Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
US Open 1977 Pistolenkugel

Polizisten durchsuchen die Tribüne nach Hinweisen. Bild: AP

An den US Open wird mitten im Stadion ein Fan durch eine Pistolenkugel verletzt

4. September 1977: Kurz nach Beginn des US-Open-Spiels zwischen John McEnroe und Eddie Dibbs schreit ein Fan auf der Tribüne laut auf. Eine Kugel hat ihn am Oberschenkel getroffen. Wer sie abgefeuert hat, ist bis heute ungeklärt.

04.09.18, 00:01 04.09.18, 08:13


James Reilly ist 33 Jahre alt. Gelber Blazer, Sitzplatz auf der Nordtribüne, Portal 8, im Forest Hills Stadion. Es ist 21.30 Uhr. Reilly ist einer von 6943 Zuschauern, die an diesem Sonntagabend das Drittrundenspiel des aufstrebenden John McEnroe gegen Eddie Dibbs sehen wollen. Er ist derjenige der 6943 Zuschauer, der das Spiel wie kein anderer in Erinnerung behalten wird.

Die Partie hat noch kaum angefangen, da wird sie unterbrochen. Ein Zuschauer schreit laut auf. Er sitzt auf der Nordtribüne, Portal 8. James Reilly hält sich den Oberschenkel, Blut strömt aus der Wunde. Einen Schuss hat niemand gehört, weder das Opfer noch die Zuschauer um ihn herum.

«Ich gehe nicht als Zielscheibe nach draussen»

Die beiden Spieler werden über den Vorfall informiert – und fühlen sich umgehend an einen Film erinnert, der wenige Monate vorher in den Kinos kam. In «Black Sunday» planen palästinensische Terroristen einen Anschlag im Stadion während dem Superbowl in Miami. Nur sieben Jahre nach der Ermordung israelischer Sportler an den Olympischen Spielen in München ist dieser Plot alles andere als eine utopische Vorstellung.

Former champion tennis player John McEnroe sits in the commentary box at centre court as France's Jo-Wilfried Tsonga plays against Serbia's Novak Djokovic during their men's singles fourth round match on day seven of the 2014 Wimbledon Championships at The All England Tennis Club in Wimbledon, southwest London, on June 30, 2014. AFP PHOTO / GLYN KIRK  - RESTRICTED TO EDITORIAL USE

McEnroe ist als TV-Experte immer noch im Tenniszirkus engagiert. Bild: AFP

«Ich gehe nicht als Zielscheibe nach draussen», sagt der 18 Jahre junge John McEnroe zum erfahrenen Eddie Dibbs und schlägt vor, unter einem Vorstand in Deckung zu gehen. Nach sechs Minuten geht das Spiel aber weiter – weil man die beiden Akteure anschwindelt. Ein Offizieller erklärt ihnen, auf den Zuschauer sei nicht geschossen worden. Man habe die Information falsch verstanden, er habe einen Schock erlitten: «The fan hadn't been shot, he'd gone into shock.»

Keine Spur vom Täter und keine Informationen über das Opfer

25 Jahre nach dem Zwischenfall hat die New York Times versucht, mit dem Opfer von damals zu sprechen. Doch die intensiven Recherchen blieben erfolglos, keiner der 45 vom Blatt kontaktierten James oder Jim Reillys war der Gesuchte. Die Spitalunterlagen wurden in der Zwischenzeit vernichtet. Heute ist der Mann, sofern er noch lebt, über 70 Jahre alt.

Nie geklärt wurde, wer den Schuss abgegeben hat. Die Polizei vermutete, dass das Projektil vom Kaliber 38 ein Querschläger war, der zufällig im Stadion einschlug. Die US Open wurden damals (zum letzten Mal) in Forest Hills im Stadtteil Queens ausgetragen, einer eher zwielichtigen Gegend.

John McEnroe warf den als Nummer 9 gesetzten Eddie Dibbs aus dem Turnier, welches später von Guillermo Villas gewonnen wurde. Doch in Erinnerung bleibt von dieser Drittrunden-Partie vor allem einer: der Tennis-Zuschauer auf der Nordtribüne, Portal 8, der von einer Pistolenkugel getroffen wurde: James Reilly.

Jeder ein kleiner McEnroe: «You Can Not Be Serious!» und weitere schöne Tennis-Ausraster. Video: YouTube/Sport Life

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Ob die Kugel vom Wind abgelenkt wurde?

Video: watson/Emily Engkent

Sie waren alle die Nr. 1 der Welt

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Eklat am US-Open-Final – hatte Serena Williams recht oder nicht? 

Sowas sieht man selten im Tennis-Sport. Schiedsrichter-Entscheide werden zwar immer wieder diskutiert, aber dass sie spielentscheidend sind, kommt kaum je vor.

Anders gestern Abend. Serena Williams wurde wegen wiederholten Regelverstössen ein Game abgezogen. Und das im Finale des US Open, in einem der wichtigsten Matches überhaupt. 

Am Ende verlor die 23-fache Grandslam-Siegerin mit 2:6, 4:6 und verpasste somit den Major-Rekord. Siegerin wurde Naomi Osaka. Ob der japanische Youngster auch …

Artikel lesen