Unvergessen
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Michael Changs «Uneufe»-Aufschlag im French-Open-Achtelfinal 1989 ist wahrlich unvergessen. bild: youtube

Unvergessen

Chang treibt Lendl mit Mondbällen und «Uneufe»-Aufschlag in den Wahnsinn

5. Juni 1989: Ivan Lendl ist im French-Open-Achtelfinal gegen Teenager Michael Chang der haushohe Favorit. Die Weltnummer 1 führt mit 2:0 Sätzen, da schafft der 17-jährige Amerikaner dank Psychotricks die Wende und avanciert später zum jüngsten Grand-Slam-Sieger der Geschichte.



Ivan Lendl kommt 1989 als haushoher Favorit ans French Open. Drei seiner bislang sieben Grand-Slam-Titel hat der Tschechoslowake an der Porte d'Auteuil gewonnen, seit dreieinhalb Jahren ist er – mit einem kurzen Unterbruch von 20 Wochen – die Weltnummer 1. «Ivan, der Schreckliche» beherrscht das Männertennis dank seinem starken Aufschlag und der wuchtigen Vorhand beinahe nach Belieben.

Ohne Satzverlust stürmt Lendl dann auch in den Achtelfinal, wo er auf den erst 17-jährigen Amerikaner Michael Chang trifft. Der Sohn taiwanesischer Einwanderer hat auf der Tour schon auf sich aufmerksam gemacht: Beim US Open 1988 kämpft sich der Teenager dank seiner Unbeschwertheit bis in den Achtelfinal, wenig später gewinnt er in San Francisco sein erstes ATP-Turnier.

American tennis player Michael Chang at the French Open in Paris, 1989. He won the tournament, becoming the youngest male winner of a Grand Slam singles event at the age of 17. (Photo by Simon Bruty/Getty Images)

Der 17-jährige Michael Chang ist alles andere als Modellathlet. Bild: Getty Images Europe

Beim French Open schlägt die damalige Weltnummer 15 auf dem Weg in den Achtelfinal unter anderem auch den um ein Jahr älteren Pete Sampras, der bis dato aber noch kaum in Erscheinung treten konnte. Doch Ivan Lendl hätte gewarnt sein können.

Lendl zunächst dominant

Im Duell David gegen Goliath lässt der Modellathlet Lendl gegen den schmächtig wirkenden Chang in den ersten beiden Sätzen nichts anbrennen. Der 29-Jährige dominiert die meist über einminütigen Ballwechsel, reagiert auf Breaks des Amerikaners mit dem sofortigen Re-Break und geht nach knapp zwei Stunden mit 2:0-Sätzen in Führung. Die Partie nimmt den erwarteten Lauf. Doch im dritten Durchgang kippt das Momentum plötzlich.

Chang holt sich Satz Nummer 3 dank zwei Breaks zum Schluss mit 6:3 und schleicht sich damit in Lendls Kopf. Der Favorit wirkt immer unsicherer. Er macht plötzlich mehr Fehler, während der noch nicht sehr austrainierte Chang mit Wadenkrämpfen in beiden Beinen zu kämpfen hat. Dennoch schafft der Teenager das Break zum 4:2. Lendl verpasst danach die Chance zum Re-Break und verliert immer mehr die Fassung.

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Ivan Lendl würdigt Chang während der Partie keines Blickes. Bild: AP

Nachdem ein knapper Ball von Chang gut gegeben wird, bittet Lendl den Stuhl-Schiedsrichter den Abdruck zu kontrollieren. Doch dieser kann den Abdruck nicht mehr finden und gibt den Punkt an den Aussenseiter. Lendl kann es nicht fassen und beschimpft den Schiedsrichter: «Jedes Mal betrügst du mich.» Der Unparteiische bestraft Lendl für sein unflätiges Benehmen mit einem Punktabzug und das Spiel geht an den Amerikaner.

Als Chang beim Stand von 5:3 zum Satzausgleich serviert, beginnt er plötzlich, ständig hohe Mondbälle zu spielen – um die Geschwindigkeit aus dem Spiel zu nehmen und sein Gegenüber weiter aus der Fassung zu bringen. Der Psychotrick funktioniert, Lendl muss auch den vierten Durchgang abgeben.

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Chang schlägt nur noch Mondbälle. Video: YouTube/Fredrik Hagen

Chang am Ende seiner Kräfte, dafür mit Pychotricks

Der Entscheidungssatz wird zum offenen Schlagabtausch. Obwohl Chang wegen seinen Wadenkrämpfen phasenweise kaum mehr stehen kann und bei manchen Schlägen vor Schmerzen schreit, verblüfft er im anderen Moment plötzlich wieder mit unglaublichen Gewinnschlägen.

Ans Aufgeben denkt Chang aber nie. «Wenn du das erste Mal aufgibst, ist es das zweite, dritte und vierte Mal viel einfacher, das Gleiche zu tun», sagt er später. Bei jedem Seitenwechsel trinkt er so viel wie möglich und isst ständig Bananen, aus Angst vor Krämpfen setzt er sich auch nicht mehr hin.

Dem Amerikaner gelingt zu Beginn des fünften Satzes überraschend das frühe Break, doch seine Kräfte schwinden zusehends. Seine Aufschläge sind nur noch «Einwürfe» und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis Lendl das Re-Break schafft. Doch Chang wehrt sich, bei 4:3 und 15:30 aus seiner Sicht, wieder mit einem Psychotrick, der zur Legende werden sollte. Er schnibbelt einen Aufschlag von unten ins Feld, der komplett überraschte Lendl greift an und wird passiert.

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Changs berühmter «Uneufe»-Auschlag. Video: streamja

Chang bringt seinen Service mit Ach und Krach durch und kommt im folgenden Aufschlagspiel Lendls bei 15:40 zu zwei Matchbällen. Und was macht der 17-Jährige? Er packt den nächsten Psychotrick aus. Demonstrativ stellt er sich vor Lendls zweitem Aufschlag an die T-Linie. Im Publikum bricht Gelächter aus, Lendl verwirft genervt die Hände, blickt zum Schiedsrichter und serviert dann den Doppelfehler.

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Chang provoziert Lendls Doppelfehler beim Matchball. Video: streamja

Diese lästige Mücke …

Nach 4:37 Stunden fällt Chang nach dem 4:6, 4:6, 6:3, 6:3, 6:3 weinend auf die Knie. Dank seinem unbändigen Kampfgeist schafft er die grosse Sensation und wirft die Weltnummer 1 aus dem Turnier. «Ich spiele ja immer gegen ältere Kontrahenten. Wenn die den kleinen Kerl auf der anderen Seite des Netzes sehen, werden sie nervös», sagt der spätere Wanderprediger nach der Partie. «Es war eine lange Reise mit Ivan, aber Gott und Jesus Christus waren mit mir.»

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Michael Chang blickt auf das Spiel der Spiele zurück. Video: YouTube/The New York Times

Der gedemütigte und lächerlich gemachte Lendl lässt seinem Ärger freien Lauf. «Ich konnte die Mücke dort drüben einfach nicht totschlagen. Michael hat grossen Kampfgeist bewiesen und verdient meine Hochachtung», bilanziert «Ivan, der Schreckliche». «Es war das verrückteste Match, das jemals in Paris, wenn nicht in der ganzen Tennisgeschichte gespielt wurde», wird John McEnroe noch 20 Jahre später sagen.

Erster und einziger Grand-Slam-Titel

Während Lendl Paris verbittert verlässt, setzt Chang seine Siegesserie fort. Im Viertelfinal schlägt er Ronald Agénor, im Halbfinal Andrei Tschesnokow in vier Sätzen. Und auch im Final ist der Shooting-Star nicht mehr zu stoppen. Der 17-Jährige bodigt nach einem 1:2-Satzrückstand auch Stefan Edberg und krönt sich zum bis heute jüngsten Grand-Slam-Sieger.

American tennis player Michael Chang, 17, holds the winner's trophy after he won the French open tennis championships in this June 11, 1989 photo, in Paris. Michael Chang will retire after the U.S. Open scheduled Aug. 25, through Sept 7, 2003, Chang said in home town Mercer Island, USA, Friday, Jan 31, 2003. (KEYSTONE/AP Photo/Pierre Gleizes)

Chang mit der «Coupe des Mousquetaires». Bild: AP

Trotz insgesamt 34 Turniersiegen bleibt es der grösste Erfolg in Changs Karriere. Immer wieder wird der heutige Coach von Kei Nishikori auch heute noch auf seinen Exploit von damals angesprochen. Immer wieder sagt er das gleiche: «Diese zwei Wochen in Paris waren ein grosser Spass, die beste Zeit meines Lebens.»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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Wimbledon-Triumph als Weltnummer 125 – Ivanisevics Traum wird endlich wahr

8. Juli 2001: 13 vergebliche Anläufe hatte Goran Ivanisevic in Wimbledon genommen. Drei Mal stand er im Final. Doch immer wieder versagten dem kroatischen Aufschlaghünen die Nerven. Bis er endlich den Ruf des ewigen Zweiten abstreift und dank einer Wildcard doch noch Wimbledon gewinnt.

Seit seiner Kindheit war es sein grösster Traum: einmal in Wimbledon zu gewinnen. Die Voraussetzungen sind bestens: Goran Ivanisevics Spiel ist dank dem gewaltigen Aufschlag und dem starken Netzspiel wie geschaffen für Rasentennis. «Herr der Asse» wird der 1,93 Meter grosse Kroate nur genannt. 1996 stellt er mit 1477 Assen in einem Jahr eine bis heute gültige Rekordmarke auf.

Doch Ivanisevics Traum vom Wimbledon-Triumph wird mit der Zeit immer mehr zum Albtraum. Dabei hatte doch alles so gut …

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