Wirtschaft
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Wie Putin Trump zum Präsidenten machen wollte und sich verzockt hat

Via Wikileaks häppchenweise E-Mails von Hillary Clinton veröffentlichen und so den Russland-Versteher Donald Trump ins Weisse Haus hieven – dieser scheinbar raffinierte Plan von Wladimir Putin erweist sich jetzt als übler Rohrkrepierer.



Der Plan

Im Zusammenhang mit den amerikanischen Präsidentschaftswahlen spricht man jeweils von einer «Oktober- Überraschung». Darunter versteht man das Phänomen, dass im Oktober gezielt Indiskretionen veröffentlicht werden, die den gegnerischen Kandidaten diskreditieren. Ronald Reagan hat mit einer solchen «october surprise» Jimmy Carter aus dem Amt geputscht. (Es ging damals um die US-Geiseln im Iran.)  

Donald Trump hätte mit einer sehr perfiden Oktober- Überraschung Präsident werden sollen. Das zumindest war der Plan von Russlands Präsident Wladimir Putin. Er beauftragte seinen Geheimdienst, den E-Mail-Server von Hillary Clinton und ihrer Entourage zu hacken, und liess diese E-Mails dann Wikileaks zukommen. Das wird vom US-Geheimdienst inzwischen bestätigt. Häppchenweise wurden die gehackten E-mails (die übrigens harmlos sind), den US-Medien zugespielt mit der Absicht, die ohnehin schon angeschlagene Hillary Clinton schachmatt zu setzen. 

epaselect epa05569386 Wikileaks founder Julian Assange in a live video link at a press conference on the 10th anniversary of Wikileaks, in Berlin, Germany, 04 October 2016. Assange, appeared via videolink from the Ecuadorian embassy in London.  EPA/MAURIZIO GAMBARINI

Nützlicher Idiot Putins: Julian Assange. Bild: EPA/DPA

Wäre der Plan aufgegangen, wäre er tatsächlich meisterhaft gewesen: Mit Hilfe der kritischen US-Medien – übrigens etwas, das es in Russland längst nicht mehr gibt – und einem ehemaligen Held der Linken, Wikileaks-Gründer Julian Assange, hätte Putin die linksliberale Kandidatin ausgehebelt und seinem Seelenverwandten, dem faschistoiden Donald Trump, zum Wahlsieg verholfen.  

Das Motiv

Die Preise für Öl und Gas sind in den Keller gerutscht. Damit ist Russlands wichtigste Geldquelle teilweise versiegt. Die Bevölkerung ist überaltert, es wird damit gerechnet, dass sie bis 2050 um zehn Prozent schrumpfen wird. Die Restrukturierung der Planwirtschaft ist gescheitert. «Stattdessen hat Putin den Staat massiv aufgebläht», stellt der «Economist» fest.

Mit einer aggressiven Aussenpolitik will Putin von den Schwierigkeiten seiner Innenpolitik ablenken. Bei Hillary Clinton hat er damit keine Chance. Die ehemalige US-Aussenministerin und derzeit erfahrenste Politikerin der Welt lässt sich von Putin trotz seines Pokerface nicht blenden. Das weiss Putin und versucht deshalb, ihre Wahl mit allen Mitteln zu verhindern.

Der Flop

Zunächst schien alles nach Plan zu gehen. Die verschwundenen E-Mails sorgten einmal mehr für grossen Ärger im Clinton-Lager. Julian Assange kündete vollmundig neue Enthüllungen und das Ende von Hillary an. Bei FoxNews liess man die Champagner-Korken knallen.  

Dann kam «Access Hollywood», die Tonbänder mit Trumps unsäglichen Aussagen über Frauen. «Dieser Skandal hat die mit Spannung erwarteten Wikileaks-Enthüllungen aus dem Wasser geblasen», schreibt der Politologe Mitchell Orenstein in «Foreign Affairs». Nicht Wirtschafts- oder Steuerpolitik, sondern was Frauen an sexueller Belästigung erleben und Männer in Umkleideräumen diskutieren, beherrscht seither die Schlagzeilen.

Jessica Wilson poses for a portrait with her sign as she takes part in a protest against Republican presidential candidate Donald Trump outside the Trump International Hotel and Tower in Chicago, Illinois, U.S. October 18, 2016.   REUTERS/Joshua Lott  TEMPLATE OUT.

Die Antwort auf Trumps unsägliches Tonband: PussyPower. Bild: JOSHUA LOTT/REUTERS

Noch verheerender als die Veröffentlichung der Tonbänder war Trumps Reaktion darauf. Anstatt sich zu entschuldigen und dann zu schweigen, tat er sie als Jugendsünde ab. Die Folge war, dass sich reihenweise andere Opfer in den Medien zu outen begannen. Amerikas Frauen – auch die konservativen – fühlen sich zu Recht beschmutzt und sind empört. Trumps Wahlchancen tendieren gegen null.  

Die Quittung

Endlich wird Putin auch im Westen als Gefahr erkannt. Präsident Barack Obama tat Russland als Regionalmacht ab und wollte seinen aussenpolitischen Schwerpunkt auf Asien legen. Das dürfte sich ändern. Hillary Clinton wird Putin sicher nicht mehr unterschätzen.

Bild

Putin ziert als Dämon das Titelblatt des «Economist».

Alle führenden Medien der westlichen Welt haben in den letzten Tagen ausführlich und kritisch über Putin und seine Machenschaften berichtet. Seine Propaganda-Walze gerät ins Stocken. Am 17. Oktober hat eine britische Bank erklärt, sie habe ihre Geschäftsbeziehungen mit RT aufgelöst. Neue Enthüllungen über den Putin-Propaganda-Sender und seine Trolls sind wahrscheinlich.

Wird Hillary Clinton tatsächlich gewählt und schneiden die Demokraten auch noch bei den Parlamentswahlen gut ab, dann erweist sich Putins vermeintlich genialer Plan als dummer Schulbubenstreich. Anstatt als raffinierter Stratege und entschlossener Führer im Rampenlicht zu stehen, befindet sich Putin weltpolitisch im Abseits und dank seiner Bromance mit Trump in der Schmuddelecke. Wie im Tennis heisst es: Game, set and match for Hillary.

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