Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bernhard Russi, der ehemalige Skiweltmeister und Olympiasieger, unterrichtet Kinder im Rahmen des Projekts

Nicht immer war Russi so berühmt und beliebt bei den Fans wie heute. Bild: PHOTOPRESS

Unvergessen

15.02.1970: Der junge Russi wird überraschend Abfahrtsweltmeister – weil er kurz vor dem Start seine Skis «entwachsen» lässt

15. Februar 1970: Bei der WM-Abfahrt in Gröden hat keiner den talentierten Nachwuchsfahrer Bernhard Russi auf dem Zettel. Doch dann hat sein Trainer einen Geistesblitz.



«Am Start standen acht Fahrer, die ich zuvor nie geschlagen hatte. Mein Ziel konnte also nur ein Ehrenplatz unter den ersten zehn sein.» Natürlich kann sich der damals 21-jährige Russi keine grösseren Chancen ausrechnen, gelingt ihm doch erst einen knappen Monat früher die Punkte-Premiere im Weltcup.

Der Schweizer Skirennfahrer Bernhard Russi in Aktion an der Ski Weltmeisterschaft 1970 in Val Gardena. Zur Verblueffung aller wurde der damals erst 21 jaehrige Bernhard Russi aus Andermatt Weltmeister in der Abfahrt. (KEYSTONE/Str)    ===  ===

Bernhard Russi segelt über eine Kuppe auf der Saslong. Bild: KEYSTONE

Zudem steht die Abfahrt für den Nachwuchsfahrer unter einem schlechten Stern: Bei einem Skitest einige Tage früher bricht er sich das Handgelenk, im Training kann er nur mit einer Manschette fahren. Doch Russi ist schon damals eine Kämpfernatur: «Erst habe ich mir gedacht, jetzt ist die Sache gelaufen. Aber die WM war halt eine einmalige Sache.»

Die Schweizer Favoriten patzen

Der über Nacht gefallene Neuschnee krempelt die Bedingungen auf der berüchtigten Saslong völlig um – am schlechtesten gehen die Schweizer Favoriten damit um. Sowohl Jean Dätwyler als auch Söre Sprecher können nicht mit den Schnellsten mithalten.

«Der emotional stärkste Augenblick in meinem sportlichen Leben.»

Bernhard Russi

«Die Niederlage für uns Schweizer schien besiegelt», gesteht Russi später. Doch dann gelingt seinem Trainer Paul Berlinger ein Meisterstück der besonderen und unspektakulären Art: In letzter Minute kratzt er das gesamte Wachs von Russis Ski.

Mit der Startnummer 15 geht Russi ins Rennen – und fährt mit seinen zwei manipulierten Brettern alle Konkurrenten in Grund und Boden. Die Löcher und Gräben zu Beginn meistert er problemlos, bei den Kamelbuckeln springt er so weit wie keiner zuvor. In der Ciaslat wird ihm sein Höllenritt erstmals bewusst: «Ich habe gespürt, dass etwas ganz Spezielles passiert.»

abspielen

Russis Zieleinfahrt und der anschliessende Jubel mit seinen Teamkollegen.
streamable

Im Ziel schreit ihm sein jüngerer Bruder Manfred «Bestzeit» entgegen, Russi ist völlig baff: «Es war der emotional stärkste Augenblick in meinem sportlichen Leben

abspielen

Der Rennbericht der WM-Abfahrt.
YouTube/British Pathé

Nach Russi wird die Piste immer schneller, und der WM-Debütant muss noch einige lange Minuten zittern und bangen. Doch keiner kommt mehr an die Zeit des Andermatters heran, und die Gratulantenschlange wächst und wächst.

Vor lauter Aufregung die Skischuhe vergessen

Der frischgebackene Weltmeister ist von dem ganzen Trubel restlos überwältigt. So fällt ihm erst Stunden später bei einem Interview mit ORF auf, dass die Schnallen seiner Skischuhe immer noch auf «Rennposition» gestellt sind und ihm das Blut abschnüren.

Bernhard Russi, aufgenommen im Februar 1970. (KEYSTONE/Str)

Der «Gentleman unter den Skiläufern» im schicken Anzug. Bild: KEYSTONE

Endlich zurück auf seinem Zimmer, will sich Russi für die Siegerehrung im Eisstadion von St.Ulrich bereitmachen, findet aber seine Kleider nicht mehr. Die Erklärung: Die Schweizer Teamverantwortlichen haben wohlweislich seinen Anzug bereits eingepackt und in den Grödner Hauptort gebracht – wer hätte auch einen Podestplatz des Youngsters erwartet?

Also muss Russi in einem vom Teamkollegen geliehenen, um zwei Nummern zu kleinen Anzug seine erste WM-Medaillen entgegennehmen.

Im Verlaufe seiner Karriere folgen noch zwei weitere WM- und zwei Olympiamedaillen, dazu zehn Weltcupsiege. Mittlerweile sitzt auch der Anzug.

Ex Skirennfahrer Bernhard Russi, links, mit Mari, rechts, auf dem roten Teppich bei den Credit Suisse Sports Awards in Zuerich am Sonntag, 14. Dezember 2014. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Russi mit seiner zweiten Ehefrau Mari bei den Sports Awards 2014. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Abonniere unseren Newsletter

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Unvergessen

Ambrosi Hoffmann tritt ab und wir erinnern daran mit dem lustigsten Ski-Video der Welt

9. März 2012: Als Ambrosi Hoffmann seinen Rücktritt per Ende Saison bekannt gibt, ist das bloss eine Randnotiz. Dabei gewann «Amba» eine Olympia-Medaille und gehörte während Jahren zu den besten Abfahrern der Schweiz. Einen Oscar wird er allerdings nie gewinnen – höchstens in unfreiwilliger Komik.

Woran ich mich erinnere, wenn ich den Namen Ambrosi Hoffmann höre? An Einiges, aber zuallererst: An ein absolut köstliches Video. Arno Del Curto, der ewige Trainer des HC Davos ruft «Amba» an, als dieser gerade auf dem Berg die Sonne geniesst. Er solle schnell runter ans Spiel kommen, fordert Del Curto den Abfahrer auf – und der gehorcht brav:

Ambrosi Hoffmann fährt zwischen 1996 und 2012 im Weltcup. 228 Mal geht er an den Start, er steht sechs Mal auf dem Podest – aber nie ganz zuoberst. Die …

Artikel lesen
Link zum Artikel