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Major technology companies like Google and BlackBerry provide mentoring services to companies within Communitech in Kitchener's historic Tannery District in Kitchener, Ontario, March 18, 2014. Kitchener, historically the blue-collar twin to the university city of Waterloo, is today home to chic offices such as the Communitech building - a converted brick structure in the the historic Tannery District, adorned with modern art, which acts as an unofficial clubhouse for many small tech companies. Picture taken March 18, 2014.  REUTERS/Euan Rocha  (CANADA - Tags: EDUCATION SCIENCE TECHNOLOGY BUSINESS)

Bild: STAFF/REUTERS

Wüsstest du gerne, wie viel dein Bürokollege verdient? Die Google-Mitarbeiter wissen es jetzt voneinander – und sind nicht so wirklich glücklich

Wie viel verdient der Kollege? Wissen würden das viele gern. Bei Google tragen Mitarbeiter offenbar ihr Gehalt in eine interne Tabelle ein und verbreiten den Link weiter – zum Ärger der Vorgesetzten. 



Ein Artikel von

Spiegel Online

Eine Tabelle mit zwei Spalten, eine für den Namen, eine für den Monatslohn – Gehaltstransparenz könnte so einfach sein. Es müsste nur jemand mit der Liste anfangen. Genau das hat Erica Baker getan.

Die ehemalige Google-Mitarbeiterin erstellte zusammen mit Kollegen eine Tabelle und trug ihr Gehalt ein. Den Link zu dem Dokument postete die Programmiererin auf ihrer persönlichen Seite im internen Google-Netzwerk. «It took off like wildfire», es verbreitete sich rasend schnell, schreibt sie auf Twitter.

37 Minuten und 25 Tweets braucht Baker, um die ganze Geschichte zu erzählen. Sie liest sich wie ein Fortsetzungsroman in 140-Zeichen-Schnipseln. Die Tabelle sei schnell gewachsen. Google-Mitarbeiter aus aller Welt hätten mitgemacht, ihre Gehälter habe sie zur besseren Vergleichbarkeit in US-Dollar umgerechnet, so Baker. Dann haben ihre Vorgesetzte sie herbeizitiert.

Google macht kein Geheimnis daraus, dass in der Firma gleiche Arbeit nicht unbedingt gleiches Gehalt bedeutet. In seinem Buch «Work Rules!» bekennt Googles Personalchef Laszlo Bock freimütig, dass Google «unfair zahlt». Ein Einsteiger könne mehr verdienen als ein jahrelanger Mitarbeiter, schreibt Bock. Die Unterschiede bei Bonuszahlungen beziffert er auf 300 bis 500 Prozent. Das sei aber nur fair, denn: Laut Bock sind fünf Prozent der Mitarbeiter viermal so produktiv wie alle anderen. Und um diese Top-Talente halten zu können, müsse man sie eben überdurchschnittlich bezahlen.

Geschlecht und Hautfarbe

Wer bei Google als Top-Talent gilt und wer nicht, ist allerdings offenbar nicht allen Mitarbeitern klar. Baker berichtet, dass einige Kollegen nach einem Blick in ihre Tabelle um Gehaltsgespräche baten – und hinterher mehr bekamen. Dass dies auf Führungsebene nicht gern gesehen werden würde, hatte sie sich schon gedacht. Angst um ihren Job hatte sie trotzdem nicht: Laut US-Gesetz dürfen Firmen ihre Mitarbeiter nicht daran hindern, sich untereinander über ihre Gehälter auszutauschen.

Baker sagt, sie sei dennoch bestraft worden: Man habe ihr Bonuszahlungen verweigert. Wer bei Google arbeitet, kann tüchtige Kollegen für einen 150-Dollar-Bonus vorschlagen. Als Dank für das Erstellen der Gehaltstabelle hätten ihr sieben Kollegen den Bonus zukommen lassen wollen, sagt Baker. Die Anträge seien alle abgelehnt worden. Die Begründung der Vorgesetzten: Der Nutzen für die Firma sei unklar.

Ein Kollege, der zusammen mit ihr die Tabelle erstellt hatte, habe aber sehr wohl Boni für das Projekt bekommen, so Baker. Und sie könne nur zwei Unterschiede erkennen: Geschlecht und Hautfarbe. Baker ist schwarz.

Der Kollege sei entrüstet gewesen, als er erfuhr, dass sie im Gegensatz zu ihm keine Boni bekam und habe dies allen erzählen wollen, berichtet sie weiter. Sie habe ihn davon abgehalten, per Flurfunk habe sich die Nachricht dennoch schnell herumgesprochen. Die meisten Kollegen hätten gar nicht gewusst, dass Bonuszahlungen überhaupt abgelehnt werden können, so Baker: «Sie waren entrüstet.»

Mit der Tabelle sei auch der Ärger auf der Führungsebene gewachsen. Einer habe ausdrücklich jede Zusammenarbeit mit ihr verweigert. Baker wechselte schliesslich den Job. Sie arbeitet jetzt für das US-Start-up Slack. Die Tabelle hat sie in die Obhut eines Kollegen gegeben. Rund fünf Prozent aller Mitarbeiter hätten ihr Gehalt schon eingetragen. Google wollte sich auf Anfrage mehrerer US-Medien nicht zu den Vorwürfen äussern. (vet)

Die Europäer durch die Google-Brille

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Amanaparts 22.07.2015 11:22
    Highlight Highlight Ich finde es lächerlich, dass Firmen Gespräche über die Löhne sogar verbieten können. In Schweden kann jeder von jedem das Einkommen einsehen resp. über eine Datenbank einfordern. Was ist passiert? Lohngleichheit bei vergleichbaren Tätigkeiten.
    • Sveitsi 22.07.2015 13:46
      Highlight Highlight Ich bin ganz deiner Meinung. Wie soll man wissen, ob man fair bezahlt wird, wenn man keine Vergleichsmöglichkeiten hat? Daher halte ich Lohntransparenz für den richtigen Weg.
  • Joseph Dredd 22.07.2015 10:20
    Highlight Highlight Ich bin ganz froh weiss ich nicht über die aktuellen Gehälter meiner Arbeitskollegen bescheid. Würde mich sowieso nur frustrieren.

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