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Will Trump vor die Ethik-Kommission zerren: Senatorin Kirsten Gillibrand.
Will Trump vor die Ethik-Kommission zerren: Senatorin Kirsten Gillibrand.
Bild: AP/AP

Nicht die Russen, sondern die Frauen werden Trump zu Fall bringen

Die Niederlage von Roy Moore in Alabama ist die Rache der Frauen an den bigotten Machos im Trump-Lager – und das ist erst der Anfang.
13.12.2017, 15:1014.12.2017, 10:04

Grundsätzlich ist das «Wall Street Journal» Donald Trump wohlgesinnt. Doch nach der peinlichen Niederlage des republikanischen Kandidaten Roy Moore muss der Präsident nun Schelte einstecken. «Das Resultat der Wahlen zeigt, dass Tausende von Republikanern, speziell Frauen in den Vorstädten, entweder zuhause geblieben sind oder Mr. Jones (den Demokraten, Anm. d. Red.) gewählt haben», stellt das Blatt fest.  

«Frauen übernehmen die Kontrolle.»
Mary Anne Marsh

Moore war im Vorfeld der Wahl von mehreren Frauen beschuldigt worden, er habe sie sexuell belästigt, als sie noch minderjährig oder Teenager waren. Die Anschuldigungen waren so glaubwürdig, dass sich selbst die Führung der Grand Old Party (GOP) zunächst von Moore distanzierte.

Gescheitert: Möchtegern-Cowboy Roy Moore.
Gescheitert: Möchtegern-Cowboy Roy Moore.
Bild: EPA/EPA

Lisa Murkowski, republikanische Senatorin aus Alaska, erklärte gar: «Ich hoffe, die Menschen aus Alabama schicken Moore nicht nach Washington.»  

Nicht so Trump: Er rief öffentlich dazu auf, den wahrscheinlichen Kinderschänder zu wählen. Das mochten die Frauen von Alabama nicht mehr hinnehmen. Sie verweigerten Moore die Unterstützung und fügten der GOP die bisher schlimmste Niederlage in der Ära Trump bei.  

Späte Rache

Der Backlash der Frauen gegen Trump war schon vor Jahresfrist erwartet worden. Im Oktober 2016 wurde das legendäre Video «Access Hollywood» veröffentlicht. Darin brüstet sich Trump damit, den Frauen zwischen die Beine greifen zu dürfen, «weil er ein Star» sei.

«Wenn du ein Star bist...» Trump im legendären «Access-Hollywood»-Video.
«Wenn du ein Star bist...» Trump im legendären «Access-Hollywood»-Video.

Die Konversation zwischen ihm und dem TV-Moderator Billy Bush ist derart frauenverachtend, dass man sich nicht mehr vorstellen konnte, dass dieser Widerling auch nur eine weibliche Stimme erhalten würde. Eine Mehrheit der weissen Frauen wählte trotzdem Trump.  

Nun aber kommt die Rache der Frauen mit voller Wucht. Das ist kein Zufall. Wenn die US-Medien in den letzten Monaten nicht über die russische Einmischung in die Wahlen berichtet haben, dann befassten sie sich mit sexueller Belästigung. Ob TV-Moderator Bill O’Reilly, Filmproduzent Harvey Weinstein oder Senator Al Franken – alle mussten zurücktreten, weil Frauen sie öffentlich des «sexual harassment» beschuldigten.  

Strategischer Fehler von «Fox News»

«Fox News» beging dabei einen verhängnisvollen strategischen Fehler: Weil Weinstein als Linksliberaler gilt und Franken Demokrat ist, widmete der Trump-hörige TV-Sender diesem Thema speziell viel Sendezeit, wohl in der Hoffnung, auch die sexuellen Verfehlungen von Bill Clinton wieder in Erinnerung zu rufen. Die Clintons sind in der rechtskonservativen Szene zum Symbol für alles Böse auf dieser Welt geworden.  

Werfen Trump sexuelle Belästigung vor: Drei mutige Frauen.
Werfen Trump sexuelle Belästigung vor: Drei mutige Frauen.
Bild: AP/AP

Statt Clinton gerät jedoch nun Trump in Schwierigkeiten. Mehr als ein Dutzend Frauen haben ihre Anschuldigungen wiederholt, er habe sie sexuell belästigt. Kirsten Gillibrand, eine demokratische Senatorin aus New York, fordert deshalb, dass auch der Präsident bei der Ethik-Kommission des Kongresses vortraben müsse. Wie immer reagierte Trump dumm. Er beleidigte Gillibrand in einem Tweet und nannte sie eine Schlampe.  

Für die Republikaner wird Trumps Frauenproblem zu einer schweren politischen Hypothek. Die GOP ist zerstritten. Es gibt die Globalisten und die Nationalisten. Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon, der Anführer der Nationalisten, hat sich vehement für Roy Moore eingesetzt. Die republikanische Parteiführung hingegen hat sich in der Vorwahl für den Gegenkandidaten Luther Strange ausgesprochen. Trump hat sich auf die Seite von Strange gestellt, nach dessen Niederlage jedoch die Seite gewechselt.  

Zwei Loser: Steve Bannon (links) und Roy Moore.
Zwei Loser: Steve Bannon (links) und Roy Moore.
Bild: AP/AP

Bannon gilt nun zwar als «Loser», doch es ist damit zu rechnen, dass er seinen Kampf gegen das Parteiestablishment nicht nur fortführen, sondern sogar intensivieren wird. Wie wird sich Trump verhalten? Er sitzt nun zwischen Stuhl und Bank.

Die weibliche Flutwelle kommt

Zudem haben die Wahlen in Alabama wie zuvor in Virginia gezeigt, dass Trumps Unterstützung den republikanischen Kandidaten nichts nützt. Das könnte Auswirkungen für die Zwischenwahlen im kommenden November haben. Eine demokratische Mehrheit nicht nur im Senat, sondern auch im Abgeordnetenhaus ist realistisch geworden.  

Trump v Streep

Video: watson

Nicht nur als Wählerinnen werden Frauen eine zentrale Rolle spielen. Mary Anne Marsh, eine Beraterin der Demokraten, rechnet damit, dass sich Frauen massenhaft für einen Sitz in einem politischen Gremium bewerben werden. «Frauen übernehmen die Kontrolle», sagt Marsh in der «Washington Post». «Hält dieser Trend an, werden wir 2018 eine weibliche Flutwelle erleben.»

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