Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Nach seinem Final-Sieg liegt der Schweizer Tennisspieler Marc Rosset im August 1992 am Boden und kann es kaum glauben: Marc Rosset gewinnt die Goldmedaille an den Olympischen Sommerspielen in Barcelona. Er hat sie sich ueber fuenf Saetze (7:6, 6:4, 3:6, 4:6, 8:6) gegen Jordi Arese hart erkaempft. Es ist dies die einzige Medaille an den Olympischen Spielen 1992 fuer die Schweiz.  (KEYSTONE/Str)

Olympiasieger! Rosset kann es nicht fassen. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Marc Rosset holt sich an Federers 11. Geburtstag sensationell Olympiagold

8. August 1992: Marc Rosset siegt im Olympia-Final gegen Lokalmatador Jordi Arrese und gewinnt in Barcelona Gold. Mit dem überraschenden Coup hält der Genfer als einziger Medaillengewinner auch die Schweizer Fahne hoch. 



Noch einmal nimmt Marc Rosset Mass, noch einmal drückt er die Filzkugel mit Topspin ins Feld, noch einmal degradiert er den Spanier Jordi Arrese zum Zuschauer. Dann: Jubelpose im Sand, Hände über dem Kopf zusammenschlagen, der ungläubige Blick auf die Anzeigetafel. 7:6, 6:4, 3:6, 4:6, 8:6 steht da geschrieben.

Marc Rosset läuft zum Netz, umarmt den glücklosen Lokalmatador. Der Schlaks und sein Gegner, es sieht aus wie bei Vater und Sohn, etwas unbeholfen und fremd. Aber der «Vater» ist Olympiasieger und der «Sohn» die personifizierte Enttäuschung von 7000 katalanischen Tennisfans. 

abspielen

Ein Rückblick auf den grössten Moment des Romands.  Video: YouTube/Olympic

Wie gross waren die Hoffnungen in Arrese gewesen! Die Dramaturgie wäre ja auch perfekt gewesen: Ein Katalane holt Olympiagold in Barcelona. Mehr geht nicht. Aber auch für Marc Rosset als Nicht-Katalane nicht. Der Unterschied: keine Erwartungen, keine Fallhöhe. Aber alles zu gewinnen. Rosset setzt nichts. Und gewinnt alles. 

Die unkonventionelle Vorbereitung

Die olympischen Sommerspiele haben im Frühsommer 1992 noch nicht begonnen und Marc Rosset weilt in den Ferien. Eher legt er die Beine hoch, als dass er sich auf dem Trainingsplatz abrackert.

Rosset ist erst 21-jährig und mit den Tennis-Fans einer Meinung: Eine reelle Chance auf den Olympiatitel? Gibt es nicht. Eine zielgerichtete Vorbereitung auf den Grossanlass ebenso wenig, dafür Strand und halbgare Trainingseinheiten. 

«Ich war in Barcelona ohne irgendwelche sportliche Erwartungen.»

Marc Rosset erinnert sich Tribune de Genève

Zum Vergleich: Sein späterer Finalgegner Jordi Arrese setzt auf den totalen Tunnelblick und macht sich ganze viereinhalb Monate fit für dieses angestrebte Karriere-Highlight. Mit dem psychischen Vorteil des Underdogs steigt Marc Rosset ins Turnier. Er gewinnt seine ersten Partien, und spätestens als er im Achtelfinal die damalige Weltnummer 1 Jim Courier ausschaltet, wird die Sportöffentlichkeit auf den Genfer aufmerksam.

Der Schweizer Tennisspieler Marc Rosset im August 1992 im Final gegen Jordi Arese. Rosset gewinnt die Goldmedaille ueber fuenf Saetze (7:6, 6:4, 3:6, 4:6, 8:6) nach einem hart umkaempften Spiel. Es ist dies die einzige Medaille an den Olympischen Spielen 1992 fuer die Schweiz.  (KEYSTONE/Str)

Die Vorhand ist nach dem Aufschlag die Stärke von Rosset. Bild: KEYSTONE

Der Sieg gegen Courier, das ist auch in der Deutschschweiz für viele das Signal dafür, Rosset mit Argusaugen zu beobachten. Arrivierte Hoffnungsträger fallen nach und nach wie faule Äpfel aus dem Turnier und der Genfer ist, um im Bild zu bleiben, jener Apfel, der sich seines Nischendaseins in der Baumkrone entledigt und mit jedem Sieg an Grösse und Glanz gewinnt. Erst recht steigt die Spannung, als er im Viertelfinal auf den spanischen Silbermedaillengewinner von 1988, Emilio Sánchez, trifft. 

Die brütende Hitze in Barcelona

Der einzige Unterschied zum späteren Finalgegner Arrese: Sánchez ist Madrilene und spielt als Vertreter des verabscheuten spanischen Zentralstaats im separatistischen Katalonien. Ansonsten: Brütende Hitze im Stadionkessel und tausende Tennisfans, die den Landsmann zum Sieg peitschen wollen. Marc Rosset behält einen kühlen Kopf und schaukelt diese zweitletzte Partie ins Trockene. Lediglich einen Satz gibt er ab.

Die Schweizer Tennisspieler Marc Rosset (l) und Jakob Hlasek im August 1992 an den Olympischen Spielen in Barcelona. Die einstigen Teamgefaehrten im Daviscup stehen in der Auseinandersetzung zwischen dem Scheizer Daviscup-Team und dem Verband ''Swiss Tennis'' auf verschiedenen Seiten, wie am Mittwoch, 1. Dezember 1999 zu erfahren war. Die Spieler wehren sich gegen die vom Verband ohne Ruecksprache vorgenommene Ersetzung des von ihnen gewaehlten Captains Claudio Mezzadri durch Jakob Hlasek. Zudem fordern sie mehr Mitspracherecht in der Wahl der Austragungsorte fuer die Heimspiele. (KEYSTONE/Str)

Im Doppel scheidet Marc Rosset zusammen mit seinem Partner Jakob Hlasek (rechts) im Viertelfinal aus, im Einzelwettbewerb gelingt ihm hingegen die Sensation. Bild: KEYSTONE

Keinen Heimvorteil wettzumachen gilt es im Halbfinal. Goran Ivanisevic, der «Herr der Asse», heisst der Gegner. Aus Juniorenzeiten ist man sich bestens bekannt, zwischen den beiden anfangs der 1970er-Jahre geborenen Talenten liegt nur ein Jahr Altersunterschied. Auf dem Platz aber gibt Rosset vom ersten Aufschlag an den Takt vor. Er zerstört in glatt drei Sätzen die Finalträume des Kroaten.

Auch im Endspiel gegen Arrese – am Tag von Roger Federers 11. Geburtstag – tritt der Genfer aufs Gaspedal und liegt vermeintlich vorentscheidend mit zwei Sätzen in Führung. Doch jetzt scheint der Funke vom fanatischen Publikum auf Arrese überzuspringen. Der 27-jährige Spanier mit dem Stirnband dreht in der glühenden Hitze im Vall d'Hebron immer mehr auf, während beim damals auf Weltranglisten-Position 58 liegenden Rosset die Kräfte zu schwinden scheinen. Der logische Satzausgleich wird Tatsache. 

Erste und einzige Medaille für die Schweiz

Als Rosset einen Break-Vorsprung im fünften Satz preisgibt, scheint das Momentum auf der Seite des Katalanen. Doch der 2,01 Meter grosse Riese behält in der Hitze erneut kühlen Kopf und macht wenig später nach über fünf Stunden das entscheidende Break zum 8:6. Die Schweizer Delegation reist nicht mit leeren Händen aus Barcelona ab.

Stolz kehrt der Schweizer Tennisspieler Marc Rosset im August 1992 von den Olympischen Sommerspielen in Barcelona zurueck nach Genf, wo er am Flughafen von seinen Eltern, links, und vielen Fans abgeholt wird. Es ist dies die einzige Medaille an den Olympischen Spielen 1992 fuer die Schweiz.  (KEYSTONE/Patrick Aviolat)

Rosset bekommt von seinen Eltern einen Blumenstrauss. Bild: KEYSTONE

«Für mich war es ein gutes Gefühl, als ich wieder zu Hause war.»

Marc Rosset tagesanzeiger.ch

Nur 48 Stunden nach seiner Ankunft in der Schweiz, bei der der scheue Rosset von einer Schar Medienschaffenden und Politikern belagert wird, ist er bereits wieder in der Luft. Das ATP-Turnier in Cincinnati (USA) steht an. Die Olympia-Prämie von 12'000 Franken spendet Rosset. Die Goldmedaille und somit ein Stück Schweizer Sportgeschichte bleibt hingegen beim Genfer und ist heute sicher in einem Safe aufbewahrt. 

Marc Rosset holt bis heute das einzige Schweizer Einzel-Tennis-Gold bei Olympia. Roger Federer hat es 2012 in London «nur» zu Silber gereicht. Doch auch der «Maestro» darf sich Olympiasieger nennen: 2008 triumphierte er in Peking an der Seite von Stan Wawrinka in Doppel.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Die grössten Schweizer Tennis-Erfolge

Unvergessene Olympia-Momente: Sommerspiele

18.10.1968: Bob Beamon springt so weit, dass nicht einmal das Massband reicht

Link zum Artikel

17.09.1988: Zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Seoul gibt es geröstete Tauben

Link zum Artikel

01.10.2000: Der Abschluss der Spiele von Sydney ist der Beginn der grossen Liebe zwischen Roger und Mirka

Link zum Artikel

19.09.2000: Eric «The Eel» Moussambani säuft über 100 m Freistil fast ab und wird trotzdem zum grossen Star

Link zum Artikel

28.8.1972: Mark Spitz holt sich die ersten zwei von sieben Goldmedaillen und schwimmt in jedem Rennen Weltrekord

Link zum Artikel

17.08.2008: Amor trifft besser als der Sportschütze, der nur deshalb berühmt wurde, weil er auf die falsche Scheibe zielte

Link zum Artikel

26.08.1900: Ein Siebenjähriger wird zum jüngsten Olympiasieger aller Zeiten, aber bis heute kennt niemand seinen Namen

Link zum Artikel

Die Geschichte eines Bauernsohns, der im vorletzten Jahrhundert zum Olympiahelden wurde

Link zum Artikel

08.05.1984: Die Sowjets boykottieren Olympia. Eine Retourkutsche, die ihre Wirkung komplett verfehlt

Link zum Artikel

09.06.1924: Die Schweiz verpasst den Olympiasieg – aber wird Europameister!

Link zum Artikel

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

Link zum Artikel

06.08.2012: Felix Sanchez schmuggelt Foto von totem Grosi unter die Startnummer und schafft das grösste Comeback der Leichtathletik

Link zum Artikel

04.08.2012: Das knappste Finale in der Olympia-Geschichte im Triathlon gewinnt Nicola Spirig dank einer unglaublichen Willensleistung

Link zum Artikel

28.07.1984: Gaby Andersen-Schiess torkelt in der Hitze von LA völlig dehydriert über die Zielgerade des Olympia-Marathons

Link zum Artikel

26.07.1992: Das beste Team, das jemals Basketball gespielt hat, verzaubert die ganze Welt

Link zum Artikel

25.07.1908: Wyndham Halswelle wird Olympiasieger über 400 Meter – weil er im Final der einzige Läufer ist

Link zum Artikel

06.08.1984: Carl Lewis holt sich zum ersten Mal Olympia-Gold in seiner Lieblingsdisziplin

Link zum Artikel

16.10.1968: Tommie Smith und John Carlos sorgen für die berühmteste Siegerehrung bei Olympia

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Nach 27 Jahren kommt der Nachfolger der SMS – das musst du über RCS wissen

Link zum Artikel

Merkel beginnt bei Staatsbesuch plötzlich zu zittern – Entwarnung folgt kurz darauf

Link zum Artikel

Wetter: Nächste Woche wird's heiss

Link zum Artikel

Ohrfeige für Bundesanwalt vom Bundesstrafgericht – Lauber ist im FIFA-Fall befangen

Link zum Artikel

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden? Das Rätsel von Tägerig ist gelöst

Link zum Artikel

OMG – wir haben Knoblauch unser ganzes Leben lang falsch geschält

Link zum Artikel

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Facebook will eine digitale Weltwährung etablieren

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

«Disgusting bitch!» – Patty Schnyder teilt mal so richtig aus

17. April 2004: Patty Schnyder scheitert bei ihrem Lieblingsturnier in Charleston im Halbfinal. Danach kommt's zum Eklat, als die Baselbieterin ihrer Bezwingerin Conchita Martinez den Handschlag verweigert.

4:6, 3:6 – aus der Traum von der Finalteilnahme. Patty Schnyder verliert gegen die Spanierin Conchita Martinez und scheidet beim WTA-Turnier in Charleston (South Carolina/USA) aus.

Nach dem Matchball treffen sich die beiden Kontrahentinnen am Netz, wo der Handschlag ansteht. Doch Schnyder denkt nicht daran, Martinez zu gratulieren. Sie macht zwar einen Schritt auf die Spanierin, die mit gestrecktem Arm wartet, zu. Doch kurz vor der Berührung zieht Schnyder ihre Hand zurück. Gemäss dem …

Artikel lesen
Link zum Artikel