Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bild: AP

Entwicklungshilfe

Fataler Irrtum: Eine florierende Wirtschaft bekämpft den Hunger nicht

Das ökonomische Wachstum einer Nation allein reduziert die Unterernährung von Kindern nicht. Dies ist das Fazit einer Studie von schweizerischen, deutschen, indischen und US-Forschern mit Daten aus 36 Entwicklungsländern. Der Reichtum kommt nicht unten an. 

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem ökonomischen Wachstum und der Rate an unterernährten Kindern auf Länderebene. Dies ist das Fazit einer Studie von schweizerischen, deutschen, indischen und US-Forschern mit Daten aus 36 Entwicklungsländern. Nur auf Individuen bezogen führte ein fünfprozentiger Zuwachs im Bruttoinlandprodukt (BIP) zu einer sehr schwachen Abnahme von Unterentwicklung (-0,4 Prozent), Untergewicht (-1,1 Prozent) und Auszehrung (-1,7 Prozent).

Die Autoren heben besonders hervor, dass sich insbesondere bei Kindern aus den ärmsten Haushalten, die besonders verletzlich seien, kein Effekt des ökonomischen Wachstums zeigte.

Gemäss den Forschern könnten drei Gründe dafür verantwortlich sein: 

1. Die Einkommen sind sehr ungleich verteilt und die Ärmsten vom Wachstum ausgeschlossen.

2-year-old Ruot Wiyual collapses on her bed in a hospital ward in Akobo, southeastern Sudan, Thursday April 8, 2010. Two years of failed rain and tribal clashes in this Sudan region bordering Ethiopia have laid foundations for a humanitarian crisis the U.N. mission dubs the

Besonders betroffen sind Kinder der ärmsten Haushalte. Bild: AP

2. Das wachsende nationale Einkommen mündet nicht in öffentliche Investitionen für die bessere Kinderernährung

Women wait to receive food at the Islamic relief food distribution centre in Tilaberi, Niger Thursday 11 August 2005. Hunger, a perennial problem in Niger, Mali, Mauritania and Burkina Faso, was compounded by a locust invasion last year followed by drought. The U.N. says millions now face severe food shortages  EPA/MARCEL METTELSIEFEN COLOR

2005: Frauen in Nigeria stehen für Essensrationen an.  Bild: EPA



3. Die Haushalte selbst geben das zusätzlich gewonnene Einkommen nicht für die. Ernährung aus. 

Myriam Ibrahim, a 28-year-old Sudanese mother of one month old triplets, Fawzia, Fardous and Fayrous feeds her daughter Fardous at El Fasher Therapeutic Feeding Center in the Darfur town of El Fasher, Sudan Thursday, June 15, 2006. More than 180,000 people have died in Darfur as a result of the violence that flared in 2003. Most of the victims are women and children who died of malnutrition and disease linked to the conflict, humanitarian workers say. (KEYSTONE/AP Photo/ Nasser Nasser)

Eine Frau im Sudan füttert ihr Kind.  Bild: AP

Sie appellieren an die Politik, das Problem anzugehen.

Die Forschender der ETH Zürich, der Harvard School of Public Health (USA), der Universität Göttingen (D) und vom Indian Institute of Technology in Gandhinagar appellieren an die Politik, das Problem anzugehen. Sie betonen deshalb, dass das Problem nur gelöst werden könne, wenn direkt in wirksame Massnahmen gegen die Unterernährung und für die Gesundheit von Kindern investiert wird.

Trickle-down-Effekt funktioniert nicht

Die ökonomische Entwicklung sei grundsätzlich wichtig, doch Politiker sollten sich nicht allein auf einen Trickle-down-Effekt verlassen. Damit wird die bis heute nie bestätigte Theorie bezeichnet, dass das Wirtschaftswachstum und der Wohlstand der Reichen nach und nach in die unteren Schichten der Gesellschaft durchsickern. Unterernährung trägt weltweit jedes Jahr zum Tod von 2,6 Millionen Kindern bei. (rar/sda) 

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 27.03.2014 06:44
    Highlight Highlight Da wo Armut und Kindersterblichkeit hoch ist, werden viele Kinder gezeugt, von denen nicht alle überleben. Der Kreislauf, dass man mit kinderreichen Familien einige Kinder durchbringt, die dann die Alten miternähren, müsste umgestaltet werden. Wenn man da Anreize schaffen könnte, dass jene belohnt werden, die weniger Kinder zeugen, dann wäre das bereits ein Erfolg. Wohlstand führt dazu, muss aber auch dort ankommen können. Dazu braucht es eine stabile und "gelenkte" Marktwirtschaft und weniger Koruption und Machtpolitik. Doch dazu sind einige Staaten nicht in der Lage, weil zu viele Einzelne vom Chaos profitieren.
  • Zeit_Genosse 27.03.2014 06:34
    Highlight Highlight Zu glauben, dass Wirtschaftswachstum automatisch bei Hungernden ankommt ist naiv. Die Wirtschaft ist ein System, in dem man einen Teil davon seim müsste um zu profitieren. Hungernde, Arme, Kranke, sind in diesen Ländern ausgeschlossen und so profitiert nur ein involvierter Kreis.
  • ket4mon 27.03.2014 06:27
    Highlight Highlight Ich habe mich ja schon lange gefragt, was das ganze mit Geld investieren soll.. Hat ja keinen Sinn, das Geld wird sofort wieder verpulvert.. Militäeisch gegen die Machthaber vorzugehen hat in etwa soviel Sinn, wie Griechenland Milliarden zu geben.. Da kommt nie was zurück.. Gleiches gillt für Amerika, die sind selbst schuld, stecken sie in so tiefen Stastsschulden, haben ja auch so ein bescheuertes Finanzsystem.. Es würde mehr bringen, den Armen beizubringen, wie sie an Geld kommen und so ihr Leben mit zum Beispiel Agrarwirtschaft zu finanzieren.. Der Rest ergibt sich dann ganz von alleine..
  • Kza 26.03.2014 23:56
    Highlight Highlight Trickle down funktioniert schon in den Industrienationen nicht. Dass es auch in Entwicklungsländern nicht funktioniert, kann da eigentlich nicht überraschen.
  • papparazzi 26.03.2014 20:03
    Highlight Highlight Endlich sagt mal Jemand die Wahrheit. Die Wirtschaft und der Kapitalismus unterstützen vor allem den Egoismus und die Gier der Reichen. Ausserdem fördert eine eingeführte Marktwirtschaft in solchen Ländern meist auch noch die Korruption, da das Denken der Leute keinen Paradigmawechsel durchlebte. Tragisch finde ich einfach, das man so etwas zuvor noch "erforschen" muss. Aber wie wäre es mit der Hilfe zur Selbsthilfe mit diesen Forschungsgeldern direkt bei den Ärmsten der Erde? Natürlich mit einem funktionierenden Beispiel das vorgelebt und nicht nur theoretisch vorgegeben wird. Ich denke da in etwa an angepflanzte Mischkulturen, den Häuserbau mit Petflaschen oder die Gewinnung von Wasser aus Nebelnetzen in der Wüste oder die Nutzung von Sonnenenergie und das Bohren von Gemeinschaftsbrunnen. Aber auch Nutztiere könnten den Nahrungsbedarf unterstützen, sofern sie nicht gleich am Anfang geschlachtet werden... man muss die Leute lernen längerfristig zu denken und zu investieren, damit sie aus dem etwas machen, was vorhanden ist. Sie sollten sich nicht nur auf Almosen oder finanzielle Hypotheken (mit Abhängigkeit durch Verschuldung) aus dem Westen verlassen. ut (dp)

Ade Pelz: Schweizer zeigen Canada Goose die kalte Schulter

Einst bot er Forschern in der Arktis Schutz vor Kälte, in den letzten Wintersaisons prägte er modisch Schweizer Stadtbilder – der pelzbesetzte Parka, besonders derjenige der Marke Canada Goose. Nun flaut der haarige Hype ab. 

Er war der grosse Renner der letzten Schweizer Winter: der Jackenhersteller Canada Goose. Hätte man für jede Sichtung dieser omnipräsenten Parkas mit Kojotenkapuze einen Franken gekriegt, hätte man sich selbst bald schon eines der teuren Exemplare leisten können. Und das alles trotz heftiger Kritik der Tierschutzorganisationen.

Diese Saison hatten die Status-Parkas aber einen schweren Start. «Im Vergleich zu 2017 ist der Verkauf der Jacken und Mäntel der Marke stark eingebrochen», sagt …

Artikel lesen
Link to Article