Unvergessen
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Abdel-Kader Zaaf ruht sich an einen Baum angelehnt aus. bild: champions de france

Unvergessen

Wein streckt den Tour-Ausreisser derart nieder, dass er in die falsche Richtung fährt

27. Juli 1950: Ferdy Kübler ist drauf und dran, als erster Schweizer die Tour de France zu gewinnen. Aber die grosse Geschichte der 13. Etappe schreibt der Algerier Abdel-Kader Zaaf.



Manche Legenden sind einfach so gut, dass man sie weiter erzählt, obwohl ihr Protagonist Jahrzehnte später eine etwas andere Version schildert. Die bringen wir auch, versprochen. Aber zunächst zur Legende. Und die geht so:

Der Donnerstag des 27. Juli 1950 ist ein ausgesprochen heisser Tag. 215 Kilometer müssen die Fahrer der Tour de France im Süden des Landes zurücklegen, von Perpignan führt sie die 13. Etappe nach Nîmes. Das Maillot Jaune trägt stolz der Zürcher Ferdy Kübler, der es einen Tag vorher erobert hat. Er wird es bis am Ende nicht mehr abgeben und als erster Schweizer Tour-de-France-Sieger in die Geschichte eingehen.

ARCHIVE --- DER EHEMALIGE RADRENNFAHRER FERDY KUEBLER WIRD AM 24. JULI 2014 95 JAHRE ALT. ZUM GEBURTSTAG DES FRUEHEREN WELTMEISTERS, TOUR DE FRANCE- UND MEHRMALIGEN TOUR DE SUISSE-SIEGERS STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Swiss bicycle racer Ferdy Kuebler arrives as the winner of the Tour de France 1950 in Zurich, Switzerland, pictured in August 1950 in Zurich. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str) 

Ferdy Kuebler kommt als Sieger der Tour de France 1950 in Zuerich an, aufgenommen im August 1950 in Zuerich. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Ferdy Kübler beim Empfang in Zürich. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Gnadenlos brennt die Sonne

An diesem heissen Donnerstag gehören die Schlagzeilen aber weder Kübler noch dem Etappensieger Marcel Molinès, sondern Abdel-Kader Zaaf. Der Algerier begibt sich gemeinsam mit Molinès auf die Flucht, bald hat das Duo einen Vorsprung von einer Viertelstunde herausgefahren.

Doch die Sonne brennt gnadenlos und sorgt dafür, dass es Zaaf plötzlich nicht mehr gut geht. Der 33-Jährige kriegt einen riesigen Durst. Also hält er bei einem Restaurant an, kauft sich zwei Flaschen Weisswein und stürzt sie hinunter. Danach macht er am Strassenrand ein kurzes Nickerchen, bis ihn Zuschauer aufwecken. Verwirrt setzt sich Zaaf wieder aufs Velo – und fährt in die falsche Richtung, dorthin, wo er herkam. Anschliessend gibt er die Tour de France auf.

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Die Legende von Abdel-Kader Zaaf (französisch). Video: YouTube/LaChaineCASDEN

Es ist eine tolle Geschichte, welche die Reporter in ihre Redaktion übermitteln und die von den Fans gerne gelesen wird. Man nimmt es zu jener Zeit nicht immer ganz genau, oft übertreiben Zeitungen mit dem Ziel, dass ihr Blatt verkauft wird. Fernsehübertragungen gibt es ja keine, man muss den Reportern einfach glauben. Und weil die Geschichte so aussergewöhnlich ist, sichert sie sich einen festen Platz bei den besten Anekdoten der Tour-Geschichte.

Die aufgebauschte Geschichte ist gut fürs Portemonnaie

Doch ist sie auch wahr? Daran darf man zweifeln. Einerseits deshalb, weil Abdel-Kader Zaaf ein praktizierender Muslim war. Als solcher trank er keinen Wein. Es scheint wahrscheinlicher, dass ihn der Mix aus Hitze, Erschöpfung und Pillen zu einer Pause im Schatten eines Baumes gezwungen hatte. Winzer, so heisst es, hätten den Sportler in Ermangelung von Wasser mit kühlem Wein benetzt.

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Zaaf (links) in einer Zeit lange vor der Einführung der Helmpflicht. bild: champion de france

Abdel-Kader Zaaf selber starb 1986. Einige Jahre vorher schilderte er den Vorfall so: Er habe von einem Zuschauer eine Flasche erhalten, sie ausgetrunken, wovon ihm übel wurde und er deshalb stürzte. Als man ihn in den Schatten eines Baumes legte, habe man ihm zur Stärkung Wein eingeflösst.

Die vielleicht aufgebauschte Geschichte hat dem Rennfahrer jedenfalls nicht geschadet. Denn er wird nach der Tour 1950 zu vielen Kriterien (kleinen Rundstrecken-Rennen) eingeladen, was in jener Zeit eine sehr willkommene Einkommensquelle ist. Die Tour de France bestreitet Abdel-Kader Zaaf vier Mal, nur einmal sieht er das Ziel: 1951 beendet er die Rundfahrt beim Gesamtsieg von Hugo Koblet als 66. und Letzter. Tour-Geschichte hat er trotzdem geschrieben.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Simsalabim Abracadabra Simorgh 27.07.2019 12:27
    Highlight Highlight "Man nimmt es zu jener Zeit nicht immer ganz genau, oft übertreiben Zeitungen mit dem Ziel, dass ihr Blatt verkauft wird."

    😁😁😁😁😁

    Watson ishli beöich, 😂😂wükli
  • Mad Heidi 27.07.2019 10:58
    Highlight Highlight "Man nimmt es zu jener Zeit nicht immer ganz genau, oft übertreiben Zeitungen mit dem Ziel, dass ihr Blatt verkauft wird."

    Liebe Watsons. Lasst euch das "zu jener Zeit" doch nochmals auf der Zunge zergehen.
  • NathanBiel 27.07.2019 09:07
    Highlight Highlight Praktisch alle abgebildeten Fahrer in der Bildstrecke blieben irgendwann in ihrer Karriere in einer Dopingkontrolle hängen. Mann sollte sie also nicht als „Perlen“ bezeichnen. Dieser Sport ist sowas von Tot!
  • mcsam 27.07.2019 08:10
    Highlight Highlight Bild 15: Ihr seid mir lustige Städter. Könnt ihr Heu von Stroh unterscheiden? ;-)

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