Unvergessen
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Kombinations-Sieger Pirmin Zurbriggen (rechts) mit dem Siegertrio des Slaloms: Bojan Krizaj (3.), Joël Gaspoz (1.) und Dietmar Köhlbichler (2.). Bild: KEYSTONE

Am Lauberhorn kommt Pirmin Zurbriggen zum billigsten Sieg seiner Karriere

18. Januar 1987: Nur ein einziger Fahrer fährt in Wengen sowohl in der Abfahrt wie auch im Slalom. Weil Pirmin Zurbriggen in beiden Rennen ins Ziel kommt, gewinnt er die Kombination – und am Ende des Winters auch den Gesamtweltcup.

18.01.18, 00:01


Es gibt nur einen Pirmin. Das Verzeichnis tel.search weist zwar aktuell 576 entsprechende Einträge auf. Aber wer Pirmin hört, denkt dabei automatisch an Zurbriggen. Das nationale Ski-Idol: 40 Weltcupsiege, Olympiasieger, vierfacher Weltmeister, vierfacher Sieger des Gesamtweltcups. Der erfolgreichste Skirennfahrer, den die Schweiz je hatte.

Unvergessen, wie er 1985 in Bormio Abfahrts-Weltmeister wird. Zurbriggen gewinnt in Kitzbühel beide Abfahrten, verletzt sich dabei jedoch am Meniskus. Die WM-Teilnahme ist in Gefahr, die ganze Schweiz bangt mit dem Walliser und seinem Knie der Nation. Pirmin wird rechtzeitig fit und holt sich in Italien die Goldmedaille – elf Hundertstel vor seinem ewigen internen Rivalen Peter Müller.

Pirmin Zurbriggen und sein «Knie der Nation» – Portrait aus dem Jahr 1985. Video: YouTube/SRF Archiv

Das sind noch Zeiten!

Doch von dieser Heldentat soll an dieser Stelle nicht die Rede sein. Viel mehr blicken wir aufs Ski-Wochenende des 17./18. Januars 1987 am Lauberhorn zurück. In der Abfahrt triumphiert im Berner Oberland der Deutsche Markus Wasmeier, mehr als eine Sekunde beträgt sein Vorsprung auf den zweitklassierten Toggenburger Karl Alpiger. Pirmin Zurbriggen kommt nicht auf Touren, als Neunter ist er bloss der fünftbeste Schweizer. Das sind noch Zeiten!

Kombination im Wandel der Zeit

Im Gegensatz zu heute bestand die Kombination im Weltcup bis 2006 nicht aus einem separaten Abfahrts- und Slalomlauf, sondern es wurden die Einzelresultate einer Abfahrt und eines Slaloms (zwei Läufe) zusammengezählt. Bis 1994 mittels eines komplizierten Punktesystems, danach mittels Addieren der Einzelzeiten. Der Ruf nach einer Abschaffung der Disziplin ist zuletzt wieder lauter geworden.

Doch Zurbriggen kann sich damit trösten, dass er in der Kombination billige Punkte für den Gesamt-Weltcup holen kann. Denn der Walliser ist tatsächlich der einzige Abfahrer, der tags darauf auch im Slalom antritt. So muss er nur ins Ziel kommen, um 25 Punkte für den Sieg einzustreichen. Zurbriggen, der in seiner Karriere immerhin zwei Weltcup-Slaloms gewinnen konnte, schafft dies. Er fährt auf Rang 10.

Pirmin Zurbriggen mit seinem Erfolgstrainer, dem «Eisernen Karl» Freshner. Bild: KEYSTONE

50 «Gratis-Punkte» auf dem Weg zur grossen Kugel

So kommt es zum historischen Weltcup-Resultat, dass bloss ein einziger Fahrer klassiert wird: Pirmin Zurbriggen. Er gewinnt eine Woche später auch die zweite Kombination des Winters. In Kitzbühel hat er im Liechtensteiner Andi Wenzel auch nur einen einzigen Konkurrenten.

Die total 50 Punkte für die beiden Kombinations-Siege machen am Ende der Saison zwar nicht den Unterschied aus. Denn Zurbriggen ist seinen Gegnern in jenem Winter haushoch überlegen. Doch sie sind ein beruhigendes Polster gegenüber den ärgsten Verfolgern Marc Girardelli (Luxemburg) und Markus Wasmeier.

Gesamtweltcup 1986/87

tabelle: Wikipedia

Eine Saison der Superlative

Die Bilanz Ende Saison ist atemberaubend gut: Pirmin Zurbriggen gewinnt den Gesamtweltcup und die Disziplinen-Kugeln in der Abfahrt, im Super-G, im Riesenslalom (punktgleich mit Landsmann Joël Gaspoz) und in der Kombination. Einzig die Slalom-Spezialwertung überlässt der 24-Jährige seinen Gegnern. Der Jugoslawe Bojan Krizaj krallt sie sich.

Dazu gewinnt «Pirmin National» an den legendären Weltmeisterschaften 1987 in Crans-Montana Gold im Super-G und im Riesenslalom, sowie Silber in der Abfahrt und in der Kombination. Dieses Rennen wird allerdings in zwei separaten Rennen (Kombi-Abfahrt und Kombi-Slalom) ausgetragen und es stehen mit Marc Girardelli (Gold) und Günter Mader (Bronze) auch zwei Konkurrenten mit ihm auf dem Podest. Nicht wie einige Wochen zuvor, als er in Wengen einsam und allein vom obersten Treppchen grüsst.

Sie liessen 1987 dem Rest der Welt in Crans-Montana nur die Brosamen übrig: Michaela Figini, Karl Alpiger, Maria Walliser, Pirmin Zurbriggen, Erika Hess, Peter Müller und Vreni Schneider (von links). Bild: KEYSTONE

Unvergessen

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • sanmiguel 18.01.2018 08:51
    Highlight Das waren noch Zeiten. Und irgendwie schmeckte das Rivella damals noch besser.

    Ich hatte ja das tolle Pirmin Stirnbi. Leider ist es weg.
    7 2 Melden
    • Johnny Geil 18.01.2018 13:56
      Highlight Da muss ich widersprechen. Der ach-so-tolle Primin Zurbriggen sagte einst: "Aids ist eine Strafe Gottes".

      Heute kommt das glücklicherweise (zumindest im Skizirkus) nicht mehr vor.
      1 2 Melden

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

30. Dezember 1981: 50 Tore in den ersten 50 Partien der Saison – eine geradezu mystische Bestmarke. Zwei Stürmer haben sie erreicht: Maurice «Rocket» Richard und Mike Bossy. Dann kommt in der Saison 1981/82 Wayne Gretzky und pulverisiert den Rekord.

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