Wirtschaft
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ARCHIV --- ZU DEN QUARTALSZAHLEN DER UBS STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- The UBS branch on the Europaalle, pictured in Zurich, Switzerland, on May 6, 2014. (KEYSTONE/Gaetan Bally) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Die neuen Büros der UBS an der Europaallee in Zürich. Bild: KEYSTONE

Will die UBS jetzt eigene Bitcoins prägen? Nein – aber die Bank hat eine clevere Idee

Die grösste Schweizer Bank setzt auf die Blockchain-Technologie – nicht aus Marketing-, sondern aus Kostengründen.



Die Bitcoins sind ein Kind der Cypherpunks, der libertär-anarchistischen Techno-Szene, die Staat und Grossbanken hasst und von einer dezentralen, selbstbestimmten Gesellschaft träumt. Jetzt sind es ausgerechnet die Grossbanken, welche die Kryptowährungen entdecken.

Die UBS hat kürzlich verlauten lassen, dass sie zusammen mit der Deutschen Bank, Santander und BNY Mellon die USC (utility settlement coin) lancieren wollen, eine Art Bitcoin der Grossbanken.  

«Ertrags- und Kostendruck sind enorm. Wir müssen derzeit mit einem Margenverlust von rund 20 Prozent leben.»

Jürg Zeltner, UBS Group AG

Alles nur ein Marketing-Gag, der zeigen soll, dass auch die Grossbanken den Anschluss an die moderne Technologie nicht verpasst haben? Keineswegs. Die USC soll mithelfen, das aktuell grösste Problem der UBS & Co zu lösen – den Kosten- und Margendruck.

epa05446962 (FILE) A file photograph showing Sergio Ermotti, CEO of Switzerland's biggest bank UBS, speaks during a press conference in Zurich, Switzerland, 02 February 2016.  Swiss Bank UBS reported on 29 July 2016 that UBS Group net profit for 2015 increased 79 percent year on year to CHF 6.2 billion.  EPA/ENNIO LEANZA DATABASE

Rechnet mit einer längeren Phase der Stagnation: UBS-Chef Sergio Ermotti. Bild: EPA/KEYSTONE FILE

Blenden wir zurück: So lange ist es nicht her, dass Banker wie Josef Ackermann eine Eigenkapitalrendite (ROE) von 25 Prozent für völlig normal hielten. Bis zur Finanzkrise war dieses Ziel auch tatsächlich erreichbar. Goldman Sachs, der Musterschüler der Branche, erzielte zeitweise einen ROE von rund 40 Prozent.

Die Banken befinden sich in einem perfekten Sturm

Heute können selbst die Klassenbesten von solchen Zahlen nur noch träumen. Der ROE der UBS liegt im einstelligen Bereich, bei der CS ist man froh, wenn man überhaupt noch Geld verdient, und bei der Deutschen Bank ist die Situation so prekär, dass sie von Fachleuten als Systemrisiko eingestuft wird.

Die Banken stecken in einem perfekten Sturm: Wegen der Finanzkrise und den Bailouts haben sie das Vertrauen der Menschen verloren. Die Geldpolitik der Zentralbanken, das Quantitative Easing und jetzt die Negativzinsen unterspülen ihr Geschäftsmodell.

Jürg Zeltner, UBS-Konzernleitungsmitglied, erklärte denn auch jüngst an einem Bankenforum der «Finanz und Wirtschaft»: «Ertrags- und Kostendruck sind enorm. Wir müssen derzeit mit einem Margenverlust von rund 20 Prozent leben.»

A man passes the skyline of the central business district on a portable scooter in Singapore August 23, 2016. REUTERS/Edgar Su

Konkurrenz aus Fernost: Der Finanzplatz Singapur. Bild: EDGAR SU/REUTERS

Mit einer raschen Erholung und einer Rückkehr zu den goldigen Zeiten der Nullerjahre ist nicht zu rechnen. Der Wettbewerbsdruck für die Schweizer Banken hat ebenfalls markant zugenommen. Auch in Hongkong, Singapur und den USA will man sich ein Stück vom lukrativen Wealth-Management-Kuchen abschneiden. UBS-Chef Sergio Ermotti hat kürzlich von einer längeren Phase mit stagnierenden Erträgen gesprochen.

Mit der Blockchain gegen den Kostenblock

Bleiben die Erträge aus, müssen die Kosten gesenkt werden. Die Kosten im Handel sind sehr gross. Sie werden auf jährlich zwischen 65 und 80 Milliarden Dollar geschätzt. Dieser Kostenblock soll geschleift werden, und zwar mit den USC, den bankeigenen Bitcoins. Und das geht so:

Das Herz der Kryptowährungen ist die Blockchain-Technologie. Vereinfacht gesagt kann man sich darunter ein riesiges Grundbuch vorstellen, in dem alle Handelsbewegungen festgehalten und so verschlüsselt werden, dass sie nicht gefälscht werden können. Abgerechnet wird in den USC, die später wieder in die einzelnen Währungen umgetauscht werden. Anders als bei den Bitcoins kommen Normalsterbliche nicht in den Genuss dieser Währung. Die USC dienen einzig der Abrechnung unter den Banken.  

Die UBS-Bitcoins sind erst der Anfang

Der grosse Vorteil der Blockchain-Technologie liegt darin, dass der bürokratische Kram wegfällt. Jede Transaktion wird beinahe in Echtzeit in das riesige Grundbuch eingetragen. Deshalb hofft man, dadurch schon im Jahr 2022 weltweit zwischen 15 und 20 Milliarden Handelskosten einzusparen.

Der Handel mit Bitcoins ist inzwischen fest in den Händen von wenigen Chinesen, der Traum der Cypherpunks ist geplatzt. Die Blockchain-Technologie hingegen ist quicklebendig und wird wahrscheinlich das Schicksal der Finanzindustrie massgebend beeinflussen. Die Bitcoins der UBS sind erst ein Anfang.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sloping 27.08.2016 20:47
    Highlight Highlight Ich zitiere den Artikel: "Bis zur Finanzkrise war eine Eigenkapitalrendite von 25% und mehr möglich." Wer es immer noch nicht verstanden hat: Diese aktuell sehr tiefen Renditen haben rein gar nix mit der Finanzkrise zu tun, sondern mit dem traurigen Faktum, dass die früheren Milliardengewinne primär durch Schwarzgeld, illegale manipulative Geschäftspraktiken sowie casinomässigen Spekulationen im Investmentbanking möglichen waren. Woher rühren wohl die millliardenschweren Bussen der CS, UBS, Deutschen Bank etc. ?
    14 7 Melden
    • sowhatopinion 03.08.2017 20:34
      Highlight Highlight Naiv, dein Kommentar. Die Bussen wurden unilateral von den USA verhängt und die bestrafte die Banken für die Entgegennahme unversteuerter Vermögen, aus heutiger Sicht zu Recht, ja. Aber noch vor wenigen Jahren war es unverschämt zu fragen, ob Vermögen deklariert wird, weshalb die Bussen - zumal in dieser Höhe - modernes Raubrittertum darstellen. Bussen sind bezahlt, AIA im Trockenen, einzig die USA haben nicht ratifiziert. Die US-Steueroasen in Florida, Nevada haben ein neues Geschäftsfeld entdeckt und buhlen um Mrd unversteuerter Vermögen....nun Dieselgate..und Morgen vielleicht.Naivität pur.
      0 0 Melden
  • kosmo 27.08.2016 19:53
    Highlight Highlight Bitcoin & Bitcoin Mining ist das einzig wahre!!
    1 19 Melden
    • glüngi 28.08.2016 03:00
      Highlight Highlight
      Fast alles gehört zwei chinesischen firmen. Bitcoin ist nur noch eine leiche die mit einem stock gestupst wird.
      3 0 Melden
    • kosmo 31.08.2016 22:03
      Highlight Highlight Würd ich nicht behaupten aber
      Jedem seine Meinung.
      3 0 Melden
  • http://bit.ly/2mQDTjX 27.08.2016 19:12
    Highlight Highlight "Der Handel mit Bitcoins ist inzwischen fest in den Händen von wenigen Chinesen, der Traum der Cypherpunks ist geplatzt."

    Hier machst du ein grosses Durcheinander, Philipp.

    Einerseits ist Blockchain nur eine unter vielen P2P-Technologien, die Cypherpunks begeistern; anderseits sehen die Cypherpunks Bitcoin als ein grösstenteils gelungenes Proof-Of-Concept der Blockchain-Technologie.

    Der Traum der Cypherpunks ist nicht geplatz. Bitcoin hat geholfen, den Traum zu entfachen. Es sind noch einige Probleme zu lösen. Die Banken helfen tatkräftig mit, diese zu lösen. Die Träumer träumen weiter.
    8 2 Melden
    • seventhinkingsteps 27.08.2016 21:42
      Highlight Highlight Es ist mehr so, dass die Blockchain-Technologie, auf die Bitcoin basiert, mehr Potential oder für die Finanzindustrie interessantere Anwendungsarten bietet als als Transaktionshistory einer Kryptowährung.

      Die Idee einer kryptographischen Währung gibt es schon seit den 80ern und 90ern, das Problem war ein geeignetes Protokoll zu finden um dezentralen Konsens abzubilden.

      Blockchain-Protokolle und -Plattformen (Man beachte die Mehrzahl) bieten eine Lösung dafür, aber eben auch für viel mehr andere, nicht nur für klischeehafte "Cypherpunks" interessante Probleme.
      2 1 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 28.08.2016 02:36
      Highlight Highlight "Cypherpunk" gefällt mir besser als "Gutmensch".

      Die "libertär-anarchistische" Gesinnung verbindet Punks, Bankers und elitäre Kräfte, wie man sie zB. am WEF antrifft:

      Das Argument "Kostendruck" ist vorgeschoben. Dezentralisierte Blockchain-Technologien brauchen viel mehr Ressourcen als zentralisierte Dienste. Sie kosten daher eher mehr.

      Am WEF wurden andere beachtliche Vorteile diskutiert.

      https://www.weforum.org/agenda/2016/03/could-blockchain-technology-help-the-worlds-poor

      Banken könnten sich damit von störenden Zwängen befreien, wie zB:

      https://de.wikipedia.org/wiki/SWIFT-Abkommen
      0 0 Melden
  • seventhinkingsteps 27.08.2016 19:09
    Highlight Highlight "Die Bitcoins sind ein Kind der Cypherpunks, der libertär-anarchistischen Techno-Szene, die Staat und Grossbanken hasst und von einer dezentralen, selbstbestimmten Gesellschaft träumt."

    Schon sehr klischeebeladen dieser Einstieg, Herr Löpfe. Für die Bitcoinszene mag das stimmen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Blockchainszene in der Schweiz schon seit längerem vom erhofften Potential für die Finanzbranche geprägt ist und deshalb auch viel Leute anzieht, die wirtschaftliches Know How mit technischen Kenntnissen verbindet. Der Widerspruch ist geringer als von Ihnen dargestellt.
    11 0 Melden
  • luckyrene 27.08.2016 18:59
    Highlight Highlight Die armen Banken... Was ist den das für ein Schwachsin! Nur schon die UBS hat im 2. Quartal 2016 über eine Miliarde Franken REINGEWINN gemacht...
    7 10 Melden

«Wir haben es in der Hand, ein Massensterben zu verhindern»

Die Artenvielfalt ist in den letzten 50 Jahren dramatisch gesunken. Das zeigt der WWF in seiner neuesten Ausgabe des Living Planet Index auf. Zum Glück findet ein Umdenken bei den Menschen statt. Das sagt Thomas Vellacott, CEO des WWF Schweiz. 

60 Prozent der Tierarten sind in den letzten 50 Jahren verschwunden. Ist es also gerechtfertigt, von einem sechsten Massensterben zu sprechen? Ja, heute sterben 100 bis 1000 Mal mehr Arten aus als in vergangenen Zeiten. Das ist einmalig – und wir Menschen sind die Ursache. Der Living Planet Index des WWF untersucht die Populationstrends und zeigt so Veränderungen sehr früh an.

Ist dieses Massensterben nicht mehr aufzuhalten? Die kurze Antwort lautet: doch. Taucht man tiefer in die Daten ein, …

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