Wirtschaft
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Was, wenn es zwei Internets gäbe?

China schottet sich zunehmend vom westlichen Internet ab und stellt eine Alternative auf die Beine. Andere Länder wie Russland und die Türkei folgen dem Beispiel.



Google Executive Chairman Eric Schmidt attends a meeting about the

Warnt vor einer Balkanisierung des Internets: Eric Schmidt, Ex-CEO von Google. Bild: AP/AP

In der Theorie ist das Internet ein Kommunikationsnetz, das die ganze Welt überzieht und allen Menschen erlaubt, Grenzen überschreitend miteinander in Kontakt zu kommen. In der Praxis ist eine ganz andere Entwicklung zu beobachten. Constanze Kurz und Frank Rieger beschreiben sie in ihrem Buch «Cyberwar» wie folgt:

«Insbesondere China hat sich weitgehend gegen ausländische Einflussoperationen immunisiert. Grosse Teile der westlichen Medien sind in der Volksrepublik blockiert, die westlichen Social-Media-Dienste sind faktisch ausgesperrt. Stattdessen hat die chinesische Regierung einheimische, äquivalente oder sogar technisch überlegene Systeme gefördert, (…). Russland verfolgt eine ähnliche Strategie, indem durch staatliche Regulierung lokale Anbieter gefördert werden.»

Die Stars des Silicon Valley, Google, Facebook & Co., werden zunehmend als neue Imperialisten betrachtet. Länder wie die Türkei versuchen deshalb, sie mit Zensursystemen abzublocken. «Aus Sicht der Strategen im Westen ist eine ungünstige asymmetrische Situation entstanden, in der Länder wie Russland die offenen und zugänglichen Netze im Westen für ihre Manipulation nutzen können, während sie selbst gegen solche Operationen westlicher Staaten relativ immun sind», stellen Kurz/Rieger fest.

Der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt ist überzeugt, dass diese Entwicklung erst der Anfang eines historischen Bruchs sei. An einem privaten Anlass im Silicon Valley erklärte er kürzlich: «Ich denke, die wahrscheinlichste Entwicklung der nächsten zehn bis 15 Jahre wird sein, dass sich das Internet nicht aufsplittert, sondern dass es eine Zweiteilung geben wird. Ich gehe davon aus, dass wir fantastische Produkte und Dienstleistungen aus China sehen werden.»

Dressed in People's Liberation Army uniform, Deng Xiaoping, left, chairman of Chinese Military Commission, salutes as he reviews military parade with General-Secretary Hu Yaobang in this photo taken in September 1981. Deng, China's paramount leader, died Wednesday, February 19, 1997, the Chinese government announced. He was 92. (AP Photo/Xinhua News Agency)

Der Vater des chinesischen Wirtschaftswunders: Deng Xiaoping (links) in Militäruniform. Bild: AP XINHUA NEWS AGENCY VIA KYODO

Als China nach dem Tod von Mao Zedong begann, seine Wirtschaft zu modernisieren und in die Weltwirtschaft zu integrieren, folgte es jahrzehntelang dem Rat des legendären Reformers Deng Xiaoping: «Behalte einen kühlen Kopf und deine unauffällige Art. Ergreife niemals die Führung – aber strebe danach, etwas Grosses zu erreichen.»

Unter dem Präsidenten Xi Jinping hat sich in Peking ein ganz anderes Selbstbewusstsein entwickelt. China ist überzeugt, bereits Grosses erreicht zu haben, und sieht sich wieder auf Augenhöhe zum Westen; eine Rolle übrigens, die das Reich der Mitte während Jahrtausenden gespielt hat. Präsident Xi hat denn auch die «Belt and Road»-Initiative lanciert, ein aufwändiges Entwicklungsprojekt, welches Asien, Afrika und Europa an China binden soll.

«Ich gehe davon aus, dass wir fantastische Produkte und Dienstleistungen aus China sehen werden.»

Eric Schmidt

Das Internet spielt dabei eine zentrale Rolle. Was die Technologie betrifft, braucht sich China dabei nicht zu verstecken. Es hat nicht nur das Ziel, die führende Tech-Nation der Welt zu werden, es hat auch die Mittel dazu: Die Suchmaschine Baidu kann mit Google, Alibaba und Tencent können mit Amazon und Facebook mithalten.

Als bekannt wurde, dass die chinesische Regierung die Accounts von Dissidenten gehackt hatte, zog sich Google 2010 aus China zurück. Co-Gründer Sergey Brin erklärte damals: «Es gibt einen Punkt, an dem man sagen muss: Das geht über das hinaus, womit wir leben können und wo man aus moralischen Gründen Grenzen ziehen muss.»

epa04344005 (FILE) A file still image made from a video, believed to have been made on 9th October and released by Wikileaks 12 October 2013 showing fugitive National Security Agency systems analyst Edward Snowden speaking at a dinner in Moscow. Media reports on 07 August 2014 state that  Russia has extended the residence permit of former US intelligence contractor Edward Snowden by three years, his lawyer Anatoly Kucherena said.  EPA/WIKILEAKS / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Hat die Machenschaften der US-Geheimdienste aufgedeckt: Edward Snowden. Bild: EPA/WIKILEAKS

Inzwischen können sich die USA die moralische Überlegenheit abschminken. Die Enthüllungen von Edward Snowden haben aufgedeckt, dass auch die amerikanischen Geheimdienste vor nichts zurückschrecken. Dass Präsident Donald Trump am besten mit Diktatoren kann, zeigt sein Verhalten in der Affäre Khashoggi einmal mehr.

Das Internet als freies Kommunikationsnetz für freie Menschen wird somit zu einer Illusion. «Gehen die Dinge so weiter», stellt die «New York Times» in einem redaktionellen Kommentar resigniert fest, «dann könnte das Internet in den nächsten zehn Jahren bloss eine neue Front in einem neuen Kalten Krieg sein.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • kafifertig 19.10.2018 17:24
    Highlight Highlight Es gab schon immer verschiedene Internets, z. B. all die firmeneigenen Intranets.
    Das Internet war nie konzipiert als Zweiwegmassenmedium für Staatssubjekte. Der Ursprung des Internets liegt im Wunsch nach einer atombombensicheren Kommunikationstechnik.
    Diese Technik sickerte dann vom Militär in die amerikanischen Universitäten und von da zu allen Staatssubjekten.
    Aber was stets verdrängt wurde: Die Technik und die Verwaltung des Internets sind zwar flexibel, aber dennoch streng hierarchisch organisiert.
    Die Möglichkeit der Kontrolle des Internetzuganges von Staatssubjekten war immer schon da.
    • aglio e olio 19.10.2018 19:41
      Highlight Highlight Inwiefern atombombensicher?
      Würde ein elektromagnetischer Impuls einer nuklearen Explosion nicht auch die notwendige Infrastruktur zerstören?
  • Das isch doch dä Gipfel. 19.10.2018 15:49
    Highlight Highlight Es gibt bereits heute ein Mehrklassen Internet.
    Mit wenig mehr know how als 0815 kann man problemlos mit der ganzen Welt über das Internet kommunizieren. Natürlich nicht mit Mainstream Plattformen und Apps wie bestimmte eMail Dienste, Google, Facebook oder Whatsapp. Ich will ja meinen Draht nach China konstant und permanent wie gewisse andere Firmen und Institutionen auch. 😊
  • ströfzgi 19.10.2018 15:00
    Highlight Highlight 2 Internet. Eins für due Guten und eins für die Andern.
  • MaskedGaijin 19.10.2018 14:40
    Highlight Highlight Neuland.
  • yey 19.10.2018 14:29
    Highlight Highlight Wie Internet - ich dachte wir gehen jetzt alle zu MSN?
    Play Icon
  • Xonco 19.10.2018 13:25
    Highlight Highlight Roadto10 Kommentare für Herzquotient.
  • Wilhelm Dingo 19.10.2018 10:48
    Highlight Highlight Wir haben längst verschiedene Internets. Jedes Land handhabt gezielte Netzsperren individuell. Die einen wie China oder die Türkei sperren sehr viel, andere weniger.
  • Iltis 19.10.2018 10:43
    Highlight Highlight Das tragische ist: Die Amis könnens, die Russen könnens, die Chinesen sowieso...... Nur wir nicht.
  • Sebastian Wendelspiess 19.10.2018 10:38
    Highlight Highlight Könnte man das Darknet nicht bereits als 2. Internet bezeichnen?
    • Ehrenmann 19.10.2018 15:24
      Highlight Highlight Das habe ich mir gedacht, aber ich würde es lieber als GhettoInternet bezeichnen. Bisschen cooler hört sich das ja schon an.
  • Slavoj Žižek 19.10.2018 10:32
    Highlight Highlight Naja, Google hat seine Moralvorstellungen offenbar über Bord geworfen und ist in China wieder Aktiv (Stichwort Dragonfly).

    Varoufakis meint übrigens das wir uns von den Chinesen eine Scheibe abschneiden könnten, was die Abschottung der Tech Companys angeht um europäische alternativen zu schaffen.
    Play Icon
  • Baby Whale 19.10.2018 10:15
    Highlight Highlight Da sag ich nur blockchain! Und die Hater sollen jetzt blitzen wir sehen uns in 5 jahren wieder!
    • p4trick 19.10.2018 10:55
      Highlight Highlight Dann erzählt doch mal wie ihr mit Blockchain ein Internet realisieren wollt und wieso Blockchain?
      "If the answer is Blockchain, the question was stupid."
    • aglio e olio 19.10.2018 11:09
      Highlight Highlight "ims minus gehen kann mit dem herzquotient !"
      Nur wenn du eine negative Anzahl Herzen mitbringst ;)
    • garuere darez 19.10.2018 12:05
      Highlight Highlight Weil Blockchain dezentral und kaum staatlich beeinträchtigt werden kann. (Provider, etc.) Es ist wie skynet, wenn es mal läuft kann nur ein globaler stromauschluss das System auf die knie zwingen. Blockchain ist eine Digitale Revolution. Früher ging man in Protestmärschen mit Heugabel auf die Strasse, heutzutage wird hinter dem Computer protestiert. Es ist das beste oder das schlimmste was auf die Menschen zukommt. Und es kommt und es ist grösser und mächtiger als alles was die digitale Welt zuvor gesehen hat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Normi 19.10.2018 10:01
    Highlight Highlight Einen Beitrag zu dem leist die Silicon Wally Leute selber, in dem sie politische Meinungen Sperren die ihnen nicht passen....
  • c-bra 19.10.2018 09:32
    Highlight Highlight Eine Frage bleibt,

    muss ich dann beim watson Picdump zweimal #erster schreiben?

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