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Machos unter sich: Putin und Trump an G20-Gipfel.
Machos unter sich: Putin und Trump an G20-Gipfel.Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Die Männerfreundschaft zwischen Trump und Putin bleibt verklemmt

Erneut ist  der US-Präsident daran gescheitert, die Bromance mit Wladimir Putin wiederzubeleben – am eigenen Sohn und am Widerstand der eigenen Partei
10.07.2017, 15:22

Es sei «Zeit, vorwärts zu blicken», liess Donald Trump am Sonntag verlauten. Einmal mehr wollte der US-Präsident die leidige Russland-Affäre aus dem Weg räumen. Aus seiner Sicht war das Treffen mit Wladimir Putin ein voller Erfolg gewesen. «Die Chemie zwischen den beiden war äusserst positiv», schwärmte denn auch US-Aussenminister Rex Tillerson, der wie sein russischer Amtskollege Sergei Lawrow beim Treffen dabei sein durfte.  

Donald Trump jr: Was wollte er von der russischen Anwältin?
Donald Trump jr: Was wollte er von der russischen Anwältin?Bild: Matt York/AP/KEYSTONE

Die Bromance zwischen Trump und Putin will jedoch nicht so richtig in Fahrt kommen, denn in den USA ist die Russland-Affäre noch längst nicht ausgestanden. So hat die «New York Times» enthüllt, dass Trumps ältester Sohn Donald Jr. sich mit einer hochkarätigen russischen Anwältin traf, die ihm brisante Informationen über Hillary Clinton versprach.  

Nur ein grosser «Nichts-Hamburger»?

Das Treffen fand am 26. Juni 2016 im Trump Tower in New York statt, zwei Wochen nachdem Trump die Präsidenschafts-Nomination im Sack hatte. Ebenfalls anwesend waren Trumps damaliger Wahlkampf-Manager Paul J. Manafort und sein Schwiegersohn Jared Kushner.  

Das Weisse Haus versucht dieses Treffen als Banalität abzutun. Es sei bloss darum gegangen, eine Bekanntschaft aus den Miss- Universe-Wahlen im Jahr 2013 aufzufrischen, liess Donald Trump Jr. verlauten. Die Anwältin habe dabei Andeutungen gemacht. Ihre Ausführungen seien jedoch «vage und zweideutig» gewesen und «hätten keinen Sinn ergeben». Stabschef Reince Priebus sprach gar von einem «grossen Nichts-Hamburger».    

Kein Freund der Russen: John McCain.
Kein Freund der Russen: John McCain.Bild: Rick Rycroft/AP/KEYSTONE

Das kann man jedoch auch ganz anders sehen. Bei der besagten russischen Anwältin handelt es sich nämlich um Natalja Veselnitskaya. Sie ist die Ehefrau des stellvertretenden russischen Transportministers, der sehr gute Beziehungen zum Kreml hat. Zu ihren Klienten gehören Staatsunternehmen und Mitglieder von höchsten russischen Regierungskreisen.  

In den USA ist Veselnitskaya vor allem als Lobbyistin gegen den Magnitsky Act aufgefallen. Dieses Gesetz ist nach Sergei Magnitsky benannt. Er war der Anwalt des Hedge-Fund-Managers Bill Browder und hatte einen gewaltigen Steuerbetrug der Putin-Clique aufgedeckt. Deswegen wurde er unter fadenscheinigen Vorwänden ins Gefängnis geworfen und dort umgebracht.  

Putin will den Magnitsky Act wieder weg haben

Der Magnitsky Act war die Reaktion der USA auf dieses Verbrechen. Er verbietet, dass mit bestimmten Mitgliedern der russischen Oligarchie Geschäfte getätigt werden dürfen und das Gesetz bildet auch die Grundlage der amerikanischen Sanktionen gegen Russland. Putin versucht seit Jahren, es wieder ausser Kraft zu setzen.    

Das Gesetz wurde zwar seinerzeit von Präsident Obama in Kraft gesetzt, aber auch die Republikaner unterstützten es. Sein Sponsor im Senat war John McCain. Dieser will denn auch nichts wissen von einer amerikanisch-russischen Freundschaft. Er hat das Verhalten von Trump beim Treffen mit Putin scharf kritisiert. Er habe ihn nicht zur Verantwortung für die Einmischung in die US-Wahlen gezogen, monierte der Senator aus Arizona.  

Hohn und Spott für Cyber-Partnerschaft

Für einmal befindet sich McCain in bester republikanischer Gesellschaft. Marco Rubio schüttelte – wie sehr viele andere auch – den Kopf ob des Ansinnens des Präsidenten, zusammen mit den Russen eine Einheit zur Cyber-Sicherheit zu bilden. Das sei, «wie wenn man Assad als Partner für den Kampf gegen Giftgas» anfragen würde, spottete der Senator aus Florida.  

Lindsey Graham, ein weiteres Schwergewicht der Grand Old Party, bezeichnete das Treffen mit Putin gar als «desaströs» und fügte hinzu, Trump schade seiner Präsidentschaft, «wenn er nicht endlich einsehe, dass Putin ein Bösewicht» sei. Diese Meinung wird auch vom in der Regel sehr Trump-freundlichen «Wall Street Journal» geteilt. Der redaktionelle Kommentar zum Treffen trägt den Titel: «Putin ist kein Freund Amerikas».

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