Unvergessen
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epa05334661 Real Madrid's Pepe (R) reacts after tackling Atletico Madrid's Fernando Torres (L) during the UEFA Champions League final between Real Madrid and Atletico Madrid at the Giuseppe Meazza Stadium in Milan, Italy, 28 May 2016.  EPA/ARMANDO BABANI

Ein Bild, das passt wie die Faust auf's Auge: Pepes Gegenspieler krümmt sich, der Portugiese weiss von nichts. Bild: ARMANDO BABANI/EPA/KEYSTONE

Der Moment des Wahnsinns: Pepe rastet gegen Getafe aus

21. April 2009: Képler Laveran Lima Ferreira, besser bekannt als «Pepe», ist kein Kind von Traurigkeit. Doch was er sich am 32. Spieltag der Saison 2008/09 in der Partie gegen Getafe erlaubt, stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten.

jonatan schäfer



Pepe kommt am 26. Februar 1983 im brasilianischen Maceio zur Welt. Beim Stadtverein Alagoano Corinthians nimmt seine Fussballerkarriere ihren Anfang. Mit 18 Jahren verlässt er auf eigene Faust sein Heimatland in Richtung Portugal und landet über Marítimo Funchal beim FC Porto. Im Jahr 2007 lässt er sich in Portugal einbürgern und wechselt für 30 Millionen Euro zu Real Madrid.

Dass Pepes brasilianische Wurzeln oftmals vergessen gehen, liegt nicht nur daran, dass er seit dem November 2011 insgesamt 82 Spiele für die portugiesische Nationalmannschaft absolviert hat. Auch an seiner Spielweise deutet nichts darauf hin, dass er aus dem Herkunftsland von «joga bonito» – wörtlich übersetzt: «spiele schön» – kommt.

Er gilt als Hitzkopf und Simulant, teilt gerne aus – und kann nicht einstecken. Mit dieser Mischung zieht er den Zorn der Fussballwelt auf sich. Dabei geraten seine unbestrittenen fussballerischen Qualitäten oftmals in den Hintergrund. Pepe ist zwar kein filigraner Techniker, überzeugt jedoch mit unglaublicher Kopfball- und Zweikampfstärke sowie einem gescheiten Stellungsspiel.

In den «Clásicos» gegen Erzrivale Barcelona kocht das Blut des Portugiesen jeweils besonders heiss: Im Januar 2012 tritt er willentlich auf Lionel Messis Hand, bei Rudelbildungen ist er praktisch immer an vorderster Front anzutreffen.

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Pepes Tritt auf die Hand von Lionel Messi. Video: YouTube/TheHamburger999

Unvergessen bleiben auch seine Schauspieleinlagen im Final der Champions League gegen Stadtrivale Atlético Madrid. Dazu konnte sich auch Dauer-Twitterer Gary Lineker einen bitterbösen Kommentar nicht verkneifen.

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In der 73. Minute wirft sich Pepe ein erstes Mal auf den Rasen ... Video: streamable

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... in der letzten Minute der Verlängerung doppelt er nach. Video: streamable

Gegen das, was am 21. April 2009 im Heimspiel gegen Getafe passiert, sind jedoch sämtliche anderen Vorfälle Bagatellen. Noch acht Runden sind in der Meisterschaft zu spielen, Barcelona führt die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung auf Real Madrid an. Die Königlichen brauchen gegen den späteren Absteiger Getafe einen Sieg, um im Meisterrennen nicht entscheidend zurückgebunden zu werden.

Doch das Unterfangen gestaltet sich schwieriger als erwartet: Higuaín und Guti machen zwar zweimal einen Rückstand wieder wett, lange Zeit sieht es jedoch danach aus, dass Getafe einen Punkt aus dem Santiago Bernabéu entführt. Als in der 86. Minute Getafes Javier Casquero im Zweikampf mit Pepe innerhalb des Strafraumes zu Boden geht und einen Elfmeter fordert, sieht der Portugiese rot.

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Apropos rot sehen: Pepe in seinem Element.  Video: YouTube/Ahmad Abdul Razek

Mit voller Wucht tritt Pepe den am Boden liegenden Casquero gleich zweimal. Noch während ihm der Schiedsrichter die Rote Karte zeigt, drückt er den Spanier nach unten und rammt ihm das Knie in den Rücken. Als Casqueros Mitspieler ihm zu Hilfe eilen, lässt er von seinem Opfer ab – jedoch nicht ohne ihm noch auf den Fuss zu treten. In der Folge kriegt auch noch Albín eine verpasst, ehe sich Pepe wieder Casquero zuwendet. Erst das Eingreifen von Sergio Ramos und Casillas beendet den Wahnsinn. 

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Die Minuten des Wahnsinns. Video: YouTube/potlim23

Den anschliessenden Elfmeter vergibt der gefoulte Casquero mit einem schwachen Heber – und für Getafe kommt es gar noch bitterer: Trotz des Spielausschlusses gegen Pepe gelingt Higuaín der entscheidende Treffer in den Schlussminuten und Real Madrid gewinnt das Derby mit 3:2.

Die Meisterträume platzen jedoch kurz darauf jäh: Nach dem 2:6-Debakel im «Clásico» am 34. Spieltag brechen die Madrilenen ein, verlieren die verbleibenden vier Partien allesamt und beenden die Meisterschaft neun Punkte hinter dem Erzrivalen auf Rang 2.

Doch der Ausraster von Pepe bleibt nicht ohne Nachspiel. Der Portugiese wird für zehn Spiele gesperrt und handelt sich den Ruf ein, der ihn bis heute verfolgt. Dabei wird der Privatmann Pepe von Mitspielern und Trainern als komplett anderer Mensch beschrieben. Bernd Schuster, der ihn damals als Trainer von Porto zu Real holte, meinte nach dem Messi-Vorfall im Jahr 2012: 

«Er hatte seine Nerven nicht im Griff. Dabei ist Pepe ein netter, umgänglicher Kerl. Nur wenn er das weisse Hemd überzieht, dreht er durch.»

Bernd Schuster in der spanischen «Marca»

In letzter Zeit macht Pepe jedoch primär mit sportlichen Erfolgsmeldungen auf sich aufmerksam. 2014 und 2016 gewinnt er mit Real Madrid die Champions-League-Trophäen zehn und elf, im Jahr der «Undécima» kommt mit dem Gewinn der Europameisterschaft in Frankreich der wohl grösste Titel seiner Karriere hinzu. Im Endspiel gegen die Gastgeber führt Pepe Portugal nach dem Ausfall von Cristiano Ronaldo zum Sieg und wird zum «Player of the match» gekürt.

epa05419715 Pepe (C) of Portugal lifts the trophy after winning the UEFA EURO 2016 Final match against France at Stade de France in Saint-Denis, France, 10 July 2016. 


(RESTRICTIONS APPLY: For editorial news reporting purposes only. Not used for commercial or marketing purposes without prior written approval of UEFA. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications (whether via the Internet or otherwise) shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)  EPA/GEORGI LICOVSKI   EDITORIAL USE ONLY

Pepe stemmt den EM-Pokal in die Höhe. Bild: GEORGI LICOVSKI/EPA/KEYSTONE

Unter Zinédine Zidane scheint Pepes Zukunft bei Real Madrid ungewiss. Der mittlerweile 34-jährige Routinier beharrt auf einem neuen Vertrag über zwei Jahre, Real Madrid will ihn nur für ein weiteres Jahr an den Verein binden. Für den «geläuterten» Pepe stehen die Anwärter jedoch bereits Schlange. Neben Paris St.Germain, Chelsea oder Manchester City sollen auch verschiedene chinesische Vereine Interesse angemeldet haben. 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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