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Sonderermittler Robert Mueller und der gefeuerte FBI-Chef James Comey.
Sonderermittler Robert Mueller und der gefeuerte FBI-Chef James Comey.Bild: Susan Walsh/AP/KEYSTONE

Comeys Rache

Sonderermittler und Minicrash an den Börsen: Trump hat mit der Entlassung des FBI-Direktors einen grossen Fehler begangen – vielleicht einen tödlichen.
18.05.2017, 12:2719.05.2017, 05:42

Der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein musste einen Sonderermittler einsetzen – gegen den Willen der Republikaner. Die Aktienkurse sinken rund um Globus – ein erstes Zeichen, dass die Anleger das Vertrauen in den Präsidenten zu verlieren beginnen. All dies hat sich Donald selbst eingebrockt, mit einer überflüssigen und stümperhaft ausgeführten Entlassung von FBI-Direktor James Comey.  

Gefeuert und verleumdet

Trump hat Comey nicht nur gefeuert, er hat ihn zusätzlich noch beleidigt und verleumdet. Er sei ein Wichtigtuer gewesen und habe einen schlechten Job gemacht, erklärte der Präsident in einem TV-Interview und tönte dabei auch an, dass ihm Comeys Eifer in der Russland-Affäre mächtig auf den Geist gegangen sei.  

Der ehemalige Sicherheitsberater Michael Flynn muss wohl bald seine Karten auf den Tisch legen.
Der ehemalige Sicherheitsberater Michael Flynn muss wohl bald seine Karten auf den Tisch legen.Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE

Dümmer hätte Trump nicht vorgehen können. Er hat Comey geradezu zur Rache aufgestachelt, und der liess sich nicht zweimal bitten. Ein paar Tage nach seiner Entlassung hat die «New York Times» enthüllt, dass der Präsident den FBI-Direktor offenbar gedrängt hat, die Untersuchung gegen den ehemaligen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen.  

Das war der berühmte Tropf, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Der stellvertretende Justizminister Rosenstein – Jeff Sessions, sein Chef, musste in dieser Sache in den Ausstand treten – konnte gar nicht mehr anders, als einen Sonderermittler zu berufen.  

Trump als afrikanischer Diktator.
Trump als afrikanischer Diktator.

Damit hat er Trump in arge Nöte gebracht. Das Weisse Haus wird nun über längere Zeit in der Defensive und nicht mehr in der Lage sein, seine Wahlversprechen einzulösen. Es ist damit unwahrscheinlich geworden, dass die geplante Steuerreform in absehbarer Zeit abgewickelt werden kann.  

Ben Bernanke: Angst vor Crash

Das wiederum lässt nun auch die Anleger nervös werden. Weltweit brachen die Kurse an den Aktienbörsen ein, der Dow Jones verlor rund 300 Punkte. Es scheint sich um keinen einmaligen Ausrutscher zu handeln. Der Abwärtstrend setzt sich fort. Dass sich Ben Bernanke, der angesehene ehemalige Präsident der US-Notenbank, öffentlich Sorgen um die Stabilität der Trump-Regierung macht, ist nicht unbedingt förderlich für das Vertrauen der Investoren.  

Die US-Politik ist so zu einem Duell zwischen Trump und Comey geworden, zumindest für die nächste Zeit. Es sind zwei völlig verschiedene Charaktere. Trump ist ein zwielichtiger Geschäftsmann mit der Gesinnung eines Mafioso. Das ist kein Wunder: Sein wichtigster Lehrmeister war Roy Cohn, ein Anwalt, der einst für den Kommunistenfresser Joe McCarthy gearbeitet und später viele Mobster vor Gericht verteidigt hat.  

Der Anwalt der Mafia

Trump hat Cohn bewundert, weil dieser es immer wieder fertig gebracht hat, seinen Kopf auch in den heikelsten Situationen aus der Schlinge zu ziehen. Cohn ist rücksichtslos und abgezockt, lügt, dass sich die Balken biegen und ist stolz darauf.  

Roy Cohn (rechts) mit dem Kommunistenjäger Joe McCarthy.
Roy Cohn (rechts) mit dem Kommunistenjäger Joe McCarthy.Bild: AP

«Trump hat sehr schnell begriffen, was Cohn ihn gelehrt hat, und hat die Lektionen auch umgesetzt», schreibt der «New Yorker». «Als Geschäftsmann hat er sich als Betrüger einen Namen geschaffen; er wurde von der New Yorker Business-Gemeinschaft nicht wegen seiner grotesken Prahlereien verachtet, sondern wegen seiner Unehrlichkeit und seines miesen Charakters.»  

Der Pfadfinder

James Comey ist das pure Gegenteil. Er gilt als integer und gesetzestreu bis zur Pingeligkeit. Zudem war er äusserst stolz auf sein fachliches Knowhow und seine Loyalität gegenüber dem FBI. Spötter vergleichen ihn deshalb gerne mit einem etwas gross geratenen Pfadfinder. Die plumpen Schmeicheleien des Präsidenten und dessen schmierigen Anspielungen in der Sache Flynn müssen ihm geradezu körperlich zuwider gewesen sein.

Nur gegenüber dem FBI loyal: James Comey.
Nur gegenüber dem FBI loyal: James Comey.Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE

Nicht nur die Investoren, auch die Republikaner sind von Comeys Rache auf dem falschen Fuss erwischt worden. Die Grand Old Party (GOP) befindet sich in der Zwickmühle: Trump hat mit seinem überraschenden Wahlsieg der Partei einen grossen Dienst erwiesen. Zudem ist er bei der Parteibasis nach wie vor sehr beliebt. Doch selbst innerhalb der GOP greift die Erkenntnis um sich, dass Trump als Präsident nicht mehr tragbar ist.  

Das Imperium schlägt zurück

Bisher stellen sich die beiden Vorsitzenden, Paul Ryan im Abgeordnetenhaus und Mitch McConnell im Senat, jedoch hinter ihren Präsidenten. Sie können gar nicht anders. Ein Impeachment würde die GOP zerreissen. Zudem hoffen sie immer noch, die angekündigte Steuerreform über die Bühne bringen zu können.  

Verteidigt Trump durch dick und dünn: Sean Hannity.  Video: YouTube/Lisette Sanborn

Mit der Einsetzung eines Sonderermittlers ist Trump angeschlagen, aber noch keineswegs erledigt. Auch seine Anhänger machen mobil. Ob Fox News oder Breitbart, ob Alex Jones oder Drudge-Report: Sie schiessen aus allen Rohren gegen die Trump-hassenden, Fake News verbreitenden Mainstream-Medien. Sie klagen den sogenannten Deep State – Verwaltung, Gerichte und Geheimdienste – an, eine Verschwörung gegen den Präsidenten anzuzetteln; und sie wettern auch gegen das Establishment der GOP, die Never Trumper, weil sie ebenfalls heimlich den Sturz ihres Idols planen würden.  

Der Präsident selbst schlägt ebenfalls zurück, wie gewohnt mit einer Mischung aus Weinerlichkeit und Demagogie: «Kopf runter und kämpfen, kämpfen, kämpfen», rief er vor Teilnehmern der Coast Guard Academy aus. «Seht nur, wie man mit mir umgeht, vor allem in den Medien. Kein Politiker ist je schlechter und unfairer behandelt worden als ich.»

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66 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruno S.1988
18.05.2017 13:57registriert Juli 2016
An alle die sich beschweren dass Watson zu viele Artikel über Trump bringen.
1. Sie werden häufig angeklickt und gelesen = Nachfrage nach solchen Artikeln ist da.
2. Sie haben doch nichts dafür wenn Trump praktisch täglich für Breaking News sorgt.
3. Ich geniesse jeden Artikel über diesen Volltrottel!
4. Was erwartet ihr wenn ein Reality-Star zum Präsidenten gewählt wird? War doch klar dass er für Unterhaltung sorgt!
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Doradal
18.05.2017 14:10registriert März 2015
Ach Watson und Herr Löpfe

Ihr schreit ja förmlich danach als Medium nicht ernst genommen zu werden. Obwohl die Kritik auf jeden Fall gerechtfertigt ist, hat doch so ein Bild mit Trump als afrikanischem Diktator nichts in einem solchen Artikel verloren. Wo ist da die Relevanz? Zudem in der Push-Benachrichtigung (nebenbei: Ist dieser Artikel wirklich BREAKING-News?) noch von einem "tödlichen" Fehler zu schreiben grenzt an Fake News. Trump könnte seines Amtes enthoben werden, vielleicht zu Recht, aber das hat nichts mit Tod zu tun. Gebt euch mehr Mühe weniger Boulevard zu sein.
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Thinkdeeper
18.05.2017 12:55registriert März 2016
Wundert dies alles jemanden?
Wer korrupte Geschäftsleute in solche Positionen wählt ist selber schuld.

Mit dirty business, making money and "the winner take it all" zelebrieren löst man keine gesellschaftliche Probleme, sonder man macht diese erst.

Wenn president elected der Präsident aller wäre hätte er schon lange ein Bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt.
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