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FILE - This June 29, 2011 file photo provided by the Oklahoma Department of Corrections shows Clayton Lockett. Oklahoma prison officials halted the execution of Lockett Tuesday, April 29, 2014,  after the delivery of a new three-drug combination failed to go as planned. Oklahoma Gov. Mary Fallin said Lockett had an apparent heart attack more than 40 minutes after the start of the execution. (AP Photo/Oklahoma Department of Corrections, File)

Clayton Lockett. Bild: AP/Oklahoma Department of Corrections

Pfusch in der Todeskammer

Mit Taser betäubt, Spritze falsch injiziert – so verlief die Hinrichtung in Oklahoma

Die Hinrichtung von Clayton Lockett in Oklahoma verlief nicht nur brutal. Sie wurde mit einer unerprobten Giftmischung durchgeführt. Die US-Bundesstaaten greifen dabei zu immer fragwürdigeren Methoden.



Die qualvolle Hinrichtung des verurteilten Mörders Clayton Lockett in Oklahoma am Dienstag hat Konsequenzen. Der Strafvollzugschef des US-Bundesstaats hat sich dafür ausgesprochen, alle Exekutionen auf unbestimmte Zeit auszusetzen.

In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an die republikanische Gouverneurin Mary Fallin, eine entschiedene Befürworterin der Todesstrafe, schrieb Robert Patton, die Hinrichtungsprozeduren müssten vollständig überprüft werden. Er forderte eine «externe Untersuchung» der Umstände der Hinrichtung.

Robert Patton, director of Oklahoma's prisons, speaks during a Board of Corrections meeting in Oklahoma City, Thursday, May 1, 2014. Oklahoma prison officials tried for 51 minutes to find a vein in a death row inmate's arms and feet before inserting an IV through the man's groin ahead of a botched execution this week, the state's prisons chief said Thursday in a report urging more oversight of executions. (AP Photo/Sue Ogrocki)

Robert Patton, Leiter des Strafvollzugs in Oklahoma. Bild: AP

Patton zeichnet in seinem Brief den zeitlichen Ablauf nach. Daraus ergibt sich ein grausames Bild: So habe sich Lockett am Tag vor der Exekution den rechten Arm zerfetzt. Am Dienstagmorgen habe er in seiner Zelle randaliert, weshalb er mit einer Elektroschockpistole betäubt und in die Krankenabteilung des Gefängnisses gebracht wurde.

Ein 43-minütiger Todeskampf

Um 17.27 Uhr Ortszeit wurde Lockett auf der Liege festgeschnallt. Die Giftspritze sei ihm in die Leiste verabreicht worden, da es an Armen und Beinen keine geeignete Stelle gegeben habe, heisst es im Bericht. Doch die Nadel löste sich offenbar aus der Vene, wodurch der Giftcocktail nicht in den Blutkreislauf des Todeskandidaten gelangte, sondern ins Fleisch injiziert wurde.

Erst nach 21 Minuten wurde der Pfusch entdeckt. Da war bereits das gesamte Gift aufgebraucht. «Der Gefängnisdirektor fragte, ob genügend Medikamente verabreicht wurden, um den Tod herbeizuführen. Der Arzt antwortete: ‹Nein.›», schrieb Robert Patton.

FILE - In this Tuesday, April 15, 2008 file photo, Terry Crenshaw, wardens assistant at the Oklahoma State Penitentiary, walks past the gurney in the execution chamber at left, in McAlester, Okla. At right are the rows of chairs in which witnesses to executions are seated. Oklahoma prison officials tried for 51 minutes to find a vein in a death row inmate's arms and feet before inserting an IV through the man's groin ahead of a botched execution this week, the state's prisons chief said Thursday in a report urging more oversight of executions. (AP Photo)

Die Todeskammer im Staatsgefängnis von Oklahoma. Bild: AP

43 Minuten nach Verabreichung der nicht erprobten Giftmischung habe Lockett einen Herzinfarkt erlitten. In der Zwischenzeit rang er nach Luft, bäumte sich auf und wand sich in einem grauenvollen Todeskampf vor Schmerz, wie Medien berichteten. Um 19.06 Uhr starb Clayton Lockett, ganze eineinhalb Stunden nach Beginn der Hinrichtung.

«Zu Tode gefoltert»

Die am gleichen Tag geplante Hinrichtung von Locketts Mitgefangenem Charles Warner wurde nach dem Vorfall um zwei Wochen verschoben. Der US-Bundesstaat hatte erstmals seit 80 Jahren zwei Hinrichtungen an einem Tag angesetzt. Am Donnerstag erklärte Gouverneurin Fallin, sie erwäge einen weiteren Aufschub um 60 Tage, die maximale Frist, die in Oklahoma gesetzlich möglich ist.

Warners Anwältin Madeline Cohen erhob schwere Vorwürfe gegen die Behörden. «Clayton Lockett wurde zu Tode gefoltert», erklärte die Juristin. Sie forderte eine Untersuchung und eine Obduktion. Zugleich erneuerte sie die Forderung nach «vollständigen Informationen» über Zusammensetzung und Herkunft der Substanzen der Giftmischung.

Unerprobte Giftcocktails

Der Fall Lockett wirft ein grelles Licht auf die zunehmenden Probleme der US-Bundesstaaten, die für Giftspritzen benötigten Stoffe zu beschaffen. Der wichtigste Bestandteil, das Betäubungsmittel Thiopental, wird seit 2011 in den USA nicht mehr hergestellt. Im gleichen Jahr verhängte die Europäische Union ein Exportverbot für die Vereinigten Staaten.

Weil Thiopental nur vier Jahre haltbar ist, werden die Vorräte spätestens 2015 aufgebraucht sein. Versuche, auch auf illegalen Wegen an das Mittel heranzukommen, wurden weitgehend unterbunden. Deshalb werden vermehrt unerprobte Giftcocktails angewendet. Einzelne Staaten versuchen sogar, deren Zusammensetzung per Gesetz geheim zu halten, wie das Newsportal Vox berichtete.

Weniger Hinrichtungen

Die Probleme bei der Giftbeschaffung und eine zunehmende Opposition in der Bevölkerung sorgen dafür, dass die Zahl der Hinrichtungen in den USA abnimmt. 1999, im Rekordjahr seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976, fanden 98 Exekutionen statt, 2013 waren es noch 39. 

John Walters, Jana Lewis-Harkins, Fannie Bates and Aaron Baker, from left, hold a banner during a protest at the Governor's Mansion in Oklahoma City on Tuesday, April 29, 2014, over the planned execution of two inmates. An execution that used a new drug combination left an Oklahoma inmate writhing and clenching his teeth on the gurney later Tuesday, leading prison officials to halt the proceedings before the inmate's eventual death from a heart attack. (AP Photo/The Oklahoman, KT King)

Gegner der Todesstrafe protestierten am Dienstag vor dem Amtssitz der Gouverneurin. Bild: AP/The Oklahoman

Die verpfuschte Tötung des 38-jährigen Clayton Lockett, der wegen der Ermordung einer 19-Jährigen verurteilt worden war, könnte den Trend verstärken, denn die US-Verfassung verbietet «grausame und ungewöhnliche Strafen». Jay Carney, der Sprecher des Weissen Hauses, erklärte am Mittwoch, eine Hinrichtung müsse human durchgeführt werden. Der Fall Lockett sei «diesem Standard nicht gerecht geworden».

Mit Material von sda



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