Wirtschaft
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A poster for independent centrist presidential candidate Emmanuel Macron is displayed in Paris, France, Monday, April 17, 2017. French centrist candidate Emmanuel Macron and far-right leader Marine Le Pen are hoping to bring in big crowds at competing rallies in Paris as the unpredictable race nears its finish. (AP Photo/Kamil Zihnioglu)

Der Glanz verblasst: Wahlplakat von Emmanuel Macron. Bild: Kamil Zihnioglu/AP/KEYSTONE

Nichts ist unmöglich: Droht wegen Frankreich der perfekte Finanzsturm?

Marine Le Pen gegen Jean-Luc Mélenchon im Final um die Präsidentschaftswahlen: Für die Finanzmärkte wäre dies ein Albtraum – ein realistischer.



Der Chicago Board Options Exchange Volatility Index, kurz Vix-Index genannt, gibt Auskunft über die Volatilität der Finanzmärkte. Er zeigt an, wie nervös die Investoren sind. Derzeit dümpelt dieser Index vor sich hin.  

Offenes Rennen

Eigentlich ist dies paradox: Ausgerechnet in politisch äusserst turbulenten Zeiten – Trump, Brexit, etc. – geben sich die Finanzmärkte betont gelassen. Im Polit-Sturm ist der Finanzhimmel blau und wolkenlos. Das könnte sich am Wochenende ändern.  

Am Sonntag bestimmen die Franzosen, welche beiden Kandidaten an der Endrunde für die Präsidentschaft teilnehmen dürfen. Das Rennen unter den vier Favoriten ist völlig offen. Es sind dies Marine Le Pen, Emmanuel Macron, Jean-Luc Mélenchon und François Fillon.  

French Left party leader and candidate for the 2017 French presidential election, Jean-Luc Melenchon makes a speech from a barge on the canal de l'Ourcq, in Paris, Monday, April 17, 2017. Melenchon, enjoying a late poll surge, is campaigning on a barge Monday floating through the canals of Paris. (AP Photo/Thibault Camus)

Vom Loser zum Mitfavoriten aufgestiegen: Jean-Luc Mélenchon. Bild: AP

Ihre Umfragewerte liegen alle bei rund 20 Prozent. 30 Prozent der Wählerinnen und Wähler sind jedoch noch unentschlossen. Wie beim Toyota-Werbespruch gilt deshalb: Nichts ist unmöglich.

Inhaltlich liegen die Kandidaten weit auseinander: Marine Le Pen ist die Rechtspopulistin, die einen Frexit anstrebt. Ein Wahlsieg Le Pens wäre das Ende des Euro und wahrscheinlich sogar das Ende der EU. Sie spricht Globalisierungsverlierer, Islamhasser und Rassisten an.  

epa05916036 Marine Le Pen, French National Front (FN) political party leader and candidate for French 2017 presidential election, arrives on stage to deliver a speech during an election campaign rally in Marseille, France, 19 April 2017. France holds the first round of the 2017 presidential elections on 23 April 2017.  EPA/PAUL DURAND

Schwächelt ebenfalls leicht: Marine Le Pen. Bild: PAUL DURAND/EPA/KEYSTONE

Emmanuel Macron ist der Anti-Establishment-Kandidat des Establishments. Der ehemalige Banker war kurze Zeit Finanzminister unter François Hollande. Jetzt hat er sich auf den dritten Weg gemacht und eine eigene Partei namens «En Marche!» auf die Beine gestellt, mit der er vor allem bei der liberalen Elite in den Städten punktet. Macron ist ein Euro-Turbo, das Gegenstück zu Le Pen gewissermassen.  

Ein Katholik und ein Linker

François Fillon ist der Kandidat der konservativen Rechten. Er ist sehr katholisch, lehnt die Homo-Ehe ab, will Frankreich à la Margaret Thatcher wirtschaftlich auf Vordermann trimmen und bewundert Putin.  

epa05914854 (FILE) A file picture dated 21 March 2017 shows French right-wing party 'Les Republicains' candidate for the 2017 French presidential elections, Francois Fillon, delivering a speech during an election campaign meeting in Courbevoie, near Paris, France.  France holds the first round of the 2017 presidential elections on 23 April 2017.  EPA/ETIENNE LAURENT

Gelingt ihm ein Comeback? François Fillon. Bild: ETIENNE LAURENT/EPA/KEYSTONE

Jean-Luc Mélenchon schliesslich ist ein wilder Linker, der von den traditionellen Sozialisten enttäuscht ist. Er will die 32-Stunden-Woche und eine Lohnobergrenze für Manager einführen und die wirtschaftliche Dominanz Deutschlands in der EU brechen. Er mag weder die NATO noch die USA. Mélenchon ist, um es salopp auszudrücken, ein Bernie Sanders auf Stelzen.  

Zunächst schien alles klar zu sein. Nachdem Fillon die interne Ausmarchung der Konservativen für sich entschieden hatte, galt er bereits als gewählt. Marine Le Pen würde es zwar ins Finale schaffen, hiess es, doch dann wie einst ihr Vater in der zweiten Runde scheitern.  

Macron überholt Fillon

Dann enthüllte das Satireblatt «Canard Enchâiné», dass Fillon Frau und Kinder auf Staatskosten beschäftigt und Uhren und Kleider von Sponsoren angenommen hatte. Seine Umfragewerte rasselten in den Keller. Er schien erledigt.  

Parallel dazu begann der Aufstieg von Macron. Anfänglich wurde die französische Antwort auf den kanadischen Premierminister Justin Trudeau belächelt, doch dann überholte er Fillon in den Umfragewerten deutlich. Bis vor zwei Wochen galt daher die neue Devise: Le Pen und Macron werden es unter sich ausmachen – und Macron wird gewinnen.  

epa05908737 A woman passes by in front of a selection of official election campaign posters of candidates for the 2017 French presidential election, in Sedan, France, 15 April 2017. The French presidential election is scheduled for 23 April and 07 May 2017.  EPA/JULIEN WARNAND

Wahlplakate in Paris. Bild: JULIEN WARNAND/EPA/KEYSTONE

Jetzt ist die Ausgangslage erneut verändert. Mélenchon – anfänglich als linker Spinner abgetan – entpuppt sich plötzlich als valable Option. Er ist ein brillanter Redner und begeistert all diejenigen, welche von der linksliberalen Elite die Schnauze voll haben, aber auch die faschistoide Le Pen ablehnen. Gleichzeitig scheint der bereits abgeschriebene Fillon wieder Chancen zu haben. Die jüngsten Umfragen zeigen, dass er wieder zu den anderen aufgeschlossen hat.  

Das Horror-Szenario

Finanzmarkt-technisch gesehen präsentiert sich damit die Lage wie folgt: Idealerweise kommt es so, wie man es anfänglich gehofft hatte: Le Pen tritt gegen Fillon an, und Fillon wird gewinnen. Der Champagner kann kalt gestellt werden.  

Leben könnte man auch mit der Paarung Le Pen/Macron. Auch in diesem Fall wäre es sehr wahrscheinlich, dass die Rechtspopulistin in der zweiten Runde gestoppt werden könnte.  

Dramatisch, aber durchaus im Bereich des Möglichen wäre es, wenn es schliesslich zu einem Rennen zwischen Le Pen und Mélenchon käme. Dann würde der Vix-Index auf Rekordhöhe schnellen – und auf den Finanzmärkten der perfekte Sturm ausbrechen.

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Harald Schmidt 21.04.2017 14:56
    Highlight Highlight Na dann hoffe ich, dass die Albträume der Finanzmärkte wahr werden. Wenn Sie, Herr Löpfe, von den Globalisierungsverlierern reden, scheint Ihnen nicht bewusst zu sein, dass Sie, wie fast alle hier, wohl auch dazu gehören (ausser sie sind mindestens Millionär und teil der Finanzelite, was mich anhand Ihres Artikels auch nicht wirklich überraschen würde...). Fakt ist, dass ein grosser Teil des Elends auf der Welt (Armut, Umweltverschmutzung, Krieg, uvm.) von den Grosskonzernen und Banken, die sich ihre Geschäftsbedingungen von käuflichen Politikern bestätigen lassen, verursacht wird.
    So sad!
    • Philipp Löpfe 21.04.2017 15:19
      Highlight Highlight Ich bin nicht Teil der Finanzelite - leider
    • Harald Schmidt 21.04.2017 15:37
      Highlight Highlight Ich leider auch nicht..
      Mein Beileid!
    • loplop717 21.04.2017 18:21
      Highlight Highlight Buhu ihr Armen habt es so schlecht. Schaut mal nach Afrika oder Bangladesch und überlegt nochmal wer die globalisierungs Verlierer sind.
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 21.04.2017 13:59
    Highlight Highlight Wie auch immer die Französischen Wahlen ausgehen, oder welche institutionelle Formen auch immer sich nachher herausbilden (EU, la Renaissance de la Grande Nation, Le Monde Francophone, oder ähnliches):
    Das Sagen in all diesen möglichen Fällen werden so oder so das Big Business und die Super-Reichen des globalen Geld-Adels haben!
    Wir sind also noch nicht viel weiter, als zu Zeiten der Römer, oder des Französischen Sonnenkönigs...
    Ich verstehe die Wahl-Abstinenzler deshalb immer besser, obwohl ich ihrem Beispiel niemals folgen werde.
    Den Kopf in den Sand stecken und aufgeben sind keine Optionen.
    • Don Alejandro 21.04.2017 14:24
      Highlight Highlight Die Politik ist das ausführende Organ des Big Business...
  • Tomtom64 21.04.2017 13:35
    Highlight Highlight Kein Grund zur Panik Herr Löpfe. Selbst bei einer Finalpaarung von Le Pen mit Mélenchon wird der perfekte Sturm an den Finanzmärkten ausbleiben. Zwar dürfte es dann am Montagmorgen hektisch werden und ich keine Zeit zum Watson-Lesen haben, aber primär werden französische Staatsanleihen und Aktien leiden. Systembedingt werden auch gesamteuropäische Aktienindizes und deren Aktien leiden. Der Euro wird zwar kurz abtauchen und sich nur teilweise erholen, aber nicht ins Bodenlose fallen. Bekanntlich wollen ca. 70% der Franzosen den Euro behalten, weshalb sie ein Referendum ablehnen würden.
    • Philipp Löpfe 21.04.2017 13:52
      Highlight Highlight Na dann: frohes Traden
    • alingher 21.04.2017 14:23
      Highlight Highlight Ui, da unterschätzt aber jemand die Konsequenzen für die europäische Konjunktur, wenn der Baby-Elefant FRA fällt. Und dass er mit Le Pens oder Mélenchons angekündigten Programmen fallen wird ist eigentlich unausweichlich... und dann würde sich der EUR nur erholen, wenn FRA austritt. Und wenn FRA austritt, dann fragt sich, ob er überhaupt noch eine Rolle spielen wird...

      Wie Löpfe sagt: frohes Traden, wird sicher gut was los sein!
  • alingher 21.04.2017 13:34
    Highlight Highlight Naja, in diesem Fall wäre der Sturm an den Finanzmärkten nur das seismische Ergebnis tieferliegender Probleme und Vorzeichen massiver Konsequenzen.

    Die französische Wirtschaft taumelt ja nun schon länger bedrohlich und aufgrund nationalistischer Engstirnigkeit und der Unfähigkeit sich zu reformieren droht sie auch schon länger ganz Europa mit in die Krise zu ziehen.
    Falls nun Le Pen oder Mélenchon mit ihren Programmen der Wirtschaft den endgültigen Todestoss verordnen, dann zeigen die Finanzmärkte nur als erste die Konsequenz.

    Das wiederum ist kein Alarmismus sondern empirischer Befund.
  • Döst 21.04.2017 13:23
    Highlight Highlight "Ein Wahlsieg Le Pens wäre das Ende des Euro und wahrscheinlich sogar das Ende der EU. Sie spricht Globalisierungsverlierer, Islamhasser und Rassisten an."

    Also in der SRF Rundschau wurde eine Le Pen Wählerin portratiert: Beruf Lehrerin und wählte vorher immer links.
    Also entweder stimmt der obige Satz nicht, oder die Rundschau hat eine untypische Le Pen Wählerin ausgesucht (was beim Linksdrall bei SRF eher unwahrscheinich ist).
  • Zeit_Genosse 21.04.2017 13:21
    Highlight Highlight Ruhig Blut. Die Finanzmärkte haben gelernt mit Szenarien und Stürmen umzugehen. Da wird kurz aufgeschaukelt, Gewinne und Verluste eingefahren (je nach Windrichtung und Talent des Traders) und weiter geht es. Niemand spannt so schnell die galoppierenden Gäule vor der globalen Geldkutsche aus.
  • zhgr1989 21.04.2017 13:00
    Highlight Highlight Löpfe ist doch selbst bloss ein Populist... ständig Wolf rufen...
  • smoking gun 21.04.2017 12:47
    Highlight Highlight Ich hoffe auf Mélenchon. Nicht nur die jungen Franzosen haben die Schnauze voll. "Globalisierungsverlierer" gibt es in allen Altersgruppen in Frankreich. Den "Königen" wieder einmal die Köpfe abschlagen, davon träumen viele Franzosen. Und diese Haltung findet sich sowohl bei den Rechten als auch bei den Linken.

    Na und? Soll er doch kommen der Sturm an den Finanzmärkten. Ein reinigendes Gewitter ist schon lange fällig und vor der Revolution herrscht nun mal Chaos. Und für die Reichen wird immer noch genug übrig bleiben um "Kuchen" essen zu können.

    • MaskedGaijin 21.04.2017 13:51
      Highlight Highlight Mélenchon der Alt-Trotzkist und Chavez Fan der Frankreich Mitglied der Bolivarianischen Allianz machen will? Lieber nicht.
    • rodolofo 21.04.2017 14:09
      Highlight Highlight Nehmen wir mal an, Melonchon schafft tatsächlich eine Mega-Überraschung in Frankreich und darf dann die Reichen und Mächtigen mit linken Forderungen belästigen und ärgern, während gleichzeitig May in England solche Reichen und Mächtigen hätschelt und ihnen die Vorzugsbedingungen von "The British Empire reloaded" anbietet, mit denen es sich glänzend spekulieren und elitär schmarotzend geniessen lässt!
      Wem werden die Reichen und Mächtigen dann wohl den Vorzug geben?
      Über Nationalistisch behinderte Politik lachen die doch nur!
      Das sind doch folkloristisch-harmlose, provinzielle Trachtentänzchen!
  • Wilhelm Dingo 21.04.2017 12:40
    Highlight Highlight Das ist purer Alarmismus. Es gibt schon Dinge auf der Welt, welche die Alarmglocken läuten lassen aber sicher nicht die Frankreich Wahl.
    • ströfzgi 21.04.2017 12:59
      Highlight Highlight Alarmismus 😂👍
  • LeChef 21.04.2017 12:22
    Highlight Highlight Der Witz ist ja, dass die Programme von LePen und Melonchon zu 80% austauschbar sind. Anti-EU Kurs, Abneigung gegen die USA und Nato, Protektionismus, Arbeitnehmerrechte, Industriepolitik als hoheitliche Aufgabe, Umverteilung, höhere Steuern und Staatsausgaben.. Bei LePen kommt einfach noch der ausländerfeindliche Drall hinzu. Aber sonst; im Grunde zwei Sozialisten im wörtlichen Sinn.
  • Luca Brasi 21.04.2017 11:58
    Highlight Highlight Die Demokratie gehört nicht "den Finanzmärkten".
  • LU90 21.04.2017 11:48
    Highlight Highlight Irgendwie glaube ich, dass es zum Duell Fillon/le Pen kommen wird, welches le Pen hauchdünn - und bei einer sehr tiefen Stimmbeteiligung - gewinnen wird. Ich persönlich hoffe auf Macron.
    • jjjj 21.04.2017 12:57
      Highlight Highlight "Le Pen im zweiten Wahlgang" und "tiefe Stimmbeteiligung" in einem Satz. Du kennst dich nicht so aus mit Politik in Frankreich, gäll?! :)
    • LU90 21.04.2017 16:22
      Highlight Highlight Wir werden sehen...
      Auf den 2. Satz gehe ich jetzt mal nicht ein, gäll!?
    • jjjj 21.04.2017 19:00
      Highlight Highlight Ja wir werden sehen.
      Doch! Bitte darauf eingehen! Unbedingt...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pitsch Matter 21.04.2017 11:48
    Highlight Highlight Das im weltweiten Finanzsystem der Wurm drin ist, ist klar wie Klossbrühe. Wer der Auslöser einer Krise sein wird, ist nicht der Schuldige, die Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht und über Jahrzehnte vertuscht und ignoriert.

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Das britische Start-up krempelt mit seiner App die Finanzwelt um. Aber wird den Banken-Revoluzzern das rasante Wachstum zum Verhängnis?

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Auch Smartphone-Bank genannt.

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Es handelt sich um ein britisches Fintech-Start-up, das eine Reihe digitaler Bankdienstleistungen bietet in einer mobilen App für junge, technisch versierte Nutzer.

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