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St. Louis County Prosecutor's Office photo shows Ferguson, Missouri police officer Darren Wilson photo taken shortly after August 9, 2014 shooting of Michael Brown, presented to the grand jury and made available on November 24, 2014. A Missouri grand jury voted not to charge Wilson for the fatal August shooting of an unarmed black teenager, an incident that set off weeks of sometimes violent protests around the St. Louis area, a county prosecutor said on Monday.  REUTERS/St. Louis County Prosecutor's Office/Handout  (UNITED STATES - Tags: CRIME LAW HEADSHOT) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Darren Wilson. Bild: HANDOUT/REUTERS

Tod von Michael Brown

«Er sah aus wie ein Dämon. So wütend» – die Verhörprotokolle des Todesschützen 

Im Fall des erschossenen Teenagers Michael Brown aus Ferguson hat der Staatsanwalt Unterlagen freigegeben – darunter die dramatischen Aussagen des Polizisten Darren Wilson. 

Rainer Leurs und Vivian Alterauge / Spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Es ist ein Berg an Unterlagen, den die Staatsanwaltschaft von St. Louis in der Nacht veröffentlichte: Befragungsprotokolle, Ergebnisse von Autopsie und Drogentest, Mitschnitte des Funkverkehrs. Der zentrale Punkt im Fall des erschossenen schwarzen Teenagers Michael Brown jedoch verbirgt sich in Band 5 der Zeugenaussagen: Es ist die Befragung des Polizisten Darren Wilson vor der Grand Jury.

Wilson war es, der am 9. August unter fragwürdigen Umständen die tödlichen Schüsse auf Brown abgab. Der Vorfall war der Auslöser für die zum Teil gewalttätigen Proteste in Ferguson. Seit klar ist, dass die Justiz keine Anklage gegen Wilson erheben wird, sind sie heftiger entflammt denn je. 

Wie der Polizist die entscheidenden Minuten erlebt haben will, lässt sich nun auf fast 100 Protokollseiten nachlesen. So beschreibt Wilson, wie er allein in seinem Streifenwagen unterwegs war, als er zufällig über Funk von einem Ladendiebstahl in der Gegend hörte. Danach habe er zwei Männer gesehen, die mitten auf der Strasse entlangmarschiert seien. Einer der beiden – Michael Brown – habe auf die Beschreibung des gesuchten Ladendiebs gepasst. 

Wilson: «Ich versuche, die Fahrertür zu öffnen, und sage zu Brown: ‹Hey, komm mal kurz her!› Da dreht er sich um, schaut mich an und sagt: ‹Was zur Hölle willst du dagegen tun?›, und knallt meine Tür zu. (...) Ich habe ihn aufgefordert zurückzutreten, aber er hat mich einfach nur angesehen, als wolle er mich einschüchtern oder niederstarren.» 

Laut Wilson kommt es zu einem kurzen Handgemenge, bei dem der Polizist erneut versucht, die Tür zu öffnen, und Brown sie ein zweites Mal zuschlägt. «Get the fuck back», habe er den Teenager angeherrscht. 

An incident in a store in Ferguson, Missouri August 9, 2014 is seen in these still images taken from a security camera and presented to the media during a news conference by the Ferguson Police Department on August 15, 2014. Authorities named Darren Wilson as the police officer who killed an unarmed black teenager in Ferguson, Missouri last weekend, saying the officer had a good record and the incident came in the aftermath of a robbery in which the teen was a suspect. Ferguson Police Chief Tom Jackson said there had been a report of a robbery of cigars in a convenience store in the area a few minutes before police officer Darren Wilson encountered Michael Brown walking down the street near an apartment complex.  REUTERS/Ferguson Police Department/Handout via Reuters (UNITED STATES - Tags: CIVIL UNREST CRIME LAW) NO SALES. NO ARCHIVES. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS

Überwachungsbilder sollen Michael Brown zeigen Bild: LUCAS JACKSON/REUTERS

Wilson: «In diesem Moment sah ich, wie er sich in meinen Wagen beugte. Sein Kopf war höher als das Dach meines Autos, er hat sich gebückt und hatte die Hände erhoben (...). Er hat mich hier an der Seite mit der Faust im Gesicht getroffen. (...) Ich glaube, mein Arm hat einiges von dem Schlag abgefedert, aber da war immer noch ein signifikanter Kontakt mit meinem Gesicht.» 

Durch das offene Fenster hindurch versucht Wilson nach eigenen Angaben, Browns Arm festzuhalten. «Ich habe mich gefühlt wie ein Fünfjähriger, der sich an Hulk Hogan klammert», sagt der Polizist in Anspielung auf den riesenhaften Ex-Wrestler. Erneut soll ihn der angeblich rund 135 Kilo schwere Brown durch das geöffnete Fenster hindurch geboxt haben. Wilson schildert, wie er seine Optionen abwägt, um weitere Schläge zu verhindern: An seine Reizgasdose kommt er nicht, ohne die Deckung mit der linken Hand fallen zu lassen, seinen Schlagstock bekommt er nicht zu fassen, weil er darauf sitzt. 

Schliesslich zieht er seine Pistole 

St. Louis County Prosecutor's Office photo shows Ferguson, Missouri police officer Darren Wilson photo taken shortly after August 9, 2014 shooting of Michael Brown, presented to the grand jury and made available on November 24, 2014. A Missouri grand jury voted not to charge Wilson for the fatal August shooting of an unarmed black teenager, an incident that set off weeks of sometimes violent protests around the St. Louis area, a county prosecutor said on Monday.  REUTERS/St. Louis County Prosecutor's Office/Handout  (UNITED STATES - Tags: CRIME LAW HEADSHOT) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Spuren im Gesicht: Darren Wilson. Bild: HANDOUT/REUTERS

Bemerkenswert ist die nun folgende Passage: Wilson schildert die Bedrohung, die er in jenem Moment empfunden haben will – während er in einem Auto sass und eine geladene Waffe am Gürtel hatte. «Ich spürte, dass ich vielleicht K.o. gehen würde, wenn er mich nochmals ins Gesicht schlägt», führt er aus. «Zwei solcher Treffer hatte ich bereits eingesteckt, ein dritter hätte tödlich sein können.» 

Wilson: «Ich habe gesagt: ‹Tritt zurück, oder ich schiesse!› Er [Brown] hat sofort meine Pistole gepackt und erwidert: ‹Du bist viel zu feige, um auf mich zu schiessen› (...) Er hat sie oben angefasst und die Waffe dann heruntergedrückt. Am Ende war sie auf meine Hüfte gerichtet. (...) Ich konnte spüren, wie er versuchte, seine Finger zum Abzug zu führen. Ich weiss noch, wie ich mir vorstellte, dass eine Kugel in mein Bein eindringt.» 

Während dieses Gerangels drückt Wilson nach eigenen Angaben ab, der Schuss schlägt in die Tür des Streifenwagens ein; das heruntergelassene Fenster zersplittert. Nach einer Schrecksekunde habe Brown aber ein weiteres Mal angegriffen. 

Wilson: «Sein Gesichtsausdruck war sehr aggressiv. Ich kann es nur so beschreiben: Er sah aus wie ein Dämon. So wütend. Er kam mit erhobenen Händen auf mich zu, ich habe nochmals abgedrückt, aber es löste sich kein Schuss.» 

Jury: «Sie sagen, er kam mit erhobenen Händen auf sie zu. Hatte er die Fäuste geballt?» 

Wilson: «Ich habe nur gesehen, dass er die Hände erhoben hatte. Ich weiss nicht, ob sie zu Fäusten geballt waren. (...)»

Nachdem sich erst kein Schuss löst, lädt Wilson seine Sig Sauer durch und drückt erneut ab. Diesmal knallt es. Gegenüber der Jury beschreibt der Polizist, wie Michael Brown die Flucht ergreift. Er selbst habe per Funk Verstärkung gerufen, sei dann ausgestiegen und Brown hinterhergerannt. 

Nach einigen Metern sei der Mann stehengeblieben 

Wilson: «Ich habe ihn aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Er hat sich umgedreht, mich angeschaut und gegrunzt, als hätte ich ihn gereizt. Dann ist er auf mich zugekommen. (...) Seine linke Hand war zur Faust geballt, und mit seiner Rechten griff er unters Hemd nach seinem Hosenbund. Dann fing er an zu rennen. (...) Ich habe eine ganze Reihe Schüsse abgeben, ich weiss nicht wie viele (...), aber zumindest einmal habe ich ihn getroffen: Man konnte sehen, wie er zusammengezuckt ist. »

Zuletzt ist Brown laut Wilson nur noch wenige Meter entfernt. Der Polizist behauptet, er sei zurückgewichen, «weil ich wusste: Wenn er mich erreicht, bringt er mich um». Mehrere Kugeln haben Brown zu diesem Zeitpunkt bereits getroffen, aber auch jetzt hört Wilson nicht auf zu schiessen. 

Wilson: «Alles, was ich gesehen habe, ist sein Kopf, und auf den habe ich geschossen. Ich weiss nicht, wie oft, aber zumindest bei der letzten Patrone habe ich gesehen, dass ich getroffen habe. Die Kugel drang in ihn ein, [Brown] bekam einen leeren Gesichtsausdruck, die Aggression war weg. Er hat aufgehört. Die Bedrohung war vorbei.» 

Wilsons Aussagen widersprechen in zentralen Punkten den Angaben einiger anderer Zeugen

Ferguson – eine Chronik der Wut

So berichtete Tiffany Mitchell, Brown sei vom Auto zurückgewichen, der Polizist hingegen habe ihn zurückgezogen. Auch Dorian Johnson, Browns Begleiter an diesem Tag, erzählt eine andere Version der Geschichte. Demnach habe Wilson Brown aus dem Auto heraus am Hals gepackt und versucht, den Teenager in den Wagen zu zerren. Zu keinem Zeitpunkt habe Brown versucht, einen Arm durch das Fenster ins Auto zu strecken. Bereits nach dem ersten Schuss aus dem Wagen heraus habe er, Johnson, Blut gesehen – Brown sei also getroffen worden. 

Über die Szene nach der Verfolgungsjagd zu Fuss berichtete Johnson, Brown habe die Hände in die Höhe gereckt, als er sich umdrehte. Der Teenager habe beteuert, dass er keine Waffe trage. Dann seien die Schüsse gefallen. 

Die Grand Jury aus zwölf Geschworenen war am Montag zu dem Schluss gekommen, dass die Beweislage für eine Anklage gegen den Polizisten nicht ausreiche. 

Der glaubwürdigste Augenzeuge habe gesagt, Michael Brown sei auf den Polizisten zugestürmt, so Staatsanwalt Bob McCulloch. Die Aussagen anderer Zeugen – laut «New York Times» auch solcher, die von einer Aufgabe Browns sprachen – hätten sich mit der Zeit geändert oder nicht zu den Spuren gepasst. 

In der Nacht kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen in Ferguson; mehrere Gebäude und Streifenwagen standen in Flammen. Die hochgerüstete Polizei reagierte mit Tränengas und Rauchbomben. 

Die kompletten Unterlagen zum Fall Michael Brown finden Sie hier (Associated Press, Server zum Teil überlastet) 

Rassistische Polizeigewalt USA



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    Alle Leser-Kommentare
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 25.11.2014 21:21
    Highlight Highlight So hart es klingt: ist der US Cop weiss und du schwarz: Heb die Haende hoch und leg dich freiwillig flach auch den Boden. Alles andere bringt dich in Lebensgefahr
    8 0 Melden
    • Gbzh 26.11.2014 10:23
      Highlight Highlight das würde ich generell bei US Cops empfehlen. Ich hatte mal eine unangenehme Begegnung wegen eines Fahrfehlers in einer kleinen Stadt in Arkansas. Grundsätzlich ist die Bewaffnung der Bevölkerung ein Riesenproblem in den USA. Da herrscht soviel Misstrauen dass eine Wasserpistole zu Tötungen führen kann. Ich kann mir einfach nicht vorstellen dass ein getroffener Teenie immer noch eine Gefahr darstellen kann. Von einer Schusswaffe getroffen zu werden ist ein Riesenschock, für den Körper und die Psyche.
      1 0 Melden
  • gianna 25.11.2014 17:21
    Highlight Highlight die person, die die zigaretten geklaut hat kann gar nicht michael brown gewesen sein, die zeit vom zeitstempel des bildes bis zum aufeinandertreffen mit darren wilson hätte nicht ausgereicht um vom shop zu der strasse zu kommen.
    3 9 Melden
    • Herr Noergler 25.11.2014 18:26
      Highlight Highlight Woher wissen Sie denn, wie weit es vom Shop zur Strasse ist? Waren Sie vor Ort?
      7 2 Melden
    • gianna 25.11.2014 20:11
      Highlight Highlight ich habe ein screenshot einer google maps karte auf der shop und strasse markiert waren gesehen, ist leider schon länger her, sonst hätte ich den link vielleicht noch
      2 3 Melden
    • gianna 25.11.2014 20:18
      Highlight Highlight http://countercurrentnews.com/2014/08/ferguson-store-owner-says-he-doesnt-believe-thats-mike-brown-on-surveillance-video/#
      habe soeben den link gesucht, bin dabei auf eine seite gestossen, die berichtet, dass der shop-besitzer nie bestätigt hat, dass der mann, der die zigaretten geklaut hat, auch wirklich mike brown ist
      2 2 Melden
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«Trump wird die Macht teilen müssen – und dann sterben»

Eine politische Analyse der etwas anderen Art: Martin Zoller kann anhand der Analyse der Aura eines Menschen seine Zukunft sehen. So hat er die Wahl von Donald Trump richtig vorausgesagt. Jetzt allerdings scheint sich das Blatt zu wenden: Die Demokraten werden gemäss Zoller die Midterms gewinnen – und Trump wird noch vor Ablauf seiner ersten Amtszeit sterben.

Sie haben die Wahl von Donald Trump vorausgesagt. Wie ist Ihnen das gelungen? Schon 2014 wusste ich, dass Hillary Clinton keine Chance haben wird. Ich sah im Sommer dieses Jahres einen Mann als kommenden Präsidenten. Als Trump von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidat erkoren wurde, war mir klar, dass er auch gewählt werden wird. Ich habe das damals schon in verschiedenen TV-Interviews ausgeführt.

Wie kommen Sie zu solchen Aussagen? Machen Sie politische Analysen und verbinden diese …

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