Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Schweizer Snowboarder Ueli Kestenholz waelzt sich am Montag, 9. Februar 1998, im Schnee von Shiga Kogen, geschmueckt mit der Bronzemedaille, die er am Vortag am olympischen Snowboard- Riesenslalom gewonnen hat.  (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Ein 22-Jähriger im Schnee: Ueli Kestenholz feiert seine Bronzemedaille. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Am ersten Snowboard-Olympia-Event wird Kestenholz von einem Kiffer geschlagen

8. Februar 1998: In Nagano kämpfen die Snowboarder um die allerersten Olympiamedaillen in der Geschichte ihres Sports. Ueli Kestenholz stürmt zu Bronze – und beweist trotz Edelmetall, dass Berner langsamer sind als Kiffer.



Training? Party! Ovomaltine? Kiffen! Der erste Olympiasieger der Geschichte bestätigt das allgemein gültige Klischee, das die Sportwelt 1998 noch von den Snowboardern hat: Im Urin von Ross Rebagliati werden Spuren von Marihuana entdeckt. Die Zigarren rauchenden und Wein trinkenden, alten Männer vom IOC sind entsetzt. Sie wollen dem Kanadier die Medaille sofort wieder abnehmen.

Rebagliati beteuert daraufhin, dass er zehn Monate vor den Spielen letztmals einen Joint im Mund hatte. Allerdings hätten ihm Freunde eine Woche vor dem Rennen in Nagano eine Abschiedsparty organisiert, an welcher ordentlich gekifft worden sei. Die erhöhten Werte in seinem Blut führt er deshalb auf Passiv-Kiffen zurück.

Richter entscheiden für Rebagliati

Nach einem tagelangen Hin und Her spricht das internationale Sportgericht CAS den Kanadier wegen eines Formfehlers frei. Im für die Athleten verbindlichen Medical Code des IOC war nicht zweifelsfrei geregelt worden, dass der Nachweis von Marihuana automatisch geahndet wird. Es ist dort lediglich die Rede davon, dass er bestraft werden kann.

Unterwegs, um Geschichte zu schreiben: Ueli Kestenholz im ersten Lauf des Olympia-Riesenslaloms von Nagano. Bild: AP

Dank diesem Richterspruch bleibt es auch bei der Bronzemedaille für den Schweizer Ueli Kestenholz, der hinter Rebagliati und dem Italiener Thomas Prugger Dritter wird.

Die Story war ein gefundenes Fressen für Komiker: Olympiasieger Ross Rebagliati zu Gast bei US-Talkmaster Jay Leno. Bild: AP

Kestenholz ist ohnehin nicht scharf auf Silber, das nach dem Rennen einige Tage lang möglich scheint. «Ich hoffe, Rebagliati darf seine Goldmedaille behalten», sagt der Thuner, als das Urteil des CAS noch aussteht. Die Disqualifikation des Gegners bezeichnet er als Witz: «Marihuanakonsum macht nicht schnell.»

Die Affäre zementiert jedoch die Klischees der Öffentlichkeit den Snowboardern gegenüber. Nichtraucher Kestenholz sorgt sich ums Image: «Ich habe Angst, dass man nun sagt: Seht, das sind eben Snowboarder! Warum ist die Disziplin überhaupt olympisch?»

Ein zweiter Lauf wie im Traum

Ob Silber oder letztlich doch Bronze: Dass es an diesem Sonntag im Februar 1998 überhaupt die erste Schweizer Medaille der Spiele von Nagano zu feiern gibt, daran ist nach dem ersten Lauf des Riesenslaloms nicht zu denken. Kestenholz liegt auf Rang 10, seine drei Teamkollegen sind alle ausgeschieden.

abspielen

Der zweite Lauf, in dem sich Ueli Kestenholz noch aufs Podest verbessert. Video: YouTube/scuffk

Das immer schlechter werdende Wetter in Shiga Kogen scheint sich ebenfalls gegen Kestenholz verschworen zu haben. Nebel zieht auf, ausgerechnet vor seinem Start wird das Rennen zehn Minuten lang unterbrochen. Im Schneegestöber scheint der Berner auf der frisch eingeschneiten Piste chancenlos zu sein.

Aber der 22-Jährige glaubt an den Erfolg. Er riskiert alles, obwohl er kaum drei Tore weit sieht. Kestenholz stellt die Bestzeit auf und die Konkurrenten verirren sich gleich reihenweise im dichten Nebel. Die Überraschung ist perfekt.

2002 versucht Kestenholz, dem Sportminister Samuel Schmid den Snöber-Gruss beizubringen. Bild: Keystone

Olympische Eintagsfliege

Vier Jahre nach dem Triumph in Japan strebt Ueli Kestenholz auch in Salt Lake City eine Medaille an. Er verpasst sein Ziel, genauso wie bei seinen dritten und letzten Spielen in Turin, wo er im Boardercross antritt.

Der zweifache Sieger der X-Games und zweifache ISF-Weltmeister entschliesst sich daraufhin, vom Wettkampfsport zurückzutreten – nicht aber als Athlet. Ueli Kestenholz wendet sich dem Speed Flying zu, dreht erfolgreich Filme. Sein Werk «Playgravity» wird mehrfach ausgezeichnet.

abspielen

Der Trailer zum Film «Playgravity». Video: YouTube/boardhead1

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Alle Schweizer Olympiasieger bei Winterspielen

Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang

Mit diesem Flussdiagramm findest auch du deine Olympia-Sportart

Link zum Artikel

Der ultimative Test: Welcher Schweizer Olympionike bist du?

Link zum Artikel

Olympische Spiele oder Street Parade – welcher Slogan gehört wohin?

Link zum Artikel

Nach dem Erfolg die Magersucht – das wurde aus dem 15-jährigen Star der Spiele von Sotschi

Link zum Artikel

12 wahnwitzige Curling-Szenen, die die Lust auf Olympia wecken

Link zum Artikel

7 bemerkenswerte Fakten zu den 171 Schweizer Olympia-Teilnehmern

Link zum Artikel

Noch ein Monat bis Olympia – das sind unsere grössten Medaillen-Hoffnungen

Link zum Artikel

Ein Langläufer aus Tonga?! Pita Taufatofua hat sich tatsächlich für Olympia qualifiziert

Link zum Artikel

Olympia droht Doping-Skandal, weil sich diese Fläschchen öffnen lassen

Link zum Artikel

Vier neue Disziplinen: In Pyeongchang geht's um 102 Medaillensätze

Link zum Artikel

Hier finden die Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele 2018 statt

Link zum Artikel

Wir sind Soohorang und Bandabi, die Maskottchen der Winterspiele 2018

Link zum Artikel

Pyeongchang wie Sapporo und Nagano? Die Schweizer Bilanz bei Winterspielen in Asien

Link zum Artikel

So kam Pyeongchang zu den Olympischen Winterspielen 2018

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • jjjj 08.02.2018 06:40
    Highlight Highlight „snöber“
    Benutzer Bild
    • Signor_Rossi 08.02.2018 09:42
      Highlight Highlight Mal davon abgesehen, dass ich hajdgenoss, Swissmeme und Konsorten absolut unlustig finde, stimmt das Bild nicht einmal:
      - Einen Fleischvogel nennt man auch in Bayern, Südtirol und in Teilen Österreichs so
      - Hausarrest gibt's auch in DE und AUT
      - Duvet nennt man eine Bettdecke auch in FR so
    • jjjj 08.02.2018 12:51
      Highlight Highlight @Rossi: es geht da um den Unterschied zwischen „richtigen“ Schweizern und Secondos / Shipis, etc...

      Nicht so ernst nehmen...

Das ist ja ein Ding! Iouri Podladtchikov will als Skateboarder an die Olympischen Sommerspiele

Snowboard-Olympiasieger ist der Zürcher Iouri Podladtchikov schon. Und den Titel will er 2018 auch verteidigen. Doch weil danach nicht Schluss sein soll, visiert er schon jetzt die Sommerspiele 2020 an. Als Skateboarder.

Die Ankündigung des Internationalen Olympischen Komitees, in vier Jahren Skateboarden ins olympische Sommerprogramm aufzunehmen, muss bei Podladtchikov zu Luftsprüngen geführt haben. Das könnte man jedenfalls meinen, wenn man liest, wie die «Neue Zürcher Zeitung» die Reaktion des Profi-Snowboarders beschreibt: «Ich bin total glücklich!» – «Ich grinse über das ganze Gesicht.» – «Dort will ich hin.» So soll es getönt haben.

Im ausführlichen Interview mit der Zeitung bestätigt der …

Artikel lesen
Link zum Artikel