Wirtschaft
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North Korean leader Kim Jong Un guides on the spot the underwater test-fire of strategic submarine ballistic missile in this undated photo released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) in Pyongyang on April 24, 2016. KCNA/via REUTERS. ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. EDITORIAL USE ONLY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THIS IMAGE. SOUTH KOREA OUT.       TPX IMAGES OF THE DAY

Beobachtet den Start einer Rakete: Diktator Kim Jong Un. 
bild: KCNA/REUTERS

Nordkorea hat alle sechs Wochen eine Atombombe mehr 

Nordkorea bedroht jetzt das internationale Finanzsystem mit heimtückischen Cyber-Attacken und baut sein Atomwaffenarsenal kontinuierlich aus.



In Jahr 2005 gelang es dem FBI, gefälschte Hundert-Dollar-Noten im Wert von rund vier Millionen Dollar zu beschlagnahmen. Die Noten waren so raffinert nachgeahmt, dass sie bald den Beinamen «Superdollars» erhielten. Bald war auch klar, woher sie stammten: aus Nordkorea. Das Regime von Kim Jong Il hatte offenbar jahrelang den Luxuskonsum seines obersten Kaders mit gefälschten US-Dollars finanziert.

Members of the State Merited Chorus perform during a concert where high level officials, diplomats and foreign journalists were invited to watch, as part of celebrations on the conclusion of the ruling party congress in Pyongyang, North Korea on Wednesday, May 11, 2016. North Korea just wrapped up its biggest political event in decades - a lavish, four-day congress of its ruling Workers' Party of Korea intended to both strengthen the leadership of Kim Jong Un and show off the face of the country that North Korea wants the world to see: that of a stable, unified nuclear power determined to stay its own party, come what may. (AP Photo/Wong Maye-E)

Selbst Männerchöre sind in Nordkorea militärisch organisiert.
Bild: Wong Maye-E/AP/KEYSTONE

Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un hat das gleiche Problem wie sein Vater: Seine Steinzeit-Kommunismus-Volkswirtschaft ist viel zu wenig produktiv. Das hat zur Folge, dass das gemeine Volk hungert und die Elite nicht an die begehrten Güter aus dem Westen kommt. Deshalb hat der nordkoreanische Diktator eine Methode entwickelt, die weit gefährlicher ist als diejenige seines Vater: Er greift Swift an, das System, mit dem die Banken sich rund um den Globus Geld überweisen.  

Die Hauptzentrale von Swift liegt in Brüssel, angegriffen werden jedoch Banken in der Dritten Welt. Das erste Opfer war die Nationalbank von Bangladesch. Dort gelang es Hackern, 81 Millionen Dollar zu ergattern. Dass es nicht noch weit mehr wurden, ist einzig einem Lapsus der Eindringlinge zu verdanken. Opfer von weiteren Attacken waren eine Bank auf den Philippinen und eine in Ecuador.  

«Die Gefahr ist so offensichtlich geworden, dass selbst die Rivalen, die sich in Asien in die Haare geraten, dringend eine Lösung finden müssen.»

Economist

Experten der digitalen Sicherheitsfirma Symantec glauben inzwischen, die Herkunft der Täter zu kennen. Bei den Angriffen wurde nämlich stets ein im Westen nicht bekannter Software-Code verwendet. Der gleiche Code wurde auch im Racheangriff verwendet, als Sony den Film «Das Interview» veröffentlichte, in dem Kim Jong Un verulkt wurde. Ebenso wurden verschiedene südkoreanische Unternehmen damit heimgesucht.

Das internationale Bankensystem gerät in Gefahr

Die Attacken auf Swift sind etwas, was es bisher noch nie gegeben hat. Eric Chien, Sicherheitsexperte bei Symantec, erklärte in der «New York Times»: «Wir haben es noch nie erlebt, dass ein Nationalstaat Geld stiehlt.»  

Dabei steht viel mehr auf dem Spiel als Geld. Swift ist so etwas wie das Nervenzentrum des internationalen Bankensystems. Rund 11'000 Geldinstitute sind daran angeschlossen. Ist dieses System nicht mehr sicher, dann bricht es zusammen. Die Folgen für die Weltwirtschaft wären nicht abzuschätzen, aber auf jeden Fall verheerend.

North Korean women working in the Kim Jong Suk silk mill are seen during a press tour on Monday, May 9, 2016, in Pyongyang, North Korea. Only about 30 of the more than 100 invited journalists brought into the country to cover the biggest political event in North Korea in decades have been allowed inside the meeting hall to see the proceedings, Monday. Officials have kept the foreign media busy with trips around Pyongyang to show them places North Korea wants them to see. (AP Photo/Wong Maye-E)

Fabriken wie im 19. Jahrhundert: Nordkoreanische Arbeiterinnen in einer Seidenfabrik.
Bild: Wong Maye-E/AP/KEYSTONE

Noch verheerender ist, was sich in Sachen Atombomben in Nordkorea anbahnt. Der «Economist» spricht von einem Albtraum, und das Magazin ist nicht für Sensationsjournalismus bekannt. «Die Gefahr ist so offensichtlich geworden, dass selbst die Rivalen, die sich in Asien in die Haare geraten, dringend eine Lösung finden müssen», warnt der «Economist».

«Nordkoreanische Ingenieure lernen aus ihren Fehlern.»

Economist

Nordkorea baut sein Atomwaffen-Arsenal systematisch aus. Inzwischen soll es bereits über rund 20 funktionierende Bomben verfügen. Obwohl ein Versuch mit einer Wasserstoffbombe kürzlich scheiterte, ist das ein schwacher Trost. «Nordkoreanische Ingenieure lernen aus ihren Fehlern», bemerkt der «Economist» lakonisch.

Nordkoreanische Ingenieure erhalten von ihrem Regime anscheinend auch unbegrenzte Mittel. Kein Land verwendet einen ähnlich grossen Anteil seines Bruttoinlandprodukts für die Produktion von Atomwaffen. Alle sechs Wochen soll eine neue Bombe gebaut werden. Auch was die Langstreckenraketen betrifft, machen die Nordkoreaner Fortschritte. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis selbst die USA das Ziel eines Angriffes sein könnten.  

epa05147401 A handout picture made available by the North Korean Central Television (KCTV) Broadcasting Station shows North Korea's 'Kwangmyongsong-4' satellite being fired from the Dongchang-ri launch site in Cholsan, North Pyongan Province, North Korea, 07 February 2016. North Korea has said it has successfully launched a satellite into orbit.  EPA/KCTV -- MANDATORY CREDIT: KCTV -- BEST QUALITY AVAILABLE -- SOUTH KOREA OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Geglückter Start einer nordkoreanischen Rakete.
Bild: EPA/YONHAP/KCTV

Wie ist es möglich, dass ein wirtschaftlich unbedeutendes und gesellschaftlich geächtetes Land zu einer derartigen Bedrohung für den Weltfrieden geworden ist? Schuld daran ist der Zwist der Grossmächte. Die Chinesen haben zwar die Schnauze voll von den Eskapaden von Kim Jong Un. Trotzdem schrecken sie vor harten Sanktionen zurück.

Warum die Südkoreaner keine Wiedervereinigung wollen

Die Chinesen wollen auf keinen Fall, dass es zu einer Wiedervereinigung der beiden Koreas kommt, weil US-Truppen dann direkt an ihrer Grenze stehen würden. Deshalb kaufen sie weiter Kohle und Eisenerz aus Nordkorea und liefern im Gegenzug Erdöl, Nahrungsmittel und Konsumgüter.  

Auch die Südkoreaner wollen keine Wiedervereinigung. Sie würden dann von verarmten Nordkoreanern überschwemmt werden, ähnlich wie die Westdeutschen in den Neunzigerjahren von den ehemaligen Bewohnern der DDR – nur viel schlimmer.   So lange China, Südkorea und die USA sich nicht auf eine gemeinsame Front gegen Nordkorea einigen können, kann Kim Jong Un ihnen auf der Nase herumtanzen. Wie lange die Welt mit diesem Risiko noch leben kann, ist eine andere Frage.

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