Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

Nach wie vor stilbildend: Michael Douglas als skrupelloser Investmentbanker Gordon Gekko im Film «Wall Street».

Bankern eine neue Kultur verpassen zu wollen, ist etwa so sinnvoll, wie in Alaska Ananas zu züchten 

Wieder wird von einer «neuen Kultur» bei den Investmentbanken geschwafelt. Vergesst es!  



In den 1980er Jahren veröffentlichte Michael Lewis ein Buch mit dem Titel «Lügenpoker». Darin beschreibt er die Ausbildung von jungen Investmentbankern bei Salomon Brothers, damals die heisseste Bank an der Wall Street. Lewis schildert, wie die jungen Banker gedrillt und gedemütigt werden, und vor allem, wie sie lernen, sehr viel Geld zu verdienen.

«Lügenpoker» ist brillant und witzig geschrieben und wurde ein weltweiter Bestseller. Lewis jedoch hatte etwas ganz anderes im Sinn: Er wollte mit seinem Buch junge Menschen davor warnen, Investmentbanker zu werden. Trotz des vielen Geldes sei es letztlich ein Sch...job, lautete seine Botschaft. 

Er hat sein Ziel total verfehlt. Bald wurde er überschwemmt mit Anfragen nach Tipps, wie man am besten einen Job an der Wall Street erhält. 

Jungbanker werden nach wie vor gedrillt wie Elitesoldaten

Wer Investmentbanker wird, der will nicht die Welt verbessern. Er sucht das Risiko und den Glamour; und wer es schafft, der wird auch reichlich belohnt. Die beiden Ökonomen Thomas Philippon und Ariell Reshef haben nachgewiesen, dass die Deregulierung der Finanzmärkte zu einer Explosion der Bankerlöhne und Boni geführt hat. 

Daran hat auch die Finanzkrise nichts geändert. Jungbanker werden heute frisch ab College im Alter von 22 Jahren für ein Jahresgehalt von 120'000 Dollar eingestellt, plus Bonus. Nach wie vor werden sie gnadenlos gedrillt. Der «New York Times»-Reporter Kevin Roose hat rund ein Dutzend Jungbanker zwei Jahre lang begleitet. In seinem Buch «Young Money» stellt er fest: «Wie vor der Finanzkrise ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Analyst im ersten Jahr 100 Stunden pro Woche arbeitet.» 

Banker sind «too big to jail»

Die Finanzkrise hat jedoch einer breiten Öffentlichkeit aufgezeigt, dass Investmentbanker nicht nur viel Geld verdienen, sondern dass sie auch einen beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Mit dem Eigenhandel können über Nacht Milliarden vernichtet werden, wie die UBS im Fall Adoboli schmerzhaft erfahren musste; und die hochkomplexen Finanzinstrumente haben eine entscheidende Rolle im ganzen Schlamassel gespielt. Nicht ohne Grund nennt sie Warren Buffett die «Massenvernichtungswaffen der Finanzmärkte». 

Die Finanzkrise hat aber auch klar gemacht, dass einige Banken «too big to fail» sind und Banker «too big to jail». Mit anderen Worten: Grossbanken müssen gerettet werden, wenn man einen Kollaps des Finanzsystems verhindern will; und Topmanager können nicht ins Gefängnis geworfen werden, weil es sehr schwierig ist, ihnen direkte Verfehlungen nachzuweisen. 

300 interne Polizisten sollen den UBS-Bankern auf die Finger schauen

Das Resultat ist ein fauler Kompromiss: Die Behörden verhängen Bussen – zuerst in der Höhe von hunderten von Millionen, jetzt von ein paar Milliarden –, die Banken geloben Besserung und eine neue Kultur. Die UBS beispielsweise hat inzwischen 300 Leute eingestellt, die den Bankern auf die Finger schauen müssen. Angeführt werden sie von einem ehemaligen britischen Profimilitär. 

Genutzt hat es bisher nichts. Die «New York Times» hat soeben eine Studie über die aktuelle Kultur der Investmentbanken veröffentlicht. Das Resultat ist vernichtend: «Es gibt kaum Anzeichen, dass sich die Wall Street gebessert hätte, sondern es scheint, dass die Lektionen der Krise nicht gelernt worden sind. Die unglaublich hohen Bussen und die neuen Regeln scheinen wenig Wirkung zu zeigen.» 

Formel-1-Rennfahrer sind keine Velotouristen

Was die Banken mit einer angeblich «neuen Kultur» versuchen, ist die Quadratur des Kreises. Es ist etwa so, wie wenn man von Formel-1-Fahren verlangen würde, sie sollten sich verhalten wie Velofahrer. Wer als Investmentbanker Erfolg haben will, muss stets die Grenzen der Legalität ausloten und manchmal auch ein bisschen überschreiten. Ein guter Investmentbanker wird das auch immer schaffen, selbst wenn er von Heerscharen von internen Polizisten überwacht wird. 

Franz Josef Strauss, Bayerns legendärer Ministerpräsident, hat einst erklärt, er würde lieber Ananas in Alaska anpflanzen als Bundeskanzler werden. Das gilt auch für die Banken: Solange die finanziellen Anreize so verlockend sind, wird es stets intelligente junge Menschen – meist weisse Männer im übrigen – geben, die sich auf dieses Abenteuer einlassen, und sich durch nichts abschrecken lassen. 

Das könnte für dich auch noch interessant sein:

Die teuersten Bussen der UBS – eine Chronologie

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

14
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Roger Gruber 26.05.2015 08:15
    Highlight Highlight Die Lösung liegt längst auf dem Tisch: 1. Verstaatlichung von den Bankbereiche im Kundengeschäft, damit bei einem Crash die Gelder und Zahlungen gesichert bleiben. Die Investmentbanken sind dann nicht mehr "too big to fail", sondern können wie alle Unternehmen Konkurs machen. 2. Verstaatlichung der Geldschöpfung. Diese muss Hoheit des Staates (NICHT der Regierung, sondern eine unabhänigige Instanz) werden. JFK wollte dies in den USA einführen, indem er den Federal Reserve Act rückgängig machen wollte. Kurz darauf wurde er ermordet..
    3 1 Melden
  • Albert Nyfeler 24.05.2015 12:37
    Highlight Highlight Sehr interessanter Artikel. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es wie in allen Branchen, Banker und Banker gibt.

    Diesen Unterschied lässt sich nich unbedingt auf unterschiedliche Moral sondern eher auf die Position in der Unternehmung zurückführen.

    http://derfunke.at/aktuelles/oekonomie/10220-so-arbeitet-das-banker-proletariat
    3 3 Melden
    • Hans Jürg 25.05.2015 00:50
      Highlight Highlight oder vielleicht ist die Position der Ehrlichen nur deshalb tiefer, weil sie sich eben an Moral und Gesetz halten. Damit macht man sich nämlich in einer Bank nicht unbedingt Freunde in der oberen Etage.
      1 0 Melden
  • Schneider Alex 24.05.2015 07:48
    Highlight Highlight Löhne der Top-Kader reduzieren!

    Es gibt Löhne ausserhalb jeden Anstandes. Diese haben weder mit der Leistung noch mit der Verantwortung etwas zu tun, sei es, dass Leute aus der "zweiten Reihe" mindestens gleich viel leisten wie die Top-Leute, sei es, dass "goldene Fallschirme" die Top-Leute vor den Auswirkungen falscher strategischer Entscheide schützen. Die Top-Kader der Grossunternehmungen schanzen sich international ihre feudalen Entschädigungen gegenseitig zu. Diese Feudalisierung der Wirtschaft muss international bekämpft werden wie das Bankgeheimnis.
    20 0 Melden
    • cassio77 24.05.2015 21:08
      Highlight Highlight und was zur hölle ist der zusammenhang zwischen bankgeheimnis und abzockerei bei investmentbankern? ich steh auf'm schlauch, lasse es mir aber gerne erklären.
      4 2 Melden
  • Statler 24.05.2015 04:14
    Highlight Highlight Wenn die einzige Motivation, einen Job zu machen, die Kohle ist, kann nichts Gutes dabei rauskommen.
    Was unsere (ganze) Gesellschaft dringend nötig hätte, ist eine Werte-Diskussion. Denn das Problem sind nicht nur die (Investment)-Banker; die sind nur die dreckige Spitze des Eisbergs.
    24 0 Melden
    • Alphonse 24.05.2015 17:47
      Highlight Highlight @ratson: Ich gebe Ihnen recht, dass eine Gesellschafts- bzw. Wirtschaftsordnung das Wertesystem prägt. Doch prägt ein Wertesystem auch die Ordnung und kann diese verändern. Werden Sie Astronaut und führen uns vor! :)
      3 1 Melden
  • Zeit_Genosse 23.05.2015 20:04
    Highlight Highlight Umfeld bestimmt Verhalten. Die Banken müssen das Umfeld verändern, damit sie andere Bänker anziehen und sich eine andere Kultur bilden kann. Darüber hinaus müssen vom Topmanagement andere Ziele kommen und die Boni sollen an verantwortungsbewusstes Handeln statt an Höchstperformance gebunden werden. Doch da gibt es zwei Gegenspieler. Die Shareholder wollen beste Performance für die Bank und peitschen ihre Crew an. Das Markt mit der Konkurrenz setzt auch auf Höchstperformance. Damit ist das Umfeld gegeben und nur Ar.........r überleben in dem Umfeld wo sich alles um Gewinnmaximierung dreht und die reale Welt kein platz hat. Too big to change!
    13 4 Melden
    • Alphonse 23.05.2015 22:20
      Highlight Highlight Ich stimme Ihnen bis auf "Too big to change!" zu, werter Zeit_Genosse. Es ist wichtig, dass dieses Thema intensiv öffentlich weiter diskutiert wird. Die Öffentlichkeit & die Politik kann Druck auf die Bankenkultur ausüben und Veränderungen an den Ausbildungsplätzen von zukünftigen Bankern vorantreiben: http://www.uzh.ch/news/articles/2012/der-gute-oekonom.html. Durch eine rege Diskussion, neue gesellschaftliche Werte und Umdenken kann die gegenwärtige Mainstream-Bankenkultur an Popularität verlieren, sodass neue Anreize entstehen, bei einer Bank zu arbeiten & eine neue Bankenkultur aufkommt.
      9 1 Melden
    • Alphonse 23.05.2015 23:44
      Highlight Highlight Der Link funktioniert nur ohne Punkt am Schluss: http://www.uzh.ch/news/articles/2012/der-gute-oekonom.html
      2 0 Melden
    • Alphonse 24.05.2015 16:55
      Highlight Highlight @ratson: Das System ist von Menschen gemacht und kann von Menschen verändert werden. Jede Wirtschafts- bzw. Gesellschaftsordnung verdirbt oder zerstört sich langfristig selber, wenn der Mensch den Werten entsagt, die ein nachhaltiges Zusammenleben ermöglicht. Es ist der Mensch, der neue Strukturen und Ordnungen kreiert. Jeder kann dazu beitragen, indem er sich aktiv einsetzt und neue Werte in seinem Umfeld schafft und den alten entsagt. Darin liegt die Herausforderung. So wird das heutige Cool, zum morgigen Uncool!
      2 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Alphonse 23.05.2015 19:30
    Highlight Highlight Toller Artikel! Bleiben Sie bitte bei diesem Thema dran. Das schwerwiegende an der Finanzkrise ist die Krise der Werte & um diese fortschrittlich zu bewältigen, sollte die alte Generation und die Mainstream-Ökonomik abdanken. Es braucht eine junge Generation, die sich fragt, ob es wirklich sinnvoll ist, so vorzugehen, wie es bislang üblich war – nämlich einfach nachzumachen, was die vorherige Generation gemacht hat. Wir sollten uns fragen, was wir tun können, um eine Gesellschaft zu haben, in der die Menschen weit mehr Freiheiten haben, ein Leben zu führen, auf das sie stolz & glücklich sind.
    19 4 Melden
  • manhunt 23.05.2015 19:20
    Highlight Highlight michael douglas, nicht micheal fox.
    11 0 Melden

«Wir haben es in der Hand, ein Massensterben zu verhindern»

Die Artenvielfalt ist in den letzten 50 Jahren dramatisch gesunken. Das zeigt der WWF in seiner neuesten Ausgabe des Living Planet Index auf. Zum Glück findet ein Umdenken bei den Menschen statt. Das sagt Thomas Vellacott, CEO des WWF Schweiz. 

60 Prozent der Tierarten sind in den letzten 50 Jahren verschwunden. Ist es also gerechtfertigt, von einem sechsten Massensterben zu sprechen? Ja, heute sterben 100 bis 1000 Mal mehr Arten aus als in vergangenen Zeiten. Das ist einmalig – und wir Menschen sind die Ursache. Der Living Planet Index des WWF untersucht die Populationstrends und zeigt so Veränderungen sehr früh an.

Ist dieses Massensterben nicht mehr aufzuhalten? Die kurze Antwort lautet: doch. Taucht man tiefer in die Daten ein, …

Artikel lesen
Link to Article