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FILE - In this July 2, 2014, file photo, Mitt Romney, the former Republican presidential nominee, addresses a crowd of supporters while introducing New Hampshire Senate candidate Scott Brown at a farm in Stratham, N.H.  Romney told a small group of Republican donors that he's eying a third run at the White House. The GOP's last presidential nominee held a private meeting with prominent donors in New York on Friday, Jan. 9, 2015. He told the group he's seriously considering launching another presidential campaign. (AP Photo/Charles Krupa, File)

Republikaner Romney vor Anhängern (Archiv-Foto): «Wenn Ihr mich ruft.» Bild: Charles Krupa/AP/KEYSTONE

Obama-Gegner Mitt Romney

«Yeah, ich will Präsident sein»

Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Mitt Romney liebäugelt mit einer erneuten Präsidentschaftskandidatur. Es wäre schon der dritte Versuch des Mannes, der 2012 gegen Barack Obama unterlag.

10.01.15, 08:29 10.01.15, 16:21

Sebastian Fischer, Washington / Spiegel online

Ein Artikel von

Eigentlich wartet ja das ganze Land auf Hillary: Wann wird die Clinton ihre Bewerbung um die demokratische Präsidentschaftskandidatur erklären? Im Februar? Im März? Erst später? Das sind so die Fragen. Eigentlich.

Doch währenddessen ist bei den Republikanern überraschend frühzeitig viel Bewegung: Jeb Bush, Präsidentensohn und -bruder zugleich, wartete schon im Dezember mit der Ankündigung auf, er werde in nächster Zeit konkret seine Chancen ausloten - heisst: Spenden sammeln - und dann gegebenenfalls seine offizielle Bewerbung einreichen. Tatsächlich ist Bushs Spendensammelei reichlich erquicklich, mit seiner Kandidatur ist zu rechnen.

2008, 2012 - 2016?

Bushs rasantes Vorgehen hat jetzt zu einer weiteren Überraschung geführt, quasi Kettenreaktion: Mitt Romney lud am Freitag diversen Medienberichten zufolge ein paar seiner früheren Geldgeber nach New York ein und teilte ihnen ganz und gar nicht durch die Blume seine Überlegungen mit. Die gehen so: «Die Leute fragen mich, ob ich wirklich Präsident sein möchte», soll Romney in die Runde gesagt haben: «Ich bin zwei Mal angetreten. Yeah, ich will Präsident sein.»

Koketterie oder echte Absicht? Man wird sehen. Träte Romney tatsächlich an, wäre es schon das dritte Mal für ihn: Im Jahr 2008 scheiterte er in den Republikaner-Vorwahlen; vier Jahre später schaffte er die Nominierung, verlor dann aber gegen Barack Obama.

Seine Leute hatten in den vergangenen Monaten die Gerüchte köcheln, hatten immer wieder durchblicken lassen, dass der frühere Gouverneur von Massachussetts und Organisationschef der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City 2002 im Falle des Falles und ganz möglicherweise nicht abgeneigt sei. Was man eben so sagt, wenn man nichts sagen, aber die Tür für alle Eventualitäten doch offenhalten will. Zuletzt aber konnte Romney nicht entgangen sein, wie viele seiner einstigen Spender sich nach und nach zu Bush-Unterstützern erklärten. Offenbar wollte er da nicht länger zuschauen, dem 67-Jährigen lief die Zeit davon.

Die Lage ist nicht schlecht für Romney

Deshalb sendet Romney nun das Signal seiner - wenn auch vorsichtigen - Bereitschaft nach dem Motto: «Wenn Ihr mich ruft, dann mache ich es vielleicht nochmal.» Er wird jetzt genau beobachten, wie Spender und Partei reagieren. Schon bald könnte sich zudem ein dritter Mitte-Rechts-Kandidat erklären: New Jerseys Gouverneur Chris Christie. Mit Blick auf die Spender ist er ein direkter Konkurrent von Bush und Romney. Allzu lange abwarten kann auch er deshalb jetzt nicht mehr.

«Wenn Ihr mich ruft, dann mache ich es vielleicht nochmal.»

Die politische Gesamtlage ist gar nicht so schlecht für Romney: Obamas Beliebtheitswerte sind im Keller, da erscheint der einstige Gegenkandidat wie von selbst in besserem Licht. Er musste ja auch nichts beweisen. Und Romney hat sich in den letzten Monaten der Nadelstiche nicht enthalten können: So gab er etwa zu Protokoll, dass Obamas «Fehler» den Aufstieg des «Islamischen Staats» ermöglichten. Wäre er Präsident geworden, so Romney, dann hätte er, anders als Obama, die Truppen aus dem Irak nicht komplett abgezogen und ausserdem die syrische Opposition frühzeitig mit Waffen versorgt.

Und noch etwas kommt hinzu: Galt Romney stets als kalter Polit-Roboter mit Beton-Frisur und aufgesetztem Lachen («Har-Har-Har»), ist diese Fassade in Folge des Dokumentarfilms «Mitt» im vergangenen Jahr zu Romneys Gunsten gebröckelt. Regisseur Greg Whiteley begleitete Romney sechs Jahre lang in seinen Wahlkämpfen und zeigt dabei einen auch in seiner Spiessigkeit durchaus liebenswürdigen Kerl. Aus Romney wurde Mitt.

Sollte der Mann noch einmal in den Vorwahlen antreten, hätte er es natürlich neuerlich mit dem republikanischen Rechtsaussenflügel zu tun: Der Protestanten-Prediger Mike Huckabee hat schon Interesse an einer Kandidatur erkennen lassen, Jesuskandidat Rick Santorum ist auch nicht abgeneigt, gleiches gilt für Tea-Party-Haudrauf Ted Cruz sowie den Radikalliberalen Rand Paul. Schon beim letzten Mal machte Romney diesem Flügel zu viele Zugeständnisse, um sich die Nominierung zu sichern. Das aber schmälerte letztlich seine Chancen gegen Obama.

Durch sein früheres Scheitern könnte Romney nun ein besserer Kandidat sein. Vielleicht.



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gleis3Kasten9 10.01.2015 10:57
    Highlight Mitt wäre im besten Fall ein Aussenseiterkandidat. Christie hat das gewisse Haudrauf-Charisma das bei den Wählern gut ankommt, Rand Paul hat nebst seinem vergleichsweise jungendlichem Alter vor allem die US-Libertarier auf seiner Seite und auch bei den Tea Partier mögen ihn. Alles andere ist höchstens Beigemüse und hat wohl kaum Chancen auf die wichtigen "Swing Votes", sprich sehr konservative Politiker wie Cruz, Huckabee und Santorum. Aber mal schau'n, es wird sicher spannender als das sich anbahnende Zweierrennen beiden Demokraten.
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