Wirtschaft
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Munter lächelt das Schweizer Sparschwein. bild:shutterstock

Fluch der starken Währung

Ist der Franken ein Auslaufmodell? So absurd ist diese Frage gar nicht

Der starke Schweizer Franken ist der Stolz der Nation. Das ist politisch sinnvoll, aber ökonomisch idiotisch. In Zukunft ist alles möglich – auch eine Welt ohne Franken.

Marco Curti, langjähriger Anlagechef der Zürcher Kantonalbank, hat laut darüber nachgedacht, ob der Schweizer Franken nicht bald zu einer aussterbenden Rasse werden könnte. Ausgangspunkt seiner These war ein Vergleich mit EU-Nachbarregionen wie Bayern oder Vorarlberg und die Erkenntnis, dass der Lebensstandard dort durchaus mit Schweizer Verhältnissen vergleichbar ist. Nicht der Franken sei damit Ursprung unseres Wohlstandes, folgert Curti in der «Schweiz am Sonntag», sondern die geografische Lage im Alpenbogen. 

Für den «Blick» war die der Anlass für die Schlagzeile «Dieser Mann will den Franken abschaffen». Chefredaktor René Lüchinger griff persönlich in die Tasten und warf Curti vor, «keine blasse Ahnung über die Folgen eines solchen Schrittes» zu haben. Dabei kam er zum Schluss: Den Franken aufzugeben, wäre Selbstmord. 

Wie ein Schneeball in der Hölle

Nun kann man sich darüber streiten, ob Curti sehr viel Ahnung von Politik hat. In der aktuellen Situation hat der Vorschlag, den Franken abzuschaffen, etwa die gleichen Chancen wie ein Schneeball in der Hölle. Doch ökonomisch ist der Vorschlag keineswegs absurd. 

Mit dem Mindestkurs hat die Schweiz die letzten dreieinhalb Jahre de facto mit dem Euro gelebt – und dies nicht so schlecht. Allerdings ist diese Tatsache offenbar nicht nur dem volkswirtschaftlich so kompetenten «Blick»-Chefredaktor verborgen geblieben, sondern auch 99,9 Prozent der Schweizer Bevölkerung.

Die Schweizerische Nationalbank hat den Mindestkurs zwar aus nachvollziehbaren Gründen aufgegeben. Sie hat sich jedoch damit auch auf ein Experiment mit ungewissem Ausgang eingelassen. Wo sich der Frankenkurs einpendeln wird und was die Folgen für die Schweizer Volkswirtschaft sein werden, darüber kann man mehr oder weniger intelligent spekulieren, mehr nicht. 

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Alles verkehrt: Alice im Wunderland. bild: shutterstock

Alles ist spiegelverkehrt

Wir leben in sehr speziellen, geldpolitischen Verhältnissen. Es ist ein bisschen wie bei «Alice im Wunderland». Alles ist spiegelverkehrt. Wer sein Geld auf die Bank trägt, erhält dafür keinen Zins, sondern muss dafür bezahlen. Selbst ein so erfahrener Banker wie Oswald Grübel bekennt offen: «Eine solche Situation wie heute habe ich noch nie erlebt.» 



«Unsere Zentralbanken sind die modernen Rumpelstilzchen: Sie können Gold spinnen.»

Thomas Mayer, ehemaliger Chefökonom der Deutschen Bank

So schnell wird sich das nicht ändern: Nach der amerikanischen und der englischen Notenbank haben nun auch die Bank of Japan und die Europäische Zentralbank das so genannte Quantitative Easing entdeckt. Will heissen: Sie fluten die Märkte mit billigem Geld in der Absicht, die Zinsen tief und die Währung schwach zu machen. Damit soll der schwächelnden einheimischen Wirtschaft unter die Arme gegriffen werden. 

Das Unbehagen der Experten

Die Folgen der weltweiten Geldflut sind derzeit nicht absehbar. Bei den Experten breitet sich Unbehagen aus. «Unsere Zentralbanken sind die modernen Rumpelstilzchen: Sie können Gold spinnen», schreibt Thomas Mayer in seinen kürzlich erschienen Buch «Die neue Ordnung des Geldes». Mayer war lange Chefökonom der Deutschen Bank und gilt als einer der wichtigsten Vertreter des konservativen deutschen Ordoliberalismus.

Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times», ist ein Vertreter der angelsächsischen Schule und normalerweise kein Freund der Ordoliberalen. Aber auch er stellt in seinem Buch «The Shifts and the Shocks» fest, dass die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik der letzten Jahre bloss die Illusion eines stabilen Finanzsystems vermittelt haben. Im Herbst 2008 sei dieser Traum endgültig geplatzt. «Die «grosse Mässigung» hat sich als Falle und als Täuschung herausgestellt», so Wolf. 

Vom Quantitativen Easing zum Währungskrieg

Die grosse Geldflut hat die Finanzmärkte unberechenbar gemacht. Was heute noch mit dem exotischen Begriff Quantitative Easing umschrieben wird, kann morgen schon in einen offenen Währungskrieg mit unabsehbaren Folgen ausarten. 

Der Schweizer Franken befindet sich dabei in einer ungemütlichen Lage. Nach wie vor ist er eine der beliebtesten Fluchtwährungen und daher gerade in unsicheren Zeiten sehr gefragt. Das wiederum lässt ihn so stark werden, dass er damit die Wirtschaft erschlägt – und zwar nicht nur die Exportwirtschaft. Auch KMU müssen sich heute im globalen Wettbewerb behaupten. 

«Die ‹grosse Mässigung› hat sich als Falle und als Täuschung herausgestellt.» 

Martin Wolf, Chefökonom «Financial Times»

Der Franken wird als nationales Symbol gesehen und daher mit patriotischem Eifer verehrt. Das ist politisch sinnvoll, aber ökonomisch idiotisch. Eine überwertete Währung kann grossen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Sollte sich der Frankenkurs nicht bei einem für die Wirtschaft noch verkraftbaren Kurs einpendeln, dann wird auch die Schweizerische Nationalbank über sehr ungewöhnliche Massnahmen nachdenken müssen, über Kapitalverkehrskontrollen beispielsweise. Vielleicht könnte sich dann der Anschluss an den Euro sogar als kleineres Übel erweisen. 

Bis 1927 war die Schweiz in einer Münzunion

Und übrigens: Der Franken wurde nicht auf dem Rütli eingeführt und auch nicht in Sempach verteidigt. Bis 1927 war die Schweiz Mitglied einer Münzunion mit Frankreich, Belgien, Italien und – kein Witz – Griechenland

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sklement 11.02.2015 18:02
    Highlight Highlight Der Alpenbogen soll den Wohlstand begünstigt haben? Hmm. Die Hanse war weitaus früher erfolgreich. Hierzulande haben unsere Vorfahren zu jener Zeit im Dreck gewühlt und waren froh, nicht zu verhungern. Die Schweiz hat eher von den Umständen des letzten Jahrhunderts profitiert.
  • 7immi 11.02.2015 06:35
    Highlight Highlight der "ökonomische nutzen" war ja der auslöser des euros. wenn man nun schaut, was der euro gebracht hat, würde ich eher sagen, das sei das auslaufmodell...
  • Alnothur 10.02.2015 22:20
    Highlight Highlight Franken oder Euro? Pest oder Cholera? Von einer Staatswährung zur anderen zu wechseln heisst, den selben Fehler zu wiederholen. Und frei nach Einstein machen das nur Dumme. Wenn wir an den Punkt kommen sollten, an dem ein Währungswechsel ansteht, wäre es nur konsequent, gar keine offizielle Währung mehr einzuführen. Die Technik ist so weit, und es gibt bereits heute schon nur dutzende Kryptowährungen, von denen auch einige bereits in Sachen Stabilität den Staatswährungen mehr als nur Konkurrenz machen.
  • Jol Bear 10.02.2015 22:16
    Highlight Highlight Einige interessante Aspekte im Beitrag, z.B. geographische Lage im "Alpenbogen", wo sich Schweiz, Süd-Deutschland und Norditalien befinden: Diesen Regionen geht es wirtschaftlich gut. Diesem Phänomen stärker auf den Grund zu gehen, Ursachen zu finden, wäre sehr interessant. Es sind ausserdem auch die positiven Aspekte einer starken Währung miteinzubeziehen (wird im Beitrag ausser Acht gelassen): sie zwingt die Exportindustrie, höchste Qualität zu produzieren, Unternehmen effizient zu führen, was eine höhere Krisenresistenz in Zukunft sichert. Genau das (der teure CHF) war bisher (vor Eurokrise) ein Hauptgrund für die ökonomische Stärke der CH. Und auch zu beachten ist, dass die Überflutung durch massloses Gelddrucken auch kein Dauerzustand sein kann und nicht sein wird. In einigen Jahren kann das alles ganz anders aussehen und eine leichtfertige Aufgabe des schweizer Frankens könnte sich als unüberlegter Schnellschuss erweisen.
  • Donald 10.02.2015 19:20
    Highlight Highlight Den Aspekt, dass wir dadurch reicher werden kann man da einfach auslassen?
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 10.02.2015 19:49
      Highlight Highlight Wir haben mehr Kaufkraft im Ausland, aber kriegen gleichzeitig weniger wenn wir etwas im Ausland verkaufen. Was ist wichtiger für die Schweiz, Import oder Export?
    • Donald 11.02.2015 02:04
      Highlight Highlight Angesichts der Tatsache, dass wir schon relativ reich sind und Wirtschaft dazu dient die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, dürfe es der Einkauf sein.
  • Maya Eldorado 10.02.2015 19:15
    Highlight Highlight Was gäbe das für eine Welt, wenn plötzlich alles Geld, real wie virtuell sich in nichts auflösen würde und keine Möglichkeit da wäre, es wieder herzustellen.

    Die Superreichen würden in ein tiefes Loch fallen und die Armen und Arbeitslosen würden sich regen und kreativ eine neue und bessere Welt schaffen. - Möglichkeit oder reine Utopie?
    • Qwertz 10.02.2015 19:56
      Highlight Highlight Reine Utopie. Die Reichen würden wieder Geld schaffen, während sich für die Arbeitslosen nicht allzu viel ändern würden. Denn die meisten wirklich armen haben einfach zu wenig Erfahrung mit dem Handeln, während sich viele Reiche durch Tauschhandel ihren Status mehr oder weniger erhalten könnten.

      Im Endeffekt würde so etwas nur zu weniger Reichen führen, aber nicht zur kompletten Umverteilung der Vermögen.
    • Maya Eldorado 10.02.2015 20:01
      Highlight Highlight Das ist mir schon klar. Ich fühl mich wie in einem Schraubstock.
    • trio 11.02.2015 18:30
      Highlight Highlight Da würde sich schon etwas ändern. Das es immer Reiche und Arme gab und auch geben wird ist klar. Das heutige System gerät aber aus den Fugen. Anscheinend besitzen die 85 Reichsten der Welt soviel wie die ärmere Hälfte, also ca. 3,5 Milliarden Menschen! Da ist es schon erlaubt sich alternativen zu überlegen.

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