Wirtschaft
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Neues Memo im Credit-Suisse-Thriller: So lief die Beschattung laut dem Detektivbüro ab

Die Credit Suisse soll für die Beschattung eine Klein-Detektei aus Otelfingen beauftragt haben, wie aus einem Memo hervorgeht. Der Wettbewerb bei der Grossbank ist gestartet: Welcher Beteiligte kommt am wenigsten schlecht aus der Affäre heraus?

Niklaus Vontobel / ch media



Die Beschattungsaffäre um das angebliche Banking-Wunderkind Iqbal Khan ist in vollem Gange. Nun ist quasi ein Wettbewerb unter den Beteiligten ausgebrochen: Wer kommt am besten aus dieser Affäre raus? Oder besser gesagt: Wer kommt am wenigsten schlecht aus der Affäre heraus? Denn eine gute Figur gibt keiner der Beteiligten in dieser Affäre, in der viele Angaben noch nicht gesichert sind, ab.

Zuletzt wurde nun ein Detektiv-Büro in die Affäre reingezogen – und versucht mit einem Report seinen Ruf zu schützen, wie alle anderen Beteiligten auch. Am Wochenende ging der Thriller durch die Medien, die Stichworte dazu: drei Detektive, tätowierter Unterarm, dilettantisches Vorgehen, Versuch Khans Handy zu entwenden, Gerangel, Khan informiert Polizei, Detektive vorübergehend in Haft, nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Der Leiter der Internationalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse, Iqbal Khan, tritt per sofort ab.

Iqbal Khan: Der Star-Banker soll von seinem ehemaligen Arbeitgeber beschattet worden sein.

Zunächst blieb das Detektivbüro unbekannt. Nun ist eine Information durchgesickert. Eine «mit den Umständen vertraute Person» hat der NZZ mitgeteilt: Eine Detektei aus Otelfingen im Kanton Zürich mit Namen Investigo soll mit der Beschattung von Khan beauftragt worden sein. Die Besitzer der Datei heissen Cyrill und Swen van Altena und sind laut eigenen Angaben schon seit zwanzig Jahren im Sicherheitsgeschäft tätig. Normalerweise beschatten sie eher Sozialhilfeempfänger. Ihre Beschreibung brachte das Branchenportal „Inside Paradeplatz“ etwas brutal so auf den Punkt: «Mini-GmbH in Züri-Pampa».

Von dieser Investigo gelangte nun via «Inside Paradeplatz» ein «Memo» an die Öffentlichkeit. Investigo beschreibt darin ihre Sicht der Vorgänge. Es ist eine Art von Rechtfertigung, vermutlich erstellt für den Auftraggeber, die Grossbank Credit Suisse. In Abweichung der bisher kursierenden Darstellung hätten nicht drei Detektive die Beschattung von Khan ausgeführt. Nur ein Mitarbeiter sei allein im Auto gesessen. Der Mitarbeiter habe sich «gemäss Instruktion defensiv verhalten.»

[Symbolic Image, Staged Picture] A professional private detective of the detective agency investigo takes pictures from inside his car, pictured in Otelfingen, Canton of Zurich, Switzerland, on June 8, 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Credit Suisse soll eine Klein-Detektei aus Otelfingen für die Beschattung von Iqbal Khan beauftragt haben. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE

Defensiv heisst gemäss Memo: Der Detektiv reagiert passiv, Khan hingegen aktiv. Khan sei auf den Detektiv zugegangen, nachdem dieser aus dem Auto gestiegen war. Khan habe laut gerufen, mit den Händen gestikuliert, nach der Polizei gerufen. Der Detektiv habe sich abgewendet, sei davon gegangen. Khan sei ihm nachgegangen. (Im Memo wird er mit ZP bezeichnet, also Zielperson). Khan habe versucht, den Detektiv zu fotografieren. Dieser habe die Hand in Richtung Handy gehoben und gesagt, er möchte nicht fotografiert werden, und sei weitergegangen. Khan habe ihn noch eine kurze Zeit «verfolgt» und dann von «ihm abgelassen».

Beschattung im Kuschelmodus?

«Verfolgt» und «von ihm abgelassen»: Die Wortwahl gibt die Botschaft mit: Khan war der Täter, der Detektiv mehr das Opfer. Die Detektive rechtfertigen ihr Verhalten. Und im Memo eingebaut ist noch ein Satz, der für die Credit Suisse als mutmasslichen Auftraggeber wichtig ist: Der Mitarbeiter hat sich «gemäss Instruktion defensiv verhalten.» Übersetzung: Mafia-Methoden waren das nicht, alles war schön «passiv». Und im nächsten Absatz wird im Detail beschrieben, was «passiv» genau bedeuten soll.

Man habe «tagsüber» zu überwachen, nicht am Wochenende. Man dürfe keine strafrechtlich relevanten Handlungen begehen, wie zum Beispiel Hausfriedensbruch. Man solle nicht gegen das Strassenverkehrsgesetz verstossen, man solle immer grossen Abstand halten zu Khan, nicht zu nahe kommen. Quasi eine Beschattung im Kuschelmodus. Was wollte man damit erreichen? Auch das wird fein säuberlich beschrieben: Man sollte herausfinden, was Khan macht, mit wem er sich trifft, man solle versuchen, seine Kontaktpersonen zu identifizieren.

Die Detektei Investigo steht natürlich unter Druck. Von Berufskollegen wird ihr Vorgehen als «dilettantisch» kritisiert. Immer unter der Voraussetzung, dass es sich zugetragen hatte wie in der ursprünglichen Version. Nun stehen zwei Versionen im Raum. Die Credit Suisse hatte gestern in einer internen Mitteilung die bisherige Darstellung als «sensationsgetrieben» kritisiert. Die Vorgänge und Fakten würden nicht akkurat beschrieben. Später kündigte die Grossbank an, man leite eine Untersuchung an, um die genauen Fakten zu ermitteln.

CS-Chef Thiam unter Druck

Auch nicht gut weg kommt in dieser Affäre bislang Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam. Er wird in der bisherigen Berichterstattung immer wieder verdächtigt, er habe Khan beschatten lassen. Parallel kursieren Informationen, wonach Thiam sich nicht um die Gepflogenheiten in der Schweiz und am hiesigen Finanzplatz schere. Zum Beispiel wird in der NZZ angeprangert, es herrsche eine «Kultur der uneingeschränkten Loyalität zu Thiam». Er führe die Bank mit einem kleinen Team von Getreuen, die ihm schon auf seinen früheren Stationen «ergeben dienten».

Damit wird Thiam zu einem Sündenbock für die Affäre gemacht. Diese Deutung der Beschattungsaffäre folgt einem bekannten Muster: Wann immer irgendwo in einem Schweizer Konzern ein Ausländer zum Chef wird, ist der gleiche Vorwurf sehr nahe. Der Amerikaner, die Deutschen oder die wie auch immer würden die Kontrolle an sich reissen, die Schweizer im Konzern würden an die Seite gedrückt. So oder so wird Thiams Position durch die Khan-Affäre geschwächt. Und damit die Ambition, die ihm nachgesagt wird: er wolle Urs Rohner als Präsident beerben.

Tidjane Thiam, CEO of Swiss bank Credit Suisse, speaks during a press conference in Zurich, Switzerland, Wednesday, October 21, 2015. Credit Suisse CEO Tidjane Thiam hinted at a wave of job cuts at the Swiss bank, after unveiling disappointing third-quarter profits and informs about various measures to slash spiralling costs. (KEYSTONE/Walter Bieri)

CS-Chef Tidjane Thiam: Was war seine Rolle im Überwachungsskandal? Bild: KEYSTONE

Urs Rohner wird als Verwaltungsratspräsident ebenfalls in die Affäre hineingezogen. Auch er muss schauen, möglichst unbeschadet wieder rauszukommen. Das wird nicht einfach. Wenn Thiam tatsächlich den Auftrag zur Beschattung gegeben haben sollte, sieht es schlecht aus für ihn: Er ist der Mann, der Thiam zum Chef gemacht hat. Dafür lobte er sich wiederholt selber. Wenn Thiam nichts damit zu tun hatte, wenn sich kein klarer Sündenbock findet, kein Verantwortlicher, dann sieht es kaum besser aus: Wie konnte es unter der Aufsicht von Rohner zu einem solchen Auftrag kommen? Wer übernimmt dafür die Verantwortung?

Rohner versucht nun, sich ins rechte Licht zu rücken. Er will in dem grossen Beschattungs-Drama die Rolle des grossen Aufräumers übernehmen. Der Verwaltungsrat habe sich entschieden, eine Untersuchung der Vorfälle einzuleiten, stand gestern in einer Medienmitteilung der Credit Suisse. Die mit der Untersuchung beauftragten Personen würden «direkt» an den Verwaltungsratspräsidenten rapportieren. Übersetzung: Nun übernimmt Rohner den Fall. Rohner wird für Klarheit sorgen.

Khan kam in dieser Affäre bisher die Rolle des Opfers zu. Das Banken-Wunderkind. Sein Wechsel zur Grossbank UBS ist für seinen ehemaligen Arbeitgeber dermassen wichtig, dass zu einer Überwachung gegriffen wird. Aber Khans Position ist verletzlich. Wie allen anderen Beteiligten wird er in den gleichen Wettbewerb hineingezogen: Wer kommt möglichst unbeschadet aus dieser Affäre? Das heisst: Die andere Beteiligten können nur gewinnen, wenn der Ruf von Khan leidet. Also werden noch mehr Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Das Memo aus der Züri-Pampa war wohl erst der Anfang. (mim/bzbasel.ch)

Die CS-Chefs

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    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 25.09.2019 10:34
    Highlight Highlight Die CS, ehedem Schweizerische Kreditanstalt, sorgte schon immer gerne für die Unterhaltung des gemeinen Volkes.
  • reactor 25.09.2019 09:23
    Highlight Highlight Beste Unterhaltung 😀
  • Beat_ 25.09.2019 09:20
    Highlight Highlight eigentlich ist mir ziemlich egal, wie die Banker sich gegenseitig beschatten und verunglimpfen.
    Traurig finde ich hingegen, dass solche Methoden gegen unbescholtene Bürger am anderen Rand der Gesellschaft salonfähig wurden (neues Gesetz bezüglich ueberwachung von Sozialhilfeempfängern) und kaum in den Medien landen.
  • PlayaGua 25.09.2019 08:58
    Highlight Highlight Lest den Artikel im Tages-Anzeiger über die Hintergründe des Streits zwischen Thiam und Khan. Sehr interessant und es wird vieles klar.
  • In vino veritas 25.09.2019 08:49
    Highlight Highlight Solche Mafia Methoden gehen vielleicht an der Elfenbeinküste, aber nicht in der Schweiz. Tidjane Thiam sollte die grösse haben und zurück zu treten. Natürlich ist es möglichst zu verhindern, dass Mitarbeiter abgeworben werden. Aber das lässt sich nicht verhindern. Und wenn selbst der CEO zu solchen Methoden greift, würde ich auch abspringen, bevor es aus dem Ruder läuft.
  • Astrogator 25.09.2019 08:19
    Highlight Highlight "Der Amerikaner, die Deutschen oder die wie auch immer würden die Kontrolle an sich reissen, die Schweizer im Konzern würden an die Seite gedrückt."
    Der Finanzplatz Zürich ist in SVP-Hand, schön zu sehen in den Kommentaren von Inside Paradeplatz wo man Thiam gerne als" maximal pigmentierten" bezeichnet. Wer die Kommentare in 20 Minuten und Blick primitiv findet, kennt Inside Paradeplatz nicht. Und selbstverständlich wurde Thiam nur wegen der Mitgliedschaft in einer französischen "Geheimloge" CEO der CS.
  • Trashbag 25.09.2019 08:00
    Highlight Highlight Hätten mal besser die Trovatos engagiert. Mit denen wär sowas nie passiert!
  • namib 25.09.2019 07:59
    Highlight Highlight Wenn ich mir die Aktienkursentwicklung bei CS und UBS anschaue, dann würde ich meinen, all die Herren hätten Wichtigeres zu tun! Bei allem Respekt: Die Credit Suisse Aktie handelt auf dem Niveau von 1990, bei UBS sieht‘s nicht viel besser aus. Gestiegen sind seither nur Gehälter und Boni der ach so wichtigen Manager. Wenn einzelne Akteure so einflussreich und wichtig wären, dass man sie beschatten muss, dann müsste sich doch der Erfolg auch irgendwie im Aktienkurs niederschlagen🤔
  • Eight5 25.09.2019 07:57
    Highlight Highlight "Die Credit Suisse soll für die Beschattung eine Klein-Detektei aus Otelfingen beauftragt haben, wie aus einem Memo hervorgeht."

    Mir reicht das bereits um kein Kunde dieses Vereins (CS) zu sein. Ich hoffe dass alle die involviert waren, per sofort entlassen werden, CEO inkl. Das geht einfach nicht. Zur Konkurrenz wechseln ist vielleicht nicht die feine Art, aber er ist nun mal Profibanker, kann ja nicht von heute auf Morgen Spitzenbäcker oder Maurer werden 🤷🏻‍♂️
  • ain hasardeur 25.09.2019 07:33
    Highlight Highlight Jetzt steht Behauptung gegen Behauptung.

    Die Anwälte werden in Stellung gebracht.

    Spielstand UBS : CS? Noch 0 zu 0. Wie lange noch?
  • N. Y. P. 25.09.2019 07:24
    Highlight Highlight @Klein-Detektei aus Otelfingen

    Was seid ihr bloss für Anfänger. Null Ahnung vor gar nichts. Ihr wollt euren Ruf retten ? Ernsthaft ?

    @CS

    Echt jetzt ? Eine Klein-Detektei aus Otelfingen ?
    War vorgesehen, dass die ganze Sache auffliegt ?
    • Kong 26.09.2019 23:17
      Highlight Highlight wäre spannend zu wissen wie der Sicherheitschef diese Firma ausgelesen hat... vermutlich Weggefährten, das wäre naheliegend...
  • DerSeher 25.09.2019 06:58
    Highlight Highlight Kindergarten mimimi in beide Richtungen auf höchstem Banken Niveau... Beruhigend mol... :/
  • pamayer 25.09.2019 06:53
    Highlight Highlight Wenn Banker etwas Sherlock Holmes spielen...

    Blutige Dilettanten.
  • WhatsOnNow 25.09.2019 06:24
    Highlight Highlight Schlauer Fuchs dieser Khan, er merkt, dass er beschattet wird, kann eigentlichts nichts tun, ausser er schafft es den Detektiv als Täter zu belasten. Also geht er auf ihn zu, wirft ihm vor er habe ihn angegriffen, oder das Handy versucht zu entwenden und schon kann er die Polizei für sich einsetzen: super Schlau
    • Oigen 25.09.2019 07:29
      Highlight Highlight eher dilettantisch vom "dedektiv".
      wenn du von deiner Zielperson auf offener strasse endeckt wirst, hast du wohl verkackt
    • Johnny Marroni 25.09.2019 07:58
      Highlight Highlight Wieso ist das für dich die richtige Version?
    • bebby 25.09.2019 09:27
      Highlight Highlight Beschattung ist in der Schweiz sehr schnell illegal, von dem her müsste sich die Polizei eh für ihn einsetzen.
      Es ist aber äusserst ungeschickt, überhaupt das Reputationsrisiko einzugehen, ausser man hat eh keine Reputation mehr.

Das Gerede vom «Starbanker» Khan täuscht über die Banken-Realität hinweg

Von wegen Rockstars: Der Glanz der Schweizer Paradeplatz-Banker ist verblasst, die Banken sind bloss noch so wichtig wie die vermeintlich biederen Versicherungen.

Die Saga um Iqbal Khan zeigte vermeintliche Starbanker winzig klein und bieder. Man ärgert sich über Baulärm, streitet sich über Hecken und Bäume, gerät an Parties aneinander. Kleinliche Gezänk zwischen Nachbarn, wie es überall vorkommt. Nur stritten sich hier die Einkommensmillionäre Tidjane Thiam und Iqbal Khan an der Zürcher Goldküste.

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