Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Spuckt Trump Johnson in die (Wahl)-Suppe?

Der US-Präsident reist zum Nato-Gipfel nach London. Der britische Premierminister ist darob alles andere als erfreut.



Trump spuckt Johnson in die Suppe

Bild: montage: watson/lea, material: keystone,shutterstock

Trump kann es nicht wirklich gut mit den Briten. Bei seinem ersten Besuch bei der Queen hat der grossspurige US-Präsident das königliche Protokoll aufs Gröbste verletzt. Bei seinem zweiten Besuch hat er die damalige Premierministerin Theresa May mit einem mehr als undiplomatischen Interview im Boulevard-Blatt «Sun» vor den Kopf gestossen.

Im Vereinigten Königreich hat Trump daher wenig Freunde, auch bei den Konservativen nicht. Er entspricht nicht wirklich dem Bild eines britischen Gentlemans, und seine herzliche Beziehung zum Oberproleten Nigel Farage, dem lärmigen und Bier trinkenden Brexit-Propheten, macht es auch nicht besser.

Queen Elizabeth II, first lady Melania Trump and President Donald Trump look at items in the Royal Gifts collection at Buckingham Palace, Monday, June 3, 2019, in London. (AP Photo/Alex Brandon)

Mit dem königlichen Protokoll auf Kriegsfuss: Präsident Trump. Bild: AP/AP

Morgen reist Trump nach London zum Nato-Gipfel. Obwohl Boris Johnson als eine Art britische Antwort auf den US-Präsidenten gilt, macht ihn dieser Besuch alles andere als glücklich. Am Vorabend einer Wahl, die allgemein als «historisch» eingestuft wird, könnte der US-Präsident dem britischen Premier im letzten Moment die Wahl vermasseln.

Aktuelle Umfragen zeigen zwar, dass Johnson die Wahlen gewinnen sollte. Doch davon ist auch seine Vorgängerin Theresa May ausgegangen, die im Frühsommer 2017 einen grossen Vorsprung in den Meinungsumfragen mehr schlecht als recht ins Ziel retten konnte. Als Premierministerin scheiterte sie darauf völlig.

Auch im Vorfeld der Wahlen vom 12. Dezember ist die Stimmung im Vereinigten Königreich sehr volatil. Die Briten müssen zwischen Pest und Cholera entscheiden – zwischen einem Opportunisten (Johnson) und einem Steinzeit-Sozialisten (Jeremy Corbyn). In diesem Umfeld können Kleinigkeiten entscheiden.

Eine solche Kleinigkeit kann eine unbedachte Äusserung oder ein missglückter Tweet des US-Präsidenten sein. Dieser lässt bekanntlich keinen Fettnapf aus. So hat Trump sich beispielsweise für eine Privatisierung des britischen Gesundheitswesens ausgesprochen oder für amerikanische Nahrungsmittelimporte auf die Insel.

epa08032967 Britain's Prime Minister and Conservative leader Boris Johnson takes part in a press conference about Brexit and the general election in London, Britain, 29 November 2019.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Meidet den US-Präsidenten: Boris Johnson. Bild: EPA

Beides fürchten die Briten wie der Teufel das Weihwasser. Der National Health Service ist die heilige Kuh der Briten. Wer das staatliche Gesundheitswesen in Frage stellt, begeht politischen Selbstmord. Die Aussicht auf chlorierte Hühnchen und «Frankenstein-Food» lässt das Blut selbst in den Adern des hartgesottensten Brexit-Fans erstarren.

Labour-Chef Corbyn hat die Steilvorlage Trumps dankend angenommen. Genüsslich schürt er die Privatisierungs-Ängste seiner Landsleute. «Labour behauptet, dass eine der beliebtesten Institutionen des Landes von der am meisten gehassten Figur bedroht wird», sagt Steven Fielding, Politologie-Professor an der University of Nottingham.

Boris Johnson fleht derweil Trump an, sich auf die Nato zu konzentrieren und sich nicht zu innenpolitischen Problemen der Briten zu äussern. Er wird sich auch hüten, den US-Präsidenten persönlich zu treffen.

Der britische Premier hat auch ohne Trump genug Sorgen. Er zieht mit dem Slogan «Get Brexit Done» (zieht den Brexit durch) in die Wahlschlacht. Doch dieses Versprechen ist leichter ausgesprochen als gehalten.

Johnson wiegt sich nach wie vor in der Illusion, er könne bis Ende 2020 mit der EU ein Abkommen erzielen, das den Briten Autonomie gewährt und gleichzeitig den freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt unangetastet lässt. Daraus wird nichts werden.

epa08037461 Britain's opposition Labour Party leader Jeremy Corbyn eats chips during a general election campaign event in Whitby, Britain, 01 December 2019. Britons go to the polls on 12 December 2019.  EPA/STRINGER

Warnt vor Chlor-Hühnchen: Labour-Chef Jeremy Corbyn. Bild: EPA

Selbst wenn Johnson die Wahlen gewinnt und der Brexit eingeleitet wird, werden die Verhandlungen mit Brüssel länger dauern und weniger abwerfen, als der Premier versprochen hat. Michael Heseltime, ein erfahrener konservativer Politiker, warnt denn auch in der «Financial Times» vor einer «grossen Illusion».

Ivan Rogers, der ehemalige britische Botschafter bei der EU, ergänzt: «Die Krise wird uns wahrscheinlich an Weihnachten erreichen – an Weihnachten 2020.»

«Wenn alle Stricke reissen, können wir immer noch auf das Freihandelsabkommen der Welthandels-Organisation (WTO) zurückgreifen», beruhigen Johnson & Co. Auch diese Hoffnung ist trügerisch. Erstens hätte eine reine WTO-Lösung über Nacht zahlreiche neue Zölle und Quoten zur Folge. Und zweitens geht es der WTO sehr schlecht. So schlecht, dass ein baldiger Tod nicht ausgeschlossen werden kann.

Das sagt Boris Johnson zu seinem Brexit-Deal

Play Icon

Trump und die Hearings

Trumps gefährlichster Mann: William Barr

Link zum Artikel

Nun wird die Ukraine-Affäre zu Watergate 2.0

Link zum Artikel

Trumps Chancen im Impeachment-Verfahren haben sich gerade drastisch verschlechtert

Link zum Artikel

Warten auf Bolton – warum der Erfolg des Impeachments nur über ihn geht

Link zum Artikel

Trump und die Hearings

Trumps gefährlichster Mann: William Barr

26
Link zum Artikel

Nun wird die Ukraine-Affäre zu Watergate 2.0

116
Link zum Artikel

Trumps Chancen im Impeachment-Verfahren haben sich gerade drastisch verschlechtert

147
Link zum Artikel

Warten auf Bolton – warum der Erfolg des Impeachments nur über ihn geht

58
Link zum Artikel

Trump und die Hearings

Trumps gefährlichster Mann: William Barr

26
Link zum Artikel

Nun wird die Ukraine-Affäre zu Watergate 2.0

116
Link zum Artikel

Trumps Chancen im Impeachment-Verfahren haben sich gerade drastisch verschlechtert

147
Link zum Artikel

Warten auf Bolton – warum der Erfolg des Impeachments nur über ihn geht

58
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

23
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FITO 03.12.2019 15:36
    Highlight Highlight Na gut, wenn man die Wahl zwischen Chlorhühnchen und Gentech-Food oder minced meat & fries with vinegar hat, würde ich mich doch eher für letzteres entscheiden.
    Benutzer Bildabspielen
  • Ril 02.12.2019 16:50
    Highlight Highlight Pest und Cholera? Ich denke eher, man hat die Wahl zwischen Pest (tories) und einer milden Erkältung (labour). 10 Jahre tory-Regierung hat die Shere von Arm und Reich massiv aufgehen lassen, das hat gerade bei den Ärmsten Spuren hinterlassen. Das wird man aber in den meisten Zeitungen nicht lesen, wie auch, die sind alle fest in Milliardärshand. Es wird extrem einseitig berichtet.
  • Locutus70 02.12.2019 15:11
    Highlight Highlight Jeremy Corbyn erinnert mich gelegentlich an HC Strache ^^
  • Fritz N 02.12.2019 14:05
    Highlight Highlight Steinzeit-Sozialist?? Wirklich, Löpfe? Machen wir jetzt einen auf NZZ-Eiltismus?
  • zombie woof 02.12.2019 14:02
    Highlight Highlight Tja, wenn man Trump zum Freund hat, muss man mit allem rechnen
  • Füdlifingerfisch 02.12.2019 13:46
    Highlight Highlight „Steinzeitsozialist“ Corbyn. Dass ich nicht lache
  • Joe Smith 02.12.2019 13:44
    Highlight Highlight Warum ist Jeremy Corbyn ein «Steinzeit-Sozialist»? Weil er den Neoliberalismus nicht toll findet, weil er Chlorhühnchen nicht toll findet, oder einfach weil es auch alle anderen schreiben?
    • Locutus70 02.12.2019 15:09
      Highlight Highlight @Joe Smith - ihr Kommentar hat ja schon HC Strache Niveau :D
    • karl_e 02.12.2019 15:39
      Highlight Highlight Für Löpfe und Cie ist die Steinzeit die Zeit vor dem Neoliberalismus.
    • ursus3000 02.12.2019 15:50
      Highlight Highlight @ Locutus70 hast du ein neues Wort aufgeschnappt das du jetzt in jedem Kommentar benutzen musst , obwohl du nicht weisst was es heisst?
    Weitere Antworten anzeigen
  • so war es doch nicht gemeint 02.12.2019 13:37
    Highlight Highlight Eine krasse Bildmontage.

  • peggen 02.12.2019 13:20
    Highlight Highlight Wenn sich Johnson wirklich Hilfe von der WHO (https://www.who.int) im Bereich Freihandel erhofft... bin ich nicht so optimistisch!
    Wohl eher von der WTO (https://www.wto.org), wenn überhaupt!
  • C. J. Branov 02.12.2019 13:18
    Highlight Highlight Welthandelsorganisation: WTO
    Weltgesundheitsorganisation: WHO
    • Joe Smith 02.12.2019 13:42
      Highlight Highlight Angesichts der aktuellen Politik des Vereinigten Königreichs ist der Freudsche Verschreiber nachvollziehbar.
  • Spargel 02.12.2019 13:16
    Highlight Highlight Oberproleten Nigel Farage, dem lärmigen und Bier trinkenden Brexit-Propheten

    Assoziieren Sie Bier trinken mit dem Proletariat?
    • Magnum 02.12.2019 13:44
      Highlight Highlight Farage wechselte von einem schnieken Privat-College in Südlondon an die Börse. Insofern würde ich vor allem seine Charakterisierung als «Prolet» in Frage stellen. Ein Rüpel ist Farage zweifelsohne, dazu ein Scharlatan (auf Englisch: ein snakeoil salesman). Aber eine Verbindung zur Arbeiterschicht scheint mir bei ihm eher nicht gegeben. Mit Hemd, Krawatte und Anzug aufgewachsen, der Herr. Und das einfache Volk mit noch einfacheren Parolen und Demagogie verführend.
    • beaetel 02.12.2019 14:50
      Highlight Highlight Assoziieren Sie Champagner (Cüpli) trinken mit Bauern und Handwerkern?
    • Spargel 02.12.2019 20:28
      Highlight Highlight Baetel nein tue ich nicht. Ich teile nicht in Raster aufgrund des Getränke :-)
  • Wat Sohn 02.12.2019 13:15
    Highlight Highlight @Löpfe/Team Watson:
    Welthandelsorganisation = WTO (da gibt es glaube ich keine deutsche Abkürzung...)
    WHO = World Health Organisation / Weltgesundheitsorganisation.
    • Philipp Löpfe 02.12.2019 13:27
      Highlight Highlight Stimmt. Ich wollte mich wahrscheinlich gegen den Vorwurf schützen, immer angelsächsische Begriffe zu verwenden. Ist korrigiert.
    • beaetel 02.12.2019 14:55
      Highlight Highlight Von wegen angelsächsisch Begriffe verwenden, finde ich, dass wir hier, bei uns, von DNS und nicht von DNA reden sollten, wie es in deutschsprachigen Medien fast nur noch vorkommt, was ich dementsprechend lächerlich finde. Null Zeitgewinn und das Wort „Acid“ für Säure kennen ja wahrscheinlich auch nicht alle ...
    • Locutus70 02.12.2019 15:19
      Highlight Highlight @Philipp Löpfe - Also quasi einem zu erwartendem Rassismus vorsorglich schon mal den Wind aus den Segeln nehmen? :xD

      Wenn man bedenkt das die Angeln und die Sachsen ihren Ursprung hauptsächlich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands hatten und ferner das 15 % der US-Bürger deutschstämmig sind, ist das schon alles sehr skurril finde ich.

      Zumal auch Donald Trump ja irgendwo ein deutschstämmiger ist ^^

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

Die Premierministerin von Island behauptet, das Bruttoinlandsprodukt sei Schnee von gestern. Die Haushaltsplanung Islands will in Zukunft auch Faktoren wie die soziale Gleichheit oder den Klimawandel berücksichtigen.

Katrin Jakobsdottir hat eine Vision. Die Premierministerin von Island möchte, dass sich das Wachstum eines Landes nicht mehr ausschliesslich auf die Wirtschaft konzentriert, sondern auch soziale und ökologische Indikatoren, oder einfach gesagt, das Wohlergehen der Bevölkerung, berücksichtigt.

Wie Jakobsdottir an einer Rede in der Londoner Denkfabrik «Chatham House» sagte, orientiert sich die Haushaltsplanung Islands neu an diesen erweiterten Faktoren. Das Bruttoinlandsprodukt wird also zu einer …

Artikel lesen
Link zum Artikel