer Strassenseite.»

Erleichterung pur – Manchester City feiert den ersten Meistertitel seit 44 Jahren. Bild: AP

Citys Freud ist Uniteds Leid

Während die City-Ekstase keine Grenze kennt, steht die United-Entourage in Sunderland völlig bedröppelt auf dem Rasen. Giggs, Rooney und Co. haben die Kunde von der späten Wende aus dem Radio erfahren und treten geschockt den Rückzug in die Kabine an. 

Trainer Alex Ferguson verliert kurz die Fassung und beginnt gegen den Stadtrivalen zu stänkern. Schliesslich fasst er sich aber und zollt den Siegern Respekt: «Die Premier League ist die stärkste Liga der Welt. Wer sie gewinnt, der hat es auch verdient.» Weniger sportlich sind die siegestrunkenen City-Fans nach diesem Krimi. In Anlehnung an die vielen späten United-Siege singen sie bis tief in die Nacht: «We won it in Fergie-Time!»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 



Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

We ❤️ Latour: «Das isch nid normau, Herr Meier! Dä grännet jedes Mau!»

3. November 2002: Das Schweizer Fernsehen hat eine der besten Ideen in seiner Geschichte. Es nimmt Thuns Trainer Hanspeter Latour während der NLA-Partie gegen Servette auf – und macht ihn so auf einen Schlag zur Kultfigur.

Servette Genf ist zu Gast beim FC Thun. Hier ein 17-facher Schweizer Meister, da der Aufsteiger aus dem Berner Oberland. Und mittendrin: Fernseh-Reporterin Regula Späni. Sie begleitet Thuns Erfolgstrainer Hanspeter Latour und zeigt dem TV-Zuschauer, wie dieser während eines Spiels an der Linie abgeht. Eine grandiose Unterhaltung!

Besonders eine Szene brennt sich tief ins Gedächtnis jedes Schweizer Fussballfans ein. Als Thuns Verteidiger Armand Deumi Servettes Goran Obradovic fällt, ruft Latour …

Artikel lesen
Link to Article