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RTS: Krawall in Zürich

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RTS: Krawall in Zürich
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«Reclaim the Streets» ist zurück

Schwere Krawalle in Zürich: Sieben verletzte Polizisten und riesiger Sachschaden

13.12.2014, 00:4213.12.2014, 10:57

Sieben verletzte Polizistinnen und Polizisten, mehrere ausgebrannte Autos, geplünderte Geschäfte und Sachschaden von mehreren hunderttausend Franken: Das ist die vorläufige Bilanz nach einer unbewilligten Demonstration in Zürich in der Nacht auf Samstag.

In den Kreisen 3 und 4 zogen Hunderte zum Teil vermummte Demonstranten durch die Strassen und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei. Sie hinterliessen eine Spur der Verwüstung – Fassaden wurden mit Farbbeuteln beschmiert, Hunderte Fensterscheiben eingeschlagen, Container und sogar Autos brannten.

Mit Stöcken bewaffnet

Wie die Stadtpolizei Zürich am Samstagmorgen in ihrem Communiqué schreibt, versammtelten sich rund 200 grösstenteils vermummte und gewaltbereite Personen der «linksautonomen Szene» bei der Manessestrasse. Viele waren mit Stangen, Schlagstöcken und Wurfgegenständen bewaffnet. Einige trugen einen Kopfschutz, Gasmasken und Schutzanzüge. 

Die Polizei spricht von einem eigentlichen «Saubannerzug durch die Stadtkreise 3 und 4» und «gezielten und massiven Angriffen» gegen die Einsatzkräfte.

Saubannerzug von Wiedikon bis an die Europaallee

Nach der Besammlung am Sihlhölzlipark zogen Chaoten via Bahnhof Wiedikon in Richtung Langstrasse. Die Stadtpolizei war von Beginn weg mit einem Grossaufgebot vor Ort.

Anschliessend zog die grosse Gruppe weiter an die Europaallee. «Dort ging die Zerstörung weiter. Die Allee wurde auf 150 Metern komplett entglast, Farbbeutel wurden geworfen und auch weiterhin Slogans oder Schmierereien an die Wand gesprayt», so ein Augenzeuge zu watson . 

Die Polizei, die laut eigenen Angaben mit Steinen und Feuerwerkskörpern beschossen wurde, konnte den Hauptzug um Mitternacht mit Gummischrot und Wasserwerfern auflösen.

Im Gebiet Europaallee und Lagerstrasse kam es zu weiteren Scharmützeln. Die Chaoten griffen eine Patrouille beim Fahrzeug massiv an. Nachdem sich die Polizisten im Fahrzeug in Sicherheit gebracht hatten, wurden die Fahrzeugtüren aufgerissen und eine brennende Fackel ins Fahrzeuginnere geworfen. Dabei fing die Ausrüstung einer Polizistin Feuer. Glücklicherweise wurde die Polizistin nicht verletzt. In der Folge entriss der Mob den Einsatzkräften einen Mehrzweckwerfer, ein Schutzschild und eine Einsatztasche.

Polizisten formieren sich in der Zürcher Innenstadt
Polizisten formieren sich in der Zürcher InnenstadtBild: userinput 

Die Chaoten plünderten auf ihrem Saubannerzug auch mehrere Geschäfte und griffen ein vollbesetztes Restaurant an, dessen Scheiben sie zerstörten.

Sieben verletzte Polizisten

Aufgrund der eskalierenden Situation wurden von der Einsatzleitung in kürzester Zeit zusätzliche Polizistinnen und Polizisten aufgeboten, darunter auch Kantons- und Bahnpolizisten. Die Chaoten konnten nur mit dem Einsatz von Gummischrot, Reizstoff und Wasserwerfern zurückgedrängt werden. Neben Steinen, Knallpetarden und Raketen, die im Direktschuss auf die Einsatzkräfte abgefeuert wurden, kam es auch zu verschiedensten Laserattacken.  

Bei den gezielten und massiven Angriffen gegen die Einsatzkräfte hatten sich eine Polizistin und zwei Polizisten Augenverletzungen sowie vier weitere Polizisten Gehörschädigungen zugezogen. Sie mussten im Spital gepflegt werden.

Protest gegen Stadtzerstörung

Im Protestzug wurde ein Transparent mit der Aufschrift «Reclaim the Street» («Holt euch die Strasse zurück») mitgetragen, wie Bilder von Leserreportern auf verschiedenen Portalen zeigen. «Wir nehmen uns heute die Strasse, um ein Zeichen zu setzen gegen die fortschreitende Stadtaufwertung» und die Zerstörung alternativer Projekte, hiess es in einem Aufruf auf der Internetseite indymedia.

Aufruf zu Tanzparty von «Reclaim the Streets» 
Der Aufruf zur «Tanzparty» erreichte die Teilnehmer ein paar Stunden vor Beginn der Randale via SMS: «On the one&only dancefloor, the street of zureich: heute megageil äRTeäS! 22:00 sihlhölzlipark. komm pünktlich. sgit drinks, sound, gold & ä überraschig! weiterleiten!» RTS – respektive «äRTeäS» – steht dabei für «Reclaim the Streets», eine gesellschaftliche Bewegung, die sich mit unangemeldeten Partys den öffentlichen Raum vorübergehend aneignet. In Zürich machte die Bewegung im Februar 2010 von sich reden, als eine «Tanzparty» in schweren Randalen endete und Schäden in Millionenhöhe nach sich zog.
Polizei in der Nähe der Europaallee.
Polizei in der Nähe der Europaallee.Bild: Userinput watson

Ein Augenzeuge berichtet:

«Die Sache war von langer Hand geplant»
«Bereits an der Langstrasse haben einige Teilnehmer des Umzugs bei ersten Geschäften und auch beim Sexkino die Scheiben eingeschlagen. Es wurden auch einige Fassaden versprayt», berichtet ein Augenzeuge gegenüber watson. Er habe auch gesehen, wie mindestens drei Autos abgefackelt wurden. Im Minimum zwei Personen seien verhaftet worden. «Trotz der Verhaftungen hatte ich das Gefühl, dass die Polizei mit der Situation heillos überfordert war.» Die Revolte habe vor allem der Siedlungspolitik um die Europaallee gegolten, ist sich der Augenzeuge sicher. «Die ganze Sache ist mit Sicherheit von langer Hand geplant worden.»

Riesiger Sachschaden

Der angerichtete Sachschaden kann zurzeit nicht beziffert werden, dürfte jedoch mehrere 100'000 Franken betragen. Im Zusammenhang mit den massiven Ausschreitungen wurden vier Personen festgenommen. Es handelt sich dabei um vier Männer im Alter zwischen 20 und 36 Jahren. Zwei stammen aus der Schweiz, einer aus England und einer aus dem Fürstentum Liechtenstein. Inzwischen wurde ein Bekennerschreiben der linksautonomen Szene veröffentlicht.

Ein Grossaufgebot von Stadtpolizei und Kantonspolizei war noch bis um 02.30 Uhr im Einsatz.

Betroffen war auch der öffentliche Verkehr. Laut einer Mitteilung der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) waren Tram- und Busbetrieb im Raum Militär- / Langstrasse zeitweise blockiert.

Zerschlagene und verschmierte Scheiben einer UBS-Filiale in der Gegend der Europaallee. 
Zerschlagene und verschmierte Scheiben einer UBS-Filiale in der Gegend der Europaallee. Bild: Userinput watson

(erf/gag/kub/sda)

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Blutgruppe
13.12.2014 02:05registriert November 2014
Unkonstruktive Chaoten. Zerstören ist leichter als aufbauen. Ihr bringt nur wieder die friedlichen Kapitalismuskritiker in Verruf, weil sie nach so Aktionen in einen Topf mit euch geworfen werden!
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traugottle
13.12.2014 09:50registriert Februar 2014
Verschwendet keine Energie um irgendwelche Gründe zu suchen, es gibt keine. Halt doch, wenn sinnlose Gewalt ein Grund ist, dann gibt es einen. Verletzte Polizisten geht meiner Meinung nach viel zu weit! Harte Strafen wäre da die richtige Antwort!!
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AHTOH
13.12.2014 09:31registriert November 2014
Links und rächts es paar a d'Ohre!
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