Unvergessen
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Das San Siro in Mailand, eines der grossartigsten Fussballstadien der Welt. Bild: Albo/Shutterstock.com

Shaqiri landete bloss bei Inter, weil Milan keine Schweizer mehr wollte

9. März 1908: Verärgerte Mitglieder von Milan treten aus dem Club aus und gründen mit dem Internazionale FC einen eigenen Verein. Massgeblich an der Abspaltung beteiligt sind Schweizer Fussballer.

09.03.17, 00:01


1899 ist die Welt in Mailand noch in Ordnung. Britische Auswanderer gründen den Milan Cricket and Football Club, aus dem später die ruhmreiche AC Milan wird. Auch zahlreiche Schweizer gehören damals im südlichen Nachbarland zu den Entwicklungshelfern in Sachen Fussball, denn die Schweiz war noch vor Italien vom Spiel mit dem Lederball infiziert worden.

Nachdem die Italiener selber gelernt hatten, wie es geht, wollten sie sich von den Ausländern abnabeln. Eine solch internationale Mannschaft wie es Milans Meisterteam 1907 war, sollte es nicht mehr geben, fanden viele gegnerische Teams. Auch im CFC Milan sind die Schweizer – obwohl erfolgreich und Teamstützen – nicht mehr länger erwünscht. Lieber sollen nur noch Italiener für die Rossoneri spielen.

«C'è solo l'Inter», die offizielle Hymne des Vereins: «Es gibt nur Inter». Video: Youtube/fabio montanari

Ein Bierdeckel stand dem Logo Pate

Doch nicht alle Vereinsmitglieder stehen hinter dem Meinungsumschwung. Am 9. März 1908 treffen sie sich und gründen einen internationalen Klub, den F.C. Internazionale Milano. Passend zu den vielen Schweizern, die für die Abspaltung mitverantwortlich waren, findet die Gründungsversammlung im Ristorante Orologio statt, im «Restaurant Uhrmacher».

Während der Versammlung habe sich Karikaturist Giorgio Muggiani einen Bierdeckel geschnappt und das Logo entworfen, ist in einem Artikel des Fussballmagazins «Zwölf» nachzulesen. Wohl wegen des Bierdeckels sei das Inter-Logo das erste kreisrunde in ganz Italien gewesen.

Das Inter-Logo im Wandel der Zeit

Das erste Logo 1908 (oben links) wurde mehrmals überarbeitet. bild: wikipedia

Gemeinsam ans erste Derby

Im Herbst des gleichen Jahres, am 18. Oktober 1908, kommt es zum ersten Mailänder Derby zwischen Milan und Inter – und zwar auf Schweizer Boden. Die beiden Teams treffen an der «Coppa Chiasso» aufeinander.

Vom erbitterten Hass, den Fans der beiden Teams heute gegenüber dem Gegner haben, ist noch nichts zu spüren. Inter und Milan fahren gemeinsam mit dem Zug nach Chiasso, spielen unterwegs Karten und teilen sich Brot, Salami und Wein. 2000 Zuschauer sehen Inter mit sechs Schweizer Spielern 1:2 verlieren.

Ernst Peterli Inter

Ernst Peterli schoss 1909/10 in 16 Spielen 25 Tore für Inter und wurde damit Torschützenkönig. Bild: WilNet

Die Gründer, Sforza und Shaqiri

Insgesamt 21 Schweizer haben sich seit der Gründung das meistens blau-schwarze Trikot von Inter übergezogen. Die allermeisten von ihnen spielten im ersten Jahrzehnt des Vereinsbestehen in Mailand, so wie der erste Torschützenkönig, den der Klub stellte: Ernst Peterli. Der Ostschweizer ging später zurück in die Heimat und schoss 1914/15 Brühl St.Gallen zu dessen einzigen Meistertitel.

Hernst Marktl

Der Schweizer Hernst Marktl, erster Kapitän von Inter Mailand. Bild: Wikipedia/Snake90

Echte «Legionäre» bei Inter waren bloss drei Schweizer: Einer war Roger Vonlanthen, der spätere Nationaltrainer, von 1955 und 1957. Auf ihn folgte einige Jahrzehnte darauf Ciriaco Sforza. Der Regisseur absolvierte in der Saison 1996/97 insgesamt 40 Partien für die Nerazzurri, bevor er zurück in die Bundesliga wechselte und Aufsteiger Kaiserslautern zum Meistertitel führte.

Inter Milan's Swiss forward Ciriaco Sforza kicks the ball as Parma's goalie Luca Bucci tries to stop him, during their Italian first division soccer game, at the Milan San Siro stadium, Sunday October 27, 1996. Inter won 3-1. (AP Photo/Carlo Fumagalli7

Sforza beim Heimspiel gegen Parma im Oktober 1996. Bild: AP

Bislang letzter Schweizer bei Inter war Xherdan Shaqiri. Der Flügelspieler war nur kurz in Mailand: Anfang 2015 kam er von Bayern München. Doch Shaqiris Gastspiel blieb ein kurzes: Nach einem halben Jahr, 20 Einsätzen und drei Toren zog er weiter zu Stoke City.

Inter Milan’s Xherdan Shaqiri celebrates after scoring during an Italian Cup soccer match between Inter Milan and Sampdoria at the San Siro stadium in Milan, Italy, Wednesday, Jan. 21, 2015. (AP Photo/Luca Bruno)

Shaqiri feiert seinen Treffer im Cup-Spiel gegen Sampdoria. Bild: Luca Bruno/AP/KEYSTONE

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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8
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • PatCrabs 09.03.2017 11:11
    Highlight Ich bin verwirrt, das war jetzt äfachöppis. Eine ziemlich halsbrecherische Fahrt, die von der Gründungsgeschichte zu Shaqiri führt, das muss man euch lassen..
    22 1 Melden
  • Duscholux 09.03.2017 09:50
    Highlight Shaqiri? Ich dachte der Typ auf dem Foto heisst Muskuläre Probleme?
    28 2 Melden
  • al1989 09.03.2017 08:44
    Highlight Weshalb spielte denn Senderos beim AC Milan, wenn sie doch keine Schweizer mehr wollten?
    31 2 Melden
    • Signor_Rossi 09.03.2017 09:10
      Highlight Und Johann Vogel?
      21 2 Melden
    • Hayek1902 09.03.2017 09:42
      Highlight Der Titel bezieht sich auf die Gründungsgeschichte.
      8 3 Melden
    • Luca Brasi 09.03.2017 09:49
      Highlight Oder Johann Vogel? ;)
      3 3 Melden
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