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Swiss bank UBS CEO Sergio Ermotti addresses a news conference to present the company's results of the first quarter in Zurich May 6, 2014. UBS will revamp its corporate structure to ensure it can be more easily broken up in a crisis, cutting the amount of money it will need to set aside for potential losses under Swiss rules and allowing it to pay investors a special dividend.   REUTERS/Arnd Wiegmann (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS)

Unternehmenskultur begünstigt unehrliches Verhalten – nicht nur bei der UBS. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Psychologie-Experiment

Banken machen Banker gierig

Die Finanzkrise und viele Betrugsskandale haben das Image der Banken schwer beschädigt. Ein psychologisches Experiment legt nahe, dass Unehrlichkeit ein systematisches Problem der Branche ist. 



Ein Artikel von

Spiegel Online

Zockereien um Millionensummen, Bestechung, Betrug: Zahlreiche Skandale haben in den vergangenen Monaten die Bankenwelt erschüttert. Wurden sie von vereinzelten schwarzen Schafen verursacht, oder ist es generell schlecht bestellt um die Moral unter Bankern? Forscher der Universität Zürich sind dieser Frage nun nachgegangen – was sie herausgefunden haben, ist wenig schmeichelhaft für die Bankenbranche.

Natürlich sind Banker nicht per se schlechtere Menschen, so die Wissenschaftler. Bei ihrer Berufsausübung jedoch «begünstigt die Unternehmenskultur der Bankenindustrie implizit unehrliches Verhalten».

200 Banker werfen Münzen

Die Forscher der Universität Zürich haben rund 200 Bankangestellte mit einem Münzwurf-Experiment auf die Probe gestellt. 128 von ihnen sind für eine nicht genannte internationale Grossbank tätig, 80 für kleinere Geldhäuser. Das uralte «Kopf oder Zahl»-Spiel haben die Wissenschaftler abgewandelt. Für richtige Vorhersagen wurden den Beteiligten jeweils 20 Dollar in Aussicht gestellt. Bei jeweils zehn Würfen wären also maximal 200 Dollar erreichbar. Bekommen sollten die Teilnehmer ihren Gewinn aber nur, wenn sie ein Ergebnis meldeten, welches das Durchschnittsresultat aller Münzwerfer erreichte oder darüber lag.

«Dieses Element fügten wir hinzu, um den Konkurrenzkampf im Bankerberuf widerzuspiegeln», erläutern die Forscher um Michel Maréchal vom Institut für Volkswirtschaftslehre im Fachmagazin «Nature». Ausserdem wurde den Beteiligten der Eindruck vermittelt, dass ihre Ergebnisberichte nicht hinterfragt würden.

Bild

Hier wurde das Münzwurf-Experiment durchgeführt. Bild:

Unehrliches Verhalten eher toleriert 

Die Banker, im Durchschnitt seit elfeinhalb Jahren im Job, wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine wurde im Glauben gelassen, sie sollten «Kopf oder Zahl» als Freizeitvergnügen spielen. Die andere wurden per Fragebogen «auf ihre berufliche Rolle und die damit verbundenen Verhaltensnormen» fixiert.

Das Ergebnis: Die Freizeitgruppe meldete 51,6 Prozent erfolgreiche Münzwürfe – es wurde also nur leicht geschummelt. Von jenen Bankern aber, die annehmen mussten, es werde ihr übliches Job-Verhalten erwartet, gaben 58,2 Prozent richtige Tipps an. Sie hätten sich also «signifikant unehrlicher» verhalten, heisst es in der Studie.

Diese Ergebnisse, resümiert Maréchal, «deuten darauf hin, dass die sozialen Normen in der Bankenindustrie unehrliches Verhalten eher tolerieren und damit zum Reputationsverlust der Banken beitragen». Denn vergleichende Experimente mit jeweils zwei Gruppen von Beschäftigen anderer Branchen hätten keine derartigen Unterschiede und Betrugsversuche wie bei den Bankern erbracht.

Eigener Ethik-Kodex 

Die Forscher raten der Bankenindustrie, einen Wandel ihrer Unternehmenskultur voranzutreiben. Denn berufsbezogene Normen, die unehrliches Verhalten tolerieren, seien bedenklich, «da das Vertrauen der Bevölkerung in das Verhalten von Bankangestellten von wesentlicher Bedeutung für die langfristige Stabilität der Finanzindustrie» sei. 

Co-Autor Alain Cohn regt an, dass Banker sich den Eid des Hippokrates der Mediziner zum Vorbild nehmen und einen eigenen Ethik-Schwur leisten. Zudem sollten statt Boni für Profite finanzielle Anreize für moralisch einwandfreies Verhalten gezahlt werden. 

Von Wert könnte die Münzwurf-Studie vielleicht auch für andere Branchen sein. Marie Claire Villeval von der Universität Lyon empfiehlt in «Nature», die Methode auch auf Politiker anzuwenden. Damit, meint sie, liesse sich herausfinden, ob deren Ehrlichkeit leidet, wenn sie die Chance sehen, sich heimlich politische Vorteile zu verschaffen. 

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