Wirtschaft
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epa01388347 A shopper on the high street in central London, Britain, 19 June 2008. A record level of retail spending is providing a respite from gloomy economic predictions, but it has also fanned fears of higher interest rates. Retail sales rose by 3.5 percent during May, the strongest monthly growth since January 1986, statistical office figures show. Analysts said the figures ran contrary to signs of a slowing economy and weak consumer confidence. Earlier, the Bank of England had warned the UK was heading for difficult times and it would act to rein in inflation. The Bank of England's governor, Mervyn King, said the UK was facing its 'most difficult economic challenge for two decades'.  EPA/ANDY RAIN

Der irische Modegigant Primark steht nicht das erste Mal am Pranger. Bild: EPA

Primark am Pranger

Hilferuf aus der Fabrik: Wer hinter den eingenähten Botschaften stehen könnte – und eine Schwarze Liste von Schweizer Unternehmen

Das Medienecho auf die eingenähten Hilferufe in Primark-Kleidern ist gewaltig. In den sozialen Medien löste das Bekanntwerden der Hilferufe, die angeblich von Näherinnen angebracht worden sein sollen, einen veritablen Shitstorm aus. Dort, wo sonst Waschanleitungen, Informationen über das verwendete Material und Herstellungsland eingenäht sind, fanden verschiedene Kundinnen sonderbare Nachrichten: «Forced to work exhausting hours» oder «Degrading Sweatshop Conditions».

Eingenähte Hilferufe 

Dass der irische Modegigant Primark am Pranger seht, erstaunt nicht. Seit bekannt wurde, dass das Unternehmen Kleidung im Bangladescher Fabrikgebäude Rana Plaza hatte fertigen lassen, das im April 2013 eingestürzt war, steht die Billigmodekette in der Kritik. Damals starben 1129 Menschen. Das ZDF zeigte in einem Beitrag bereits vor geraumer Zeit, wie der Modegigant seine Angestellten ausbeutet.

Zurück zum aktuellen Fall: In einer ersten Reaktion versprach Primark Untersuchungen einzuleiten und publizierte ein entsprechendes Statement via Twitter: 

Mit «Craftivism» gegen Ausbeutung

Dass die Arbeitsbedingungen – besonders in Bangladesch – miserabel sind, ist kein Geheimnis. Ob die Botschaften aber wirklich von Näherinnen angebracht wurden, darf bezweifelt werden. Die Idee könnte den Köpfen hinter der Clean Clothes Campaign (CCC) entsprungen sein, die die Aufmerksamkeit der Konsumenten auf die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in den Produktionsländern zu lenken versuchen.

Dabei könnte sich die CCC dem «Craftivismus» bedient haben. Im angelsächsischen Raum firmiert der Trend als «Craftivism», eine Verschmelzung von «Craft» – Handwerk – mit «Activism». Eine Kunstform, die zwischen Aktivismus und Handarbeit oszilliert – am besten bekannt durch die bunte Bestrickung und Behäkelung des öffentlichen Raums.

«Craftivisten» achten darauf, keine Billigware zu kaufen, um nicht Ausbeutung und Kinderarbeit zu unterstützen. In Massenproduktion Gefertigtes soll durch selbstgemachte Dinge ersetzt werden. Eine Kritik, die als Gegenökonomie zum globalisierten Wirtschaftsmodell verstanden werden will. 

Von der Erklärung von Bern (EvB), die das Kampagnen-Netzwerk in der Schweiz vertritt, lässt sich dazu kein Kommentar entlocken. Auf der Website der CCC ist zum Fall Primark bereits ein Bericht online, in dem (fast allzu schnell) darauf hingewiesen wird, dass die Authentizität der Botschaften zwar nicht nachgewiesen werden könne, die Spekulationen darüber aber nicht davon ablenken sollten, dass die Arbeitsbedingungen für Näherinnen sehr schlecht seien. 



Modefirmen im Fair-Fashion-Check

Was können Schweizer Konsumenten tun, damit sie nicht in die Billigmode-Falle tappen? Eine von vielen Möglichkeiten sich zu informieren, welche Kleiderhersteller Ihren Angestellten – vor allem Zulieferfirmen stehen hier im Fokus – existenzsichernde Löhne bezahlen und die Menschenrechte einhalten, ist die App «Fair Fashion?» der EvB. Dazu befragte die NGO 18 der bekanntesten Schweizer Modefirmen unter anderem zur Unternehmens-, Einkaufs- und Preispolitik und dem Ermöglichen von gewerkschaftlichen Aktivitäten.

Allerdings wurden aktuelle Lohnniveaus nicht berücksichtigt. Zudem wurden die gesammelten Informationen nicht von unabhängiger Stelle verifiziert. Drei der 18 kontaktierten – Metro Boutique, Tally Weijl und Yendi – haben laut EvB den Fragebogen nicht ausgefüllt. Diese Firmenprofile wurden mittels öffentlich zugänglichen Informationen erstellt. 

Welches Unternehmen zahlt faire Löhne?

Bild

App der EvB: «Fair Fashion?»

Wir haben für Sie eine unvollständige Liste mit Schweizer Labels zusammengestellt, die die EvB für die App bewertet hat. Erstes Fazit: Auch bei Schweizer Unternehmen besteht hinsichtlich Arbeitsbedingungen noch viel Luft nach oben. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Stephan Locher 27.06.2014 23:27
    Highlight Highlight Die App ist ganz nett, die meisten "meiner" Marken sind dort allerdings gar nicht drin.
    Da entscheide ich mich dann meist trotz bedenken zum Kauf.

    Praktischer fände ich eine positiv Liste mit Unternehmen welche von der Produktion bis hin zum Verkäufer im Laden gute Löhne und Arbeitsbedingungen garantieren.
  • Schneemaa_ 26.06.2014 17:39
    Highlight Highlight Alles hat eben seinen Preis, auch Billigware.
    • Markus L 27.06.2014 00:04
      Highlight Highlight Das Schlimme ist wohl, dass auch teurere Markenkleider unter den selben Bedingungen genäht werden, wie billige. Es gibt kaum Kleiderläden, die garantieren können, dass ihre Kleider fair genäht wurden. Ich kenne keinen einzigen. Bereits 5 Stutz mehr pro T-Shirt würde den Lohn der NäherInnen deutlich anheben... Es liegt an uns, das von den Läden einzufordern. Bei Bio-Food hats auch geklappt, kriegt man heute bei jedem Supermarkt.
  • hpm 26.06.2014 17:09
    Highlight Highlight Ich glaube nie im Leben, dass die MSG von den Fabrikarbeiter kommt. Jedenfalls haben sie jetzt die Aufmerksamkeit erlangt.

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