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Der Dollar ist wieder sexy geworden. bild. shutterstock

Nach dem Entscheid von Mario Draghi

«Das schönste Mädchen im Bordell ist nun der Dollar»

Mario Draghi hat erreicht, was er wollte: Dank dem Quantitative Easing der Europäischen Zentralbank wird der Euro noch schwächer. Der Franken legt zum Entsetzen der Schweizer Wirtschaft nochmals zu. Am meisten jedoch steigt der Kurs des US-Dollar.



Philipp Löpfe

60 statt 50 Milliarden Euro pro Monat und ein Kompromiss: Mario Draghi hat die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern leicht übertroffen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde auch sogleich belohnt. Der Euro verlor leicht an Wert gegenüber dem Dollar und sank auch wieder unter die Eins-zu-eins-Marke gegenüber dem Franken. Die Renditen für europäische Staatsanleihen sanken ebenfalls, während die Aktienkurse anstiegen. Genau das war gewünscht. Draghi ist seinem Ruf als «Super Mario» erneut gerecht geworden.

Kompromiss in der Frage der Haftung

Elegant hat Draghi auch die politische Klippe umschifft: Der Norden wollte, dass jede Nationalbank in der Zone der Einheitswährung für die Verluste geradesteht; der Süden hingegen forderte, dass die EZB wie bis anhin in der Verantwortung steht. Herausgekommen ist ein Kompromiss: Grundsätzlich sind die jeweiligen Nationalbanken zuständig, aber 20 Prozent bleiben bei der EZB. 

European Central Bank (ECB) President Mario Draghi addresses an ECB news conference in Frankfurt January 22, 2015. The European Central Bank took the ultimate policy leap on Thursday, launching a government bond-buying programme which will pump hundreds of billions of new money into a sagging euro zone economy.  The ECB said it would buy government bonds from this March until the end of September 2016 despite opposition from Germany's Bundesbank and concerns in Berlin that it could allow spendthrift countries to slacken economic reforms.          REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY  - Tags: BUSINESS)

War wieder super: Mario Draghi.  Bild: KAI PFAFFENBACH/REUTERS

Alles paletti? Nicht ganz. Das Quantitative Easing war auch so etwas wie eine Verzweiflungstat. (Der komplizierte Begriff steht übrigens für einen banalen Vorgang: Die Zentralbank druckt Geld und kauft Wertpapiere, vor allem Staatsanleihen.) Draghi hat alles versucht, um eine Deflation abzuwenden und um das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Vergeblich. Im Dezember sind die Zinsen im Euroraum erstmals in den negativen Bereich gerutscht; und eine Deflation ist für jeden Notenbanker der schlimmste Albtraum überhaupt. 

Das QE schwächt den Euro und stärkt damit die europäische Exportwirtschaft. Das ist ganz im Sinne des Erfinders. Das billige Geld nützt jedoch nichts, wenn es darum geht, das wirtschaftliche Gleichgewicht innerhalb von Europa wiederherzustellen. Für einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung wäre jedoch gerade dies sehr viel wichtiger. 

Das QE als Spaltpilz

Auch politisch wirkt das QE als Spaltpilz. Schon im Vorfeld haben sich vor allem deutsche Ökonomen, Wirtschaftsführer und Politiker vehement dagegen ausgesprochen. Auch jetzt wird munter weiter kritisiert. «Die EZB hat ohne Not ihren letzten Trumpf ausgespielt», erklärte beispielsweise Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Mit dem QE hat Mario Draghi die Gefahr eines Währungskrieges erhöht. Einzelne Scharmützel gibt es bereits. So hat die kanadische Nationalbank eine Zinssenkung beschlossen. Die Dänen wollen zwar die Bindung an den Euro beibehalten, aber wie die Schweizer Negativzinsen für ausländische Guthaben einführen. 

Ein Währungskrieg droht – und ein Verlierer steht bereits fest

Verschärft sich der Währungskrieg, dann steht ein Verlierer schon fest: die Schweiz. Der Entschluss der Schweizerischen Nationalbank, den Mindestkurs aufzugeben, hat bereits zu einer Aufwertung des Frankens von rund 20 Prozent geführt. Das höher als erwartet ausgefallene QE dürfte den Aufwertungsdruck noch verstärken.

Derweil warnen Ökonomen und Wirtschaftsvertreter davor, dass ein Kurs von unter 1.10 der Schweizer Exportwirtschaft grossen Schaden zufügen könnte und zu einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen führen werde. Da ist es ein nur schwacher Trost, dass unter Geldmanagern derzeit der Macho-Spruch kursiert: «Das schönste Mädchen im Bordell ist nun der Dollar.» 

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