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Obama spottet über sich selbst

«Worüber könnte ich nach meinem glänzenden Jahr 2013 wirklich reden?»



Die Umfragewerte von US-Präsident Barack Obama sind derzeit auf einem Tiefpunkt – aber den Humor hat er anscheinend trotzdem nicht verloren. Beim traditionellen Galadinner der Korrespondenten im Weissen Haus zeigte sich der Demokrat als Komödiant. 

Obama machte sich dabei am Samstagabend der Tradition folgend nicht nur über politische Gegner und die Medien lustig, sondern auch über sich selbst. Er schreckte vor kaum einem Thema zurück. 

So sprach Obama in seinem launigen Vortrag etwa über den holprigen Start bei der Umsetzung seiner Gesundheitsreform, die ständige Sonnenbräune seines republikanischen Gegenspielers John Boehner oder über den Nachrichtensender CNN, der immer noch pausenlos über die Suche nach der verschwundenen Passagiermaschine der Malaysia Airlines berichtet. 

YouTube/SDFU TV

«Ich beginne solche Dinner meistens mit Bemerkungen, die mich selbst herabsetzen», begann Obama seine Rede vor rund 2600 Medienleuten und geladenen Gästen. «Aber worüber könnte ich nach meinem glänzenden Jahr 2013 wirklich reden?» 

Nein, es sei wirklich ein raues Jahr gewesen, räumte der Präsident dann ein. Zu einem Zeitpunkt seien die Dinge so schlecht gelaufen, dass sich die 47 Prozent, die ihn 2012 wiedergewählt hätten, bei seinem republikanischen Gegenkandidaten Mitt Romney entschuldigt hätten, fügte er scherzend hinzu. 

Dann kam er auf seine schlechten Umfragewerte zu sprechen. Diese seien auch seiner Tochter Sasha nicht entgangen. Sie habe kürzlich bei einem «Karriere-Tag» in ihrer Schule einen Sprecher benötigt, «und sie hat Bill Clinton eingeladen». 

«Es wird ihnen schwerer fallen, die Leute davon zu überzeugen, dass Hillary in Kenia geboren wurde.»

Aber der Präsident notierte auch Lichtblicke. So habe kürzlich beim Boston-Marathon erstmals seit 30 Jahren ein Amerikaner gewonnen, und das sei auch nur fair – denn schliesslich sei seit sechs Jahren ein Kenianer Präsident der USA

Obama mokierte sich damit über nicht verstummende Attacken aus der rechten Ecke, die sich um seine Abstammung ranken. Obamas Vater war ein Kenianer. 

Der sehr konservative Sender Fox News werde ihn vor diesem Hintergrund vermissen, wenn er Anfang 2017 aus dem Amt scheide, meinte der Präsident mit Blick auf Hillary Clinton, der im Fall einer Präsidentschaftskandidatur 2016 gute Gewinnchancen eingeräumt werden. «Es wird ihnen schwerer fallen, die Leute davon zu überzeugen, dass Hillary in Kenia geboren wurde.» 

First lady Michelle Obama, center, takes her seat with Joel McHale, star of the NBC series Community, at left, and President Barack Obama, at right, during the centennial dinner of the White House Correspondents' Association (WHCA) at the Washington Hilton Hotel, Saturday, May 3, 2014, in Washington. (AP Photo/Jacquelyn Martin)

Bild: AP/AP

Robert De Niro, Sofia Vergara, Lupita Nyong'o, Jessica Simpson, Patrick Stewart, Patrick Duffy und Julianna Margulies

Und um beim Thema zu bleiben: TV-Satiriker und Schauspieler Joel McHale, den die Korrespondenten-Vereinigung als ihren Hauptredner aufgeboten hatte, glaubt, dass Hillary eine gute Wahl wäre. Würde sie Präsidentin, so spottete er über die immer noch existierenden Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern, wäre sie um 30 Prozent billiger. 

Der US-Präsident ist stets der Ehrengast beim alljährlichen Journalisten-Festbankett, das als Washingtons glanzvollste Gala gilt. Ausgerichtet wird es von der White House Correspondents' Association (WHCA), die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert. 

Kritiker beanstanden, dass sich die Veranstaltung im Laufe der Jahre zu einer Art Hollywood-Spektakel entwickelt hat – mit einem Grossaufgebot an Prominenz aus der Unterhaltungsszene samt rauschenden Roben und rotem Teppich. Diesmal dabei waren unter anderem Robert De Niro, Sofia Vergara, Lupita Nyong'o, Jessica Simpson, Patrick Stewart, Patrick Duffy und Julianna Margulies. (sda/dpa) 

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