Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

12. Januar 1980: Vitas Gerulaitis schafft das, was er zuvor nie schaffte: Er bezwingt Jimmy Connors. Warum es im 17. Mal endlich klappte, ist für den Tennis-Playboy so einfach wie logisch. Und seine Erklärung bleibt ein Satz für die Ewigkeit.



Vitas Gerulaitis ist vielen watson-Usern vielleicht kein Begriff. Darum hier eine Kurzbiografie: Geboren am 26. Juli 1954 in Brooklyn, New York als Sohn litauischer Einwanderer. Er bezeichnet sich «durch und durch» als Amerikaner. In der Tenniswelt gehört der Mann mit der blonden Mähne in den 1970er-Jahren zur Crème de la Crème. 25 Trophäen stehen in seiner Vitrine, darunter der Titel des Australian Open 1977. Beim French Open und dem US Open erreicht er je einmal das Endspiel, in Wimbledon den Halbfinal. Seine höchste Klassierung in der Weltrangliste ist Rang 3 und er kassiert fast 3 Millionen Dollar Preisgeld (was damals noch richtig viel war). Kurz: Vitas Gerulaitis gehört zu den grossen Stars jener Zeit.

Daneben ist Gerulaitis auch ein Paradiesvogel. Partys, Frauen und Kokain gehören zu seinem Leben. Er besitzt einen Rolls Royce und eine wunderschöne Suite in Manhattan. Der «litauische Löwe» spielt Gitarre in einer Underground-Rockband und geniesst sein Leben. Spielern wie John McEnroe, Yannick Noah oder Guillermo Vilas habe er das New Yorker Nachtleben gezeigt und er sagte einmal: «Wir waren Rivalen auf dem Court, aber ansonsten Freunde fürs Leben und immer besoffen.»

Vitas Gerulaitis

Vitas Gerulaitis: Der litauische Löwe in Action.

Doch ein Makel hängt ihm an: Gegen Jimmy Connors konnte Gerulaitis in 16. Anläufen noch nie gewinnen. Erst sieben Sätze konnte er insgesamt für sich entscheiden. 1974 standen sich die beiden erstmals gegenüber, jetzt im Masters-Halbfinale im Madison Square Garden steht Anfang 1980 das 17. Duell an. 

Das Spiel fängt für Gerulaitis schlecht an. Im ersten Satz liegt der 26-Jährige 3:5 zurück und serviert gegen den Satzverlust. Der Amerikaner schlägt ein Ass, der Schiedsrichter sieht den Ball aber im Aus. Connors bittet den Unparteiischen zur Korrektur, was dieser macht. Das Publikum bedankt sich mit Standing Ovations. 

abspielen

Ein Zusammenschnitt guter Bilder von Vitas Gerulaitis. Video: YouTube/BVPproductions

Doch Gerulaitis ist jetzt voll da. Er holt sich das Game, schafft das Rebreak und sichert sich den Satz mit 7:5. Im zweiten Durchgang lässt er Connors mit 6:2 keine Chance. Gerulaitis steht im Final, wo er gegen Björn Borg verlieren wird. Der Sieg gegen Connors wäre wohl längst vergessen, wäre da nicht die Pressekonferenz. Dort wird Gerulaitis gefragt, warum er heute gewonnen haben: «Das war eine Lektion an alle: Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

Recht behalten sollte Gerulaitis allerdings nicht. Zwischen 1974 und 1981 verliert er 17 Mal gegen Björn Borg. Doch auch für andere Tennisspieler stellen 17 Siege in Serie eine besondere Hürde dar. Ivan Lendl schaffte das Kunststück noch zweimal gegen Tim Mayotte (1980 bis 1990) und Jimmy Connors (1984 bis 1992).

Vitas Gerulaitis

Vitas Gerulaitis: 25 Titel holte er in seiner Karriere.

Gerulaitis beendet seine Karriere 1986. Der Tennis-Playboy siegte bis dahin noch dreimal gegen Connors. Er wurde danach Trainer von Pete Sampras, der einmal sagte: «Er war einfach da, um mich besser zu machen.» In Litauen wurden eine Strasse und die Tennis-Arena in Vilnius nach ihm benannt.

abspielen

Eines der dramatischsten Spiele in Wimbledon: Der Halbfinal zwischen Gerulaitis und Borg 1977. Video: YouTube/karandach13

Doch das Leben sollte abrupt enden. Im September 1994 übernachtete der 40-Jährige Gerulaitis im Gästezimmer eines Freundes auf Long Island. Aus einer schlecht installierten Pool-Heizung entwichen giftige Gase. Gerulaitis wachte nie mehr auf. Am Abend zuvor spielte er noch Doppel mit Borg, Connors und Lloyd. Angeblich sei ihm jeder Schlag geglückt und Borg erklärte danach: «Er war wie ein Bruder für mich.»

Vitas Gerulaitis

Björn Borg und Vitas Gerulaitis: Rivalen auf dem Court, Freunde im Leben.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Die grössten Tennis-Stadien der Welt

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

Link zum Artikel

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

Link zum Artikel

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

Link zum Artikel

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

Link zum Artikel

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Link zum Artikel

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

Link zum Artikel

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

Link zum Artikel

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

Link zum Artikel

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

Link zum Artikel

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

Link zum Artikel

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

Link zum Artikel

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

Link zum Artikel

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

Link zum Artikel

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

Link zum Artikel

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

Link zum Artikel

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

Link zum Artikel

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

Link zum Artikel

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

Link zum Artikel

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

Link zum Artikel

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

Link zum Artikel

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

Link zum Artikel

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

Link zum Artikel

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

Link zum Artikel

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

Link zum Artikel

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Geld allein macht nicht glücklich – aber was dann, Herr Glücksforscher?

Link zum Artikel

Love-Scamming: Wie ich einer Russin (fast) auf den Leim gegangen bin

Link zum Artikel

Die Geschichte dieses Bildes steht exemplarisch für den momentanen Gender-Knorz

Link zum Artikel

Bond fährt E-Auto? (00)7 Vorschläge, wie er sich noch besser an die Generation Y anpasst

Link zum Artikel

Vegane Influencerin bekommt ihre Periode nicht mehr – jetzt zieht sie Konsequenzen

Link zum Artikel

Warum ich bete

Link zum Artikel

Die Influencer der Zukunft sind nicht menschlich – und sind jetzt schon Millionen wert

Link zum Artikel

Roger Federer ein Spielball der Strömung – das könnte zum Problem werden

Link zum Artikel

Kassieren SVP und SP eine Schlappe? 7 wichtige Punkte zu den Zürcher Wahlen

Link zum Artikel

Im 30'000-Franken-Outfit – so rückt Leroy Sané in die DFB-Elf ein

Link zum Artikel

Bye-bye Beno: Wie der ehemalige Gassen-Mönch in die völkische Szene abrutschte

Link zum Artikel

Das sind die 3 typischen Phasen eines Pyro-Vorfalls

Link zum Artikel

Wie Trump im Fall Manafort schachmatt gesetzt wurde

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Sampras kotzt im denkwürdigsten US-Open-Tiebreak aller Zeiten auf den Court

5. September 1996: Im US-Open-Viertelfinal erbricht der völlig dehydrierte Pete Sampras auf den Court, kann den Abnützungskampf gegen Alex Corretja aber trotz Krämpfen und totaler Erschöpfung für sich entscheiden. 

Als Schweizer Tennis-Fans bekamen wir seit der Jahrtausendwende Tennis-Leckerbissen am Laufmeter serviert. Legendäre Finalpartien, epische Fünfsätzer und Turniergewinne standen während Federers Überflieger-Jahren quasi an der Tagesordnung.

Unterdessen trägt auch Stan Wawrinka einen grossen Teil dazu bei, dass der Tennis-Sport in der Schweiz ungebrochen populär ist. Obschon das Reservoir an historischen Schweizer Tennis-Momenten proppenvoll ist, lohnt es sich aber manchmal auch, einen Blick vor …

Artikel lesen
Link zum Artikel