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epa04764045 Jury members, British actress Sienna Miller (R) and Canadian director Xavier Dolan (L) arrive for the screening of 'Macbeth' during the 68th annual Cannes Film Festival, in Cannes, France, 23 May 2015. The movie is presented in the Official Competition of the festival which runs from 13 to 24 May.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Eine rosa Romanze: Xavier Dolan mit Sienna Miller in Cannes. 
Bild: SEBASTIEN NOGIER/EPA/KEYSTONE

Xavier Dolan ist 26 und sein Video hat 1 Milliarde Views auf YouTube. Nach nur 87 Tagen



Er will mal in einem «Batman» den Joker spielen. Er trägt ein riesiges Dumbledore-Tattoo auf seinem Arm. Er modelt für Louis Vuitton und Karl Lagerfeld. Er ist hyperaktiv. Er hasst Hipster. Er war ein böses Kind. Und: Er brauchte bloss 87 Tage. Dann war die Milliarde geknackt. Der bisherige Rekordhalter hatte dazu 158 Tage gebraucht. Der bisherige Rekordhalter war Psy mit «Gangnam Style». Doch seit einer Woche regiert Xavier Dolan mit «Hello» das Reich der 16 milliardenfach gesehen Musikvideos auf YouTube. Xavier Dolan? Nein, natürlich Adele.

Xavier Dolan ist der 26-jährige, supercharmante kanadische Regisseur, der gemacht hat, dass wir «Hello» nicht nur so gerne hören, sondern auch schauen. Aber wieso bloss? «Hello» ist schliesslich ein schlichter Videoclip, weder lustig, noch nackt, es gibt weder Action noch Tanzeinlagen durchgeknallter Mädchen (Sias «Chandelier» mit Maddie Ziegler gehört ebenfalls zu den 16 Rekord-Videos). Es gibt bloss: Adele, Wald, tote Liebe und eine völlig unlogisch im Dickicht verrottende Telefonkabine. 

Dolans Trick ist die Exzentrik. Nicht der Handlung, sondern der Herstellung. Er filmte «Hello» mit einer Imax-Kamera, also mit der ungefähr teuersten Kamera der Welt, die im Kino bloss für Grossunternehmen wie «Interstellar», «Hunger Games» und «Star Wars: The Force Awakens» eingesetzt wird. Eine Kamera, die mehr sieht als jedes Auge. Weshalb «Hello» so hochwertig erscheint. Weshalb «Hello» auch in einem Imax laufen könnte.

adele

Bild: youtube/adelevevo

Der Rest sind wenige Akzente. Adeles ikonisches Diven-Gesicht, Adeles glamouröse Posen im Wind, die verdammte Telefonkabine ohne Empfang. Sie schreit: Abbruch aller Kommunikation! Isolation! Weltschmerz! Herzschmerz! Sie ist sentimental und romantisch und damit exakt eins dieser Bilder, die sich per Popsong auf ewig in unsere Köpfe fräsen. Das ist keine hohe Kunst, aber eine präzise.

Die Sache mit der hohen Kunst betreibt Xavier Dolan seit seinem 16. Jahr. Schliesslich ist er schneller als alle anderen. Nicht nur mit der YouTube-Milliarde. 2016 werden voraussichtlich sein siebter und achter Film Premiere haben, in einem davon – «The Death and Life of John F. Donovan» – spielt auch Adele mit. Neben Jessica Chastain, Michael Gambon (deshalb das Dumbledore-Tattoo), Susan Sarandon und Kathy Bates. Es wird ein Film über einen pädophilen Filmstar. 

Bild

Das sieht schlimm aus: Xavier Dolan in «Tom à la ferme».
bild: arte france cinéma

Denn Dolan, das böse Kind von einst, das heute so heiss geliebt wird, will zugleich den Abgrund und das Gegenteil davon, die Utopie im Liebesrausch. «Tom à la ferme» ist ein grässlicher Psychothriller über einen homophoben Farmer – Xavier Dolan spielt sein Opfer. «J'ai tué ma mère», den er mit 16 begann, und «Mommy» sind zwei Studien über die hysterische Liebe zwischen Müttern und Söhnen. «Laurence Anyways» und «Les amours imaginaires» beleuchten die zum Verzweifeln komplizierten Abzweigungen der Liebe, wenn sich die Grenzen der Geschlechter verschieben und auflösen. 

Das Temperament seiner Filme: fiebrig. Ein Überschuss an Worten und Gefühlen. Das Herz sei der Schlüssel zum Kino, nicht der Intellekt, sagt er. Was für ein Kitschbruder. Seine Feinde sagen, dass er selbst in seiner ganzen Popularität, in seinen unglaublichen Festival- und Kritikererfolgen nichts anderes sei als so ein Fieberschub. Ein blosser Hype. Kann sein. Ruhig ist er zum ersten Mal in «Hello» geworden. Und diese Ruhe hat alle Rekorde gebrochen.

(sme)

Ab 4. Februar zeigt das Zürcher Kino Xenix eine Xavier-Dolan-Retrospektive.

Filme von und mit Xavier Dolan

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • lichtler 01.02.2016 19:50
    Highlight Highlight Es ist ja ganz klar, der Film wurde geschaut, weil die Menschen das Lied hören wollen und das gibts bei YouTube... gratis
    • Tom Garret 01.02.2016 21:05
      Highlight Highlight Haha war genau mein Gedanke :-) Keine Ahnung wie man nun denken dann dass der Video Clip so unglaublich sei dass ihn die Leute Tausendfach anSCHAUEN. Aber man kann das natürlich schon herein interpretieren wenn man will, macht aber wohl nur wer noch nicht mitbekommen hat wie heute viele junge Musik konsumieren...
  • Big ol'joe 01.02.2016 18:36
    Highlight Highlight Oh ja, dolans Filme sind sehr kitschig. Nur schon der Regen im Musikvideo... Glaube ich, kommt in jedem Film vor 😅
    Aber wunderbare Filme, empfehle sie sehr. Mommy und Lawrence Anyways sind meine Liebsten. Aber auch die anderen... Ein grosses Talent!
    Was mich aber im Musikvideo stört, sind die Hintergrundgeräusche und dass der Mann immer spricht. So kann man die Musik nicht komplett geniessen. Aber vom
    filmischen her, nun ja... Kitschig ;)
  • ramonke 01.02.2016 18:18
    Highlight Highlight es tut mir leid das sagen zu müssen aber es liegt doch nicht am regisseur dass das video schon mehr als 1 mia mal geschaut wurde. Die videos von justin bieber werden auch hunderte millionen mal geklickt und die sind jetzt nicht gerade hohe klasse. Das alles liegt doch bloss an dem extremen hype um adele. komischer artikel...
    • Simone M. 01.02.2016 18:20
      Highlight Highlight Gar nicht komisch, trickreich ... ;-)
  • Simon 01.02.2016 18:05
    Highlight Highlight Ich hab bisher Tom à la Ferme und Mommy gesehen. Kann beide sehr empfehlen!

Wusstet ihr eigentlich, dass Freddie Mercury so ein richtiger Katzen-Fan war?

«Rock's greatest lover of cats» – so bezeichnete sich der Queen-Frontmann selbst. Das dürfte so zutreffen, denn laut seinem Lebenspartner Jim Hutton behandelte Freddie «seine Katzen wie seine eigenen Kinder».

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