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ATTENTION EDITORS - VISUALS COVERAGE OF SCENES OF DEATH AND INJURY
A member of the Ukrainian Emergencies Ministry looks at body bags at the crash site of Malaysia Airlines Flight MH17 near the village of Hrabove, Donetsk region, July 20, 2014. U.S. Secretary of State John Kerry laid out on Sunday what he called overwhelming evidence of Russian complicity in the downing of Malaysia Airlines flight MH17 and called rebels' behavior

Die Leichen werden am Absturzort gestapelt. Bild: MAXIM ZMEYEV/REUTERS

Abschuss von MH17

Die Rufe nach Konsequenzen nehmen zu, doch die Ohnmacht des Westens ist offensichtlich

Die Lage am Absturzort von Flug MH17 ist empörend: Immer noch behindern Separatisten die Sucharbeiten. Die Rufe nach Konsequenzen mehren sich, bei der UNO wie bei der EU – doch die Ohnmacht des Westens ist offensichtlich.

21.07.14, 07:52 21.07.14, 13:50

Marc Pitzke, New York / Spiegel Online

Ein Artikel von

Die Eröffnung der 20. Internationalen Aids-Konferenz im australischen Melbourne wurde zur Trauerfeier. Sechs Top-Delegierte waren an Bord des über der Ostukraine abgeschossenen Fluges MH17 gewesen, darunter Joep Lange, einer der namhaftesten HIV-Experten seiner Generation.

Und so begannen die rund 12'000 Forscher, Ärzte und Aktivisten ihr fünftägiges Treffen am Sonntagabend mit einer «globalen Schweigeminute» - und betretenen Worten: «Wie grausam diese Mörder scheinen», sagte der Menschenrechtler Michael Kirby. «Wie viele Schmerzen müssen wir noch ertragen?»

This picture taken on July 20, 214 shows people walk in front of a sign for the AIDS Conference 2014 in Melbourne in memory of those killed in the Malaysia Airlines crash over Ukraine.  Australian Prime Minister Tony Abbott on July 21, 2014, hit out at the

Der Aids-Kongress in Melbourne stand ganz im Zeichen der Absturzopfer, darunter viele Forscher, die hier hätten teilnehmen sollen. Bild: AFP

Wütende Verzweiflung herrscht allerorts. Die Lage am Absturzort der MH17 bleibt empörend: Bewaffnete prorussische Separatisten behinderten die Bergungsarbeiten weiter und schafften am Wochenende fast 200 der 298 Leichen fort. «Das ist inakzeptabel und ein Affront gegen all jene, die Angehörige verloren haben», erklärte das US-Außenministerium, das den Milizen «Beweismittelmanipulation» vorwarf.

Weltweit wächst die Empörung. Der Uno-Sicherheitsrat will noch an diesem Montag über eine Resolution beraten, die einen «sicheren, vollständigen und unbehinderten Zugang» zur Absturzstelle und eine «würdevolle Behandlung» der Leichen fordert. Das kündigte der britische Uno-Botschafter Lyall Grant auf Twitter an.

Nach Informationen von Reuters verlangt die von Australien formulierte Resolution eine «umfassende und unabhängige internationale Untersuchung» des Abschusses, bei der alle Staaten kooperieren müssten. Eine ähnliche Erklärung hatte der Rat schon bei seiner Sondersitzung am Freitag verbreitet, jedoch ohne den Druck einer förmlichen Resolution.

Kerry: «Augenblick der Wahrheit» für Putin

Russland, dem von westlichen Geheimdienstkreisen eine Mitverantwortung für die Katastrophe zugewiesen wird, versuchte bereits den Text der Resolution noch zu ändern. So habe es darauf bestanden, dass die Separatisten nicht erwähnt würden, berichtete Reuters. Auch sollte das Wort «Abschuss» mit dem Adjektiv «offensichtlich» relativiert werden.

FILE - In this Thursday, April 24, 2014, file photo, Secretary of State John Kerry speaks in Washington. Kerry said Sunday, July 20, 2014, on NBC'S

John Kerry macht Russland indirekt für den Abschuss verantwortlich.  Bild: Jacquelyn Martin/AP/KEYSTONE

Die Verhandlungen liefen über Nacht, während das Gremium in New York zu informellen Beratungen über die Gaza-Krise zusammentrat.

Auch US-Aussenminister John Kerry nahm Russland in die Pflicht. Er nannte den MH17-Abschuss in einem Interview mit Fox News dem «Augenblick der Wahrheit» für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Putin müsse «allen Einfluss, den er hat», darauf verwenden, dass die Ermittlungen «Integrität» hätten. Putin habe am Sonntagabend seine Unterstützung bei der Übergabe der sterblichen Überreste der Opfer des abgestürzten Flugzeuges sowie der Flugschreiber zugesichert, teilte ein niederländischer Regierungssprecher nach einem Telefonat des russischen Präsidenten mit Premier Mark Rutte mit.

Die Separatisten gelten für die USA immer mehr als hauptverantwortlich für den Abschuss - mit Beihilfe Russlands. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Russland habe den Milizen mehrere SA-11-Raketensystems zur Verfügung gestellt, die offenbar kurz vor dem Vorfall in die Ostukraine geschmuggelt worden seien, schrieb das «Wall Street Journal». Nach dem Abschuss der Boeing 777 seien die Systeme dann wieder zurück über die Grenze nach Russland geschafft worden.

«Es ist ziemlich klar, dass dies ein System ist, das von Russland in die Hand der Separatisten übergeben wurde»

John Kerry

Merkel, Hollande und Cameron drohen Russland mit Sanktionen

Kerry machte am Sonntag die Runde durch fünf politischen TV-Talkshows und wiederholte dabei, dass Russland die Separatisten in der Handhabung der Waffen trainiert habe: «Es ist ziemlich klar, dass dies ein System ist, das von Russland in die Hand der Separatisten übergeben wurde», sagte er auf CNN. Wer genau jedoch die fragliche Rakete abgeschossen habe, sagte Kerry aber nicht.

Zuvor hatte Kerry mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert: Moskau müsse "sofortige und klare Handlungen" ergreifen, «um die Spannungen in der Ukraine zu reduzieren» und die Ermittlungen zum Absturz voranzutreiben.

Darüber wollen auch die EU-Aussenminister am Dienstag in Brüssel beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und der britische Premierminister David Cameron drohten Moskau im Vorfeld mit weiteren Sanktionen. Sollte Russland dazu nicht «unverzüglich die nötigen Massnahmen ergreifen», hiess es in Paris, werde das beim Aussenministerrat Konsequenzen haben.

Dabei blieb die Ohnmacht des Westens bisher allzu offensichtlich. Noch hat die EU nur Sanktionen gegen Einzelpersonen und Unternehmen verhängt, nicht aber gegen ganze Wirtschaftszweige. «Viel zu lange haben zu viele europäische Länder Zurückhaltung gezeigt», schrieb Cameron in der «Sunday Times».

Keine öffentlichen Schuldzuweisungen in Berlin

Diese Zurückhaltung herrscht noch auch in Berlin. An der Spitze der Bundesregierung gibt es keine direkte Kritik an Putin. Man will weiter Kontakt mit der russischen Seite halten. Weder von Merkel, die am Wochenende mit Putin telefonierte, noch von Aussenminister Frank-Walter Steinmeier gab es öffentliche Schuldzuweisungen an die Adresse Moskaus.

U.S. President Barack Obama arrives at Ft. Belvoir in Virginia after spending a weekend in Camp David July 20, 2014. REUTERS/Yuri Gripas (UNITED STATES - Tags: POLITICS)

Von Barack Obama war am Sonntag wenig zu hören. Bild: YURI GRIPAS/REUTERS

«Es ist selten eine gute Idee, aus reiner Show ins Weisse Haus zurückzukehren, wenn die Lage verantwortlich von unterwegs gehandhabt werden kann»

Obamas Kommunikationschefin Jennifer Palmieri

Wenig zu hören war am Sonntag auch vom Weissen Haus. US-Präsident Barack Obama verbrachte das Wochenende wie geplant auf seinem Landsitz Camp David. «Es ist selten eine gute Idee, aus reiner Show ins Weisse Haus zurückzukehren, wenn die Lage verantwortlich von unterwegs gehandhabt werden kann», sagte Obamas Kommunikationschefin Jennifer Palmieri der «New York Times». Abrupte «Änderungen am Terminplan können die unbeabsichtigte Konsequenz haben, das amerikanische Volk übermässig zu beunruhigen.»

Damit sich die US-Bürger wirklich nicht sorgen mussten, hielt Obama auch an seinem Plan fest, am Sonntag auf dem Rückweg nach Washington auf einem Militärstützpunkt ungestört Golf zu spielen - vier Stunden lang.



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    Alle Leser-Kommentare
  • IMaki 21.07.2014 11:43
    Highlight Boykott-Aufrufe sind normalerweise ein Schuss in den Ofen. Angesichts der immer offenkundiger werdenden Indizien, dass von Russland ferngesteuerte Banditen die Urheber des Abschusses eines Zivilflugzeuges sein könnten, stellt sich tatsächlich die Frage, ob es opportun sei, weiterhin das sportliche Treiben mit Russland fortzusetzen und auf dem Fussballfeld so zu tun, als sei in den Feldern der Ukraine keine Spur eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu entdecken. Ich schliesse mich dem Aufruf des Holländischen Fussballers John van 't Schip an: Keine Fussball-WM 2018 in Russland. Und ergänze: Ab sofort keine Fussballspiele russischer Klubs in internationalen Wettbewerben. FIFA und UEAF bitte handeln.
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