USA
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U.S. Secretary of State, John Kerry, centre, speaks on his phone while his plane refuels at Ramstein Air Base in Ramstein-Miesenbach, Germany, Friday, Aug. 1, 2014. The United States on Friday condemned

US-Aussenminister Kerry wird wohl nicht mehr mit der gleichen Gelassenheit zum Handy greifen. Bild: Reuters

Gaza-Konflikt

Lauschangriff unter Freunden: Israel hört Kerry ab

Israels Geheimdienst hat nach SPIEGEL-Informationen den US-Aussenminister belauscht – bei Verhandlungen mit den Palästinensern. Kann John Kerry im Gaza-Konflikt jetzt noch Vermittler sein?

Fabian Reinbold

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die SPIEGEL-Meldung macht weltweit Schlagzeilen: Der israelische Geheimdienst hat Telefonate des US-Aussenministers abgehört. Während der Friedensverhandlungen mit den Palästinensern lauschte der Mossad mehrfach mit, wenn John Kerry mit Gesprächspartnern im Nahen Osten redete.

Israel wusste also oft, was Kerry besprochen hatte, wenn man sich zur nächsten Verhandlung traf. Der Friedensprozess in Nahost, Kerrys Priorität als US-Aussenminister, scheiterte.

Auch in den sozialen Netzwerken wird die Nachricht heiss diskutiert. Festzustellen ist hier vor allem eine gewisse Schadenfreude darüber, dass nun auch die US-Regierung einmal das Opfer von Ausspähung geworden ist. Daneben wird aber auch die Frage debattiert, was das für Kerrys Rolle als Vermittler im aktuellen Gaza-Konflikt bedeutet. Denn das Verhältnis zwischen Washington und Jerusalem ist ohnehin angespannt.

Bislang haben sich weder Kerry noch Israel offiziell zur SPIEGEL-Geschichte geäussert. Allzu hoch dürften die USA den Fall ohnehin nicht hängen. Was sollten sie auch sagen? Allzu deutlich wurde in den vergangenen Monaten, dass Washington ja genau dasselbe tut: politische Freunde abhören – Stichwort Merkel-Handy. Auch Dutzende weitere Fälle sind bekannt. Eine öffentliche Empörung in der Causa Kerry wäre also von begrenzter Glaubwürdigkeit.

Die Amerikaner kannten das Risiko

Zumal die Amerikaner das Risiko der fraglichen Anrufe kannten, die über Satellit statt über Cryptophon geführt wurden. Auch ein zweiter Dienst hörte die Gespräche ab. (Die ganze Geschichte lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.)

U.S. Secretary of State John Kerry meets with Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu in Tel Aviv, Israel, Wednesday, July 23, 2014. Kerry is meeting with United Nations Secretary-General Ban Ki-moon, Netanyahu, and Palestinian President Mahmoud Abbas as efforts for a cease-fire between Hamas and Israel continues. (AP Photo/Pool)

John Kerry mit Premier Netanjahu am 23. Juli. Bild: /AP/KEYSTONE

Es war Kerrys grosses Ziel als US-Aussenminister: ein Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern zu erreichen, dafür ging er das Risiko der schlecht geschützten Anrufe ein. Für das Scheitern des Projekts macht Kerry (wie sein Präsident) vor allem die Hardliner-Haltung von Israels Premier Benjamin Netanjahu verantwortlich. Der israelische Verteidigungsminister lästerte später über den «besessenen» Amerikaner. Im jahrzehntelang bewährten Verhältnis Washington-Jerusalem herrscht seitdem Misstrauen.

Deutlich wurde das in den vergangenen Wochen. Kerry scheiterte wiederholt mit Vorschlägen zu Feuerpausen und dem Fahrplan zu einem Waffenstillstand. Sein Fahrplan habe Israels Kabinett «schockiert», so die «Haaretz», ranghohe Politiker hätten gar einen «strategischen Terroranschlag» im Papier des Amerikaners gesehen. Kerry habe die radikalislamische Hamas unnötig aufgewertet, so ein Vorwurf. Wiederholt liessen die Israelis Kerry abblitzen.

Als aus dem Kerry-Plan einer siebentägigen Feuerpause dann immerhin noch eine dreitägige werden sollte, hielt diese keine drei Stunden. Es gab neue Gefechte. Das Misstrauen ist nur noch gewachsen.

Kritik aus Washington – und konkrete Unterstützung

Im aktuellen Gaza-Konflikt haben sich neue Töne in das amerikanisch-israelische Verhältnis gemischt. Kerry und Obama kritisierten mehrmals die hohen Opferzahlen in der Zivilbevölkerung, die Israels Angriffe fordern. Jerusalem reagiert darauf genervt.

epa04237619 US President Barack Obama (R), US Secretary of State John Kerry (C) and US Ambassador to Poland Stephen D. Mull (L) attend a meeting with Polish Prime Minister Donald Tusk (not seen) and a Polish delegation in Warsaw, Poland, 03 June 2014. US President Barack Obama arrived in Poland for the start of a four-day European trip.  EPA/LESZEK SZYMANSKI POLAND OUT

Israel reagiert empfindlich auf Kritik von Obama und Kerry, wenn es um den Gaza-Konflikt geht. Bild: EPA/PAP

Doch genauso oft betonen die Amerikaner das israelische Recht auf Selbstverteidigung – und helfen dabei mit konkreten Schritten.

Als die Israelis vor zwei Wochen um Nachschub für Munition baten – vor allem ging es um Granaten und Mörser – bewilligte das Weisse Haus die Anfrage rasch. Auch die neue Unterstützung für den israelischen Raketenschild «Iron Dome», der die Städte vor Geschossen der Hamas schützt, passierte den US-Kongress mit grosser Mehrheit. 225 Millionen Dollar schiesst Washington zu, insgesamt dürften die USA bald mehr als eine Milliarde Dollar beigesteuert haben.

Unabhängig von den aktuellen Misstönen arbeiten die USA und Israel also nach wie vor eng zusammen. Dazu gehört vor allem auch die Kooperation der Geheimdienste, auch wenn diese in der Causa Kerry nun einmal gegeneinander gearbeitet haben.



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