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Trump und Putin als russische Matrjoschka.
Trump und Putin als russische Matrjoschka.
Bild: MAXIM SHIPENKOV/EPA/KEYSTONE

Warum Putin im Showdown mit Trump die besseren Karten hat

Der russische Präsident hat einen Plan und die Mehrheit seines Volkes hinter sich. Beides fehlt dem US-Präsidenten.
07.07.2017, 12:2707.07.2017, 13:47

Dass Donald Trump ein etwas seltsames Verhältnis zu Wladimir Putin hat, ist sattsam bekannt, und es gibt dafür sehr ausgefallene Erklärungen: Angeblich geheime Aufnahmen mit russischen Prostituierten, geschäftliche Verbindungen mit der Staatsbank VEB oder ganz einfach die Bewunderung eines Machos für den anderen.

«Unsere Werte werden sich durchsetzen, unsere Völker werden gedeihen. Und unsere Zivilisation wird triumphieren.»
Donald Trump

All dies wird der Sonderermittler Robert Muller klären müssen, doch ein Problem wird auch der ehemalige FBI-Chef nicht aus der Welt schaffen können: Geopolitisch will Trump im Grunde genommen dasselbe wie Putin, doch er muss mit sehr viel mehr Widerstand in den eigenen Reihen rechnen. Das wird der russische Präsident beim Showdown in Hamburg zu seinem Vorteil ausnützen.  

Diesmal hat es mit dem Händeschütteln geklappt: Trump und Angela Merkel.
Diesmal hat es mit dem Händeschütteln geklappt: Trump und Angela Merkel.
Bild: CLEMENS BILAN/EPA/KEYSTONE

Trump ist ein Dealer und ein Nationalist. Komplexe internationale Abmachungen sind ihm ein Gräuel. Deshalb hat er als eine der ersten Amtshandlungen den Freihandelsvertrag TPP gekillt und wettert immer wieder unkontrolliert gegen NATO und EU. In seiner Warschauer Rede hat Trump zwar die Werte des Westens betont, doch diese Werte sind klar die Werte des weissen Mannes. «Ich erkläre hier heute, dass der Westen nie untergehen wird», stellte der US-Präsident fest. «Unsere Werte werden sich durchsetzen, unsere Völker werden gedeihen. Und unsere Zivilisation wird triumphieren.»  

Diese Sätze könnte Putin ebenfalls unterschreiben. Der russische Präsident will aber auch sein Land wieder zu einer respektierten Grossmacht formen. Zu diesem Zweck hat er einen klaren Plan: Er will die internationalen Organisationen schwächen, die EU und die NATO spalten und die jahrzehntelange westliche Partnerschaft schwächen.

Putin als neuer Metternich

Dabei gerät Russland zwangsläufig auf Kollisionskurs mit den USA, die sich nach wie vor als unbestrittene Supermacht verstehen. Putin jedoch will die amerikanische Vormacht brechen und wieder zu einer Welt des 19. Jahrhunderts zurückkehren. Damals verfügten Grossmächte wie England, Österreich-Ungarn und Russland über ihre Einflusssphären und verhandelten über ihre Interessen auf Kongressen auf Augenhöhe.

Mit anderen Worten: Der russische Präsident möchte eine Art Fürst Metternich in einer Welt spielen, welche die Hegemonialmächte USA, China und Russland unter sich aufgeteilt haben.

Putin verfolgt seine Pläne beharrlich und mit zynischer Logik. Er weiss auch, dass er dabei die überwiegende Mehrheit seines Volkes hinter sich hat. Die Russen wollen eine Grossmacht sein, aus was für Gründen auch immer.

Putin muss keine Rücksicht nehmen

Bei Trump hingegen sieht dies anders aus. Er hat bloss rund 40 Prozent der Bevölkerung hinter sich. Zudem wird in der Russland-Frage selbst die eigene Partei nervös. Auch die Republikaner wollen, dass die Rolle des russischen Geheimdienstes bei den Wahlen aufgedeckt wird, und der Senat hat soeben eine Weiterführung der Sanktionen gegen Moskau beschlossen.  

Trump und Putin haben letztlich eine sehr ähnliche Sicht auf die Welt. Beide glauben an die Überlegenheit der weissen Zivilisation, beide sind Nationalisten und beide sind überzeugt, dass sie die Interessen ihre Nation mit bilateralen Deals am besten durchsetzen können. Der Unterschied liegt darin, dass Putin seine Absichten ungehindert umsetzen kann. Trump hingegen muss ständig gleichzeitig seine Bündnistreue gegenüber dem Westen beteuern und seine Fans mit markigen «America first»-Sprüchen bei Laune halten.

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