Wirtschaft
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epaselect epa05929540 British Prime Minister Theresa May (L) welcomes European Commission President Jean-Claude Juncker (R) to 10 Downing Street in London, Britain, 26 April 2017. The two leaders held talks on Brexit.  EPA/ANDY RAIN

Das Küsschen ist nur Show: Beim Treffen von Theresa May und Jean-Claude Juncker flogen die Fetzen.   bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

100-Mia.-Abfindung und ein missratenes Dinner: Der Brexit wird äusserst mühsam

Die EU schliesst die Reihen gegen die abtrünnigen Briten und erhöht den Einsatz für einen neuen Handelsvertrag. Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker geraten sich derweil an einem Dinner in die Haare.



Im Abstimmungskampf haben die Brexit-Befürworter damit argumentiert, dass London jede Woche 350 Millionen Pfund nach Brüssel überweisen müsse und dass man dieses Geld doch besser für das einheimische Gesundheitswesen verwenden sollte. Das waren Fake News. Jetzt kommt die Retourkutsche: Rund 100 Milliarden Euro will Brüssel London als Preis für einen neuen Handelsvertag in Rechnung stellen. Vor ein paar Monaten waren es bloss 60 Milliarden Euro gewesen.  

epa05299333 The Vote Leave Bus Tour in St Austell, Cornwall, Britain, 11 May 2016. Boris Johnson is supporting the Brexit campaign touring the country with a bus.  EPA/STR UK OUT

Fake News: Der legendäre Bus mit der 350-Millionen-Lüge. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Die EU macht auch kein Hehl daraus, dass sie auf ihren Forderungen bestehen will. Am vergangenen Wochenende wurden an einer Sondertagung die Leitlinien zu den Brexit-Verhandlungen festgelegt. Zum Ärger der Briten herrschte unter den EU-Mitgliedern für einmal grosse Einigkeit: Brüssel will eine harte Linie verfolgen und erst dann einen neuen Handelsvertrag verhandeln, wenn die Abfindungsfrage geklärt ist.  

London will keinen Cent nach Brüssel schicken

Premierministerin Theresa May hatte ursprünglich auf eine gnädige Haltung der Deutschen spekuliert. Daraus wird nichts. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unmissverständlich klar gemacht, dass sie voll hinter den Forderungen der Franzosen stehen wird.

Angefeuert von einer äusserst aggressiven Boulevard-Presse will Grossbritannien jedoch keinen Cent nach Brüssel überweisen. Das hat May an einem Dinner mit dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker unmissverständlich erklärt. Tags darauf hat die «FAZ am Sonntag» Details des Gesprächs veröffentlicht. So habe Juncker beklagt, dass er nun «zehn Mal skeptischer» sei, dass es zu einem neuen Vertrag kommen werde.

Eine verdammt schwierige Frau

Die Reaktion aus London erfolgte umgehend. Sie werde eine «verdammt schwierige Frau» (a bloody difficult woman») in den Verhandlungen sein, liess May ausrichten.  

epa05940991 British Prime Minister Theresa May (C) delivers a speech on the campaign trail at the Hungerford Community and Social Club in Brislington, Bristol, Britain, 02 May 2017. Voters go to the polls in Britain on 08 June 2017 to elect a new government.  EPA/GEOFF CADDICK

Hofft auf einen Erdrutschsieg bei den Neuwahlen: Theresa May. Bild: GEOFF CADDICK/EPA/KEYSTONE

Auf beiden Seiten des Kanals nehmen die chauvinistischen Emotionen zu. Gideon Rachman stellt sich in der «Financial Times» bereits vor, wie Theresa May ihren Landsleuten ein Scheitern der Verhandlungen verklickern werde. «Ein Land, das Hitler, Napoleon und die spanische Armada besiegt hat, lässt sich nicht von ein paar Brüsseler Bürokraten in die Knie zwingen.»  

Das ist vorläufig noch Fiktion. In der Realität müssen die Briten sich damit anfreunden, dass der Brexit einen Preis haben wird. «Grossbritannien kann nicht erwarten, dass es die Bedingungen diktieren oder einen Deal abschliessen kann, der so günstig ist, dass andere Länder ermutigt würden, ebenfalls auszutreten», mahnt die Financial Times.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Booker 03.05.2017 16:03
    Highlight Highlight Das sind Phantasiezahlen, die EU will sich auf Kosten von GB gesund stossen ! Briten macht Handelsabkommen mit der CH, USA, China, Brasillien, Indien etc. das ist sie Zukunft.
    Was soll schon passieren wenn die 100 Mia. nicht bezahlt werden ?
    • Hansdamp_f 03.05.2017 16:22
      Highlight Highlight Exakt. Danke.

      Und eigene Mitglieder abschrecken, die allenfalls auch rauswollen - aber darüber nicht abstimmen dürfen.
    • Majoras Maske 03.05.2017 16:24
      Highlight Highlight Problem: Bis auf CH kann keines der Länder mit dem Preisniveau der EU mithalten. Was nützt es, Dinge nach Übersee zu verkaufen, wenn die Kaufkraft dort nicht für einen rentablen Preis reicht oder wenn doch nur mit geringeren Absatzmengen? Ausserdem warten diese Länder nicht darauf GB einen vorteilshaften Handelsvertrag abzubieten, sondern erwarten wie Indien etwa Zugeständnisse in Sachen Migration, was UK wiederum nicht geben will. Ausserdem sind diese Länder bis auf CH furchtbar aufwendig bürokratisch. Das wird sehr schwer werden für UK den Binnenmarkt zu ersetzen. Nicht beneidenswert!
    • phreko 03.05.2017 16:40
      Highlight Highlight 3/4 des financial Districts zieht sofort in die EU.
      Kostet das UK deutlich mehr als 100Mia...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Shabina 03.05.2017 14:28
    Highlight Highlight Kann mir jemand sagen, für was genau die EU 100 Mia verlangt? Damit ein Handelsvertrag unterzeichnet wird, der beiden Parteien Vorteile verschaft?
    Oder ist es eine Abfindung... aber für was genau? hat England Schulden bei der EU?
    Das ist doch einfach ein Versuch, den Briten noch eins auzuwischen. Wie die Sistierung von Horizon nach der MEI!
    • ujay 03.05.2017 14:36
      Highlight Highlight Ich mag für eine solche Frage nicht mal mehr einen Link einstellen. Googel mal, oder lass es, wenns zu anstrengend ist.
    • Fabolous 03.05.2017 14:53
      Highlight Highlight Nein kann keiner. die Linken blitzen lieber da du die MEI erwähnt hast.
    • Triumvir 03.05.2017 15:04
      Highlight Highlight Nein, es ist kein Versuch "den Briten noch eins auszuwischen". Denn im Gegensatz zu den Briten sind die restlichen EU-Länder wirtschaftlich massiv weniger auf die Briten angewiesen, als umgekehrt. Nur so als kleines Beispiel: sollten keine neuen Verträge mit der EU zu stande kommen, wird einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Briten - nämlich die Finanzindustrie - massiv leiden. Schon jetzt suchen viele Finanzinstitute neue Geschäftsräumlichkeiten in Frankfurt und Paris...wie ich schon einmal erwähnt habe, der Brexit wird richtig teuer für die Briten werden...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hansdamp_f 03.05.2017 14:15
    Highlight Highlight Ja, der Brexit wird womöglich mühsam - für beide Seiten. Aber doch primär deshalb, weil die EU den verbleibenden Mitgliedern demonstrieren möchten, wie mühsam sie sein kann. Damit ja keiner auf dieselbe Idee komme aus diesem maroden Klub auszutreten. Dann lieber warten, bis alles am Euro zerbricht.

    Die EU wäre angesichts der tausend Baustellen gut beraten, einen heutigen und zukünftigen, wichtigen Partner wie einen solchen zu behandeln.
    • ujay 03.05.2017 14:56
      Highlight Highlight GB hat den Brexit beschlossen und muss nun mit der EU innert 2 Jahren den Austritt bewerkstelligen, sonst läuft der Vertrag ohne Anschlussverträge aus, was für GB schmerzhaft wäre. Übrigens: Die "übrigen" EU sind deren Mitgliedsländer, die den Takt angeben bei den Verhandlungen. Es braucht also keine EU, die ihnen irgendwas "demonstriert". Mein Fazit zu deinem Kommrntar: Du hast das Prinzip der EU nicht verstanden 😉😉😉
    • Hansdamp_f 03.05.2017 15:53
      Highlight Highlight @ujay

      Ja, genau. Und Du hast's natürlich kapiert. Die EU ist ein Staatenbund und die Weichen werden in Brüssel gestellt. Von Funktionären. Die Länder respektive deren Bevölkerungen haben nichts zu melden. Leider. Sonst wäre die EU besser dran.

      Ich schreib's nochmals: Beide Seiten sind an einer Einigung interessiert. Sowohl für die EU als auch für GB wäre es schmerzhaft. Die EU-Exporte nach GB sind riesig; viele EU-Bürger nehmen Wohnsitz in GB.

    • äti 03.05.2017 15:57
      Highlight Highlight @hansdampf: was heisst "marod" eigentlich? In Bezug auf was? Und mit den 1000 Baustellen meinst du wohl 1000 Verträge? Und diese aufzulösen und nachher wieder 'in Betrieb' zu nehmen ist schon ein Aufwand, ein grosser. Falls du einen Mietvertrag hast würdest du es kaum schätzen, der Vermieter würde diesen kündigen und sagen, führen wir ihn doch weiter, aber ab sofort möchte er mehr Zins. Gibt Ärger, oder?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Triumvir 03.05.2017 13:48
    Highlight Highlight Wer ist da wohl auf wen mehr angewiesen... Die sturen Briten oder die restlichen EU-Länder...Der Brexit wird richtig, richtig teuer und hässlich für die Briten werden und das ist gut so!
    • Hansdamp_f 03.05.2017 14:11
      Highlight Highlight "Das ist gut so"? Und wieso genau ist das gut so? Wenn ein Land demokratisch bestimmt, aus einem Klub auszutreten, ist das vollkommen legitim. Sonst wäre es eine Zwangsmitgliedschaft und das wäre ja traurig genug.

      Es gibt genügend Gründe, nicht mehr bei der EU dabei sein zu wollen. Würde man abstimmen lassen, würden auch andere Länder austreten. Doch davon hat man Angst.

      Und nun zurück zu Ihrem Punkt: Wenn GB bestraft werden soll, bestraft sich die EU selbst. Sowohl EU als auch GB sind auf möglichst gute, partnerschaftliche Beziehungen angewiesen. Mit Drohen und Strafen wird das nichts.
    • Sheriff_Rooster_Cockburn 03.05.2017 14:46
      Highlight Highlight Sehe ich auch so.
      Wenn das so weitergeht, wirds Grossbritannien ähnlich wie die HMS Hood ergehen.
      Hoffe, dass Schottland den Kreuzer noch rechtzeitig verlassen kann.
    • ujay 03.05.2017 15:09
      Highlight Highlight GB schuldet der EU anscheiend um die 100 Mia Euro und kann darauf bestehen, dass dies beglichen wird VOR den Brexitverhandlungen. Sachlich und rechtlich gesehen ein normales Vorgehen, für uninformierte EU Basher narürlich ein herrlicher Aufreger😂😂😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • Majoras Maske 03.05.2017 13:31
    Highlight Highlight Die Forderung von 60 Mia Euro war wohl eher vor einigen Wochen oder Monaten und nicht "vor ein paar Jahren". ;)
    • Philipp Löpfe 03.05.2017 14:01
      Highlight Highlight Da hast du leider Recht. Ist schon korrigiert.

«Wollte ihm in den Arsch treten» – Churchills Enkel rechnet mit Boris Johnson und Co. ab

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