Wirtschaft
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Lesen macht Spass – vor allem in den Ferien. bild: shutterstock

Diese zehn Sachbücher machen dich in den Sommerferien schlau

Spannender geschrieben als Romane und aufregender als TV-Serien: Sachbücher sind die beste Ferienlektüre.



«Nichts ist aufregender als die Wirklichkeit.» Kaum je hatte diese Redensart mehr Gültigkeit als heute. Die politische Welt spielt verrückt, in der Wirtschaft krempelt die Digitalisierung alles um und Technik und Wissenschaft stossen in neue Dimensionen vor. 

Wir leben in einer Wendezeit, in einer Zeit, in der sich – etwas pathetisch ausgedrückt – vielleicht gar das Schicksal der Menschheit entscheiden wird. Das ist gleichzeitig spannend und erschreckend – und ein guter Grund dafür zu versuchen, sich darüber schlau zu machen, was in der Welt abgeht.    

Wirtschaft und Gesellschaft

Hier empfiehlt sich ein Dreierpack: Edward Luce, «The Retreat of Western Liberalism», Taylor Cowen, «The Complacent Class» und Richard Florida, «The New Urban Crisis». Alle drei Bücher sind ein weiterer Beweis für die These, wonach Angelsachsen unschlagbar gut darin sind, komplexe Themen verständlich darzustellen.  

«Wenn die nächsten Jahre den vergangenen gleichen, dann ist es fraglich, ob die westliche Demokratie das noch aushalten wird.»

Edward Luce

Edward Luce ist US-Korrespondent der «Financial Times». Ihm gelingt es meisterhaft, Brexit und Donald Trump in einen grösseren Rahmen zu stellen und mit der Entwicklung der Gesellschaft zu verbinden. Er geht dabei auf die Frage ein, ob die westliche Demokratie zu einem Auslaufmodell geworden ist.

Er kommt dabei zu einem eher pessimistischen Fazit: «Wenn die nächsten Jahre den vergangenen gleichen, dann ist es fraglich, ob die westliche Demokratie das noch aushalten wird. Die Menschen verlieren das Vertrauen ins System. Immer mehr schauen zurück in ein goldenes Zeitalter, das nie zurückkehren wird. Wenn eine Kultur nicht mehr in die Zukunft blickt, dann verliert sie ihre Lebenskraft. Die Suche nach dem Paradies endet stets in Tränen.»    

Tyler Cowen

Tyler Cowen bein einem Vortrag am GDI in Rüschlikon.

Tyler Cowen ist Professor an der George Mason University und gehört derzeit zu den gefragtesten Ökonomen der Gegenwart. Seine These steht im Gegensatz zur allgemeinen Start-up-Euphorie: Die Menschen in der modernen Gesellschaft werden nicht unternehmenslustiger, sondern bequemer. Wir gleichen unsere Bedürfnisse – von Musik über Essen bis zum Sexpartner – ab und werden so träge. «Was verloren geht, ist die Fähigkeit, sich eine völlig andere Welt vorzustellen», so Cowen.  

Richard Florida war einst der Prophet der Urbanisierung. Städte seien der ideale Nährboden für eine neue «kreative Klasse», schwärmte er um die Jahrhundertwende. Inzwischen ist er skeptischer geworden. Superstar-Citys wie New York und London, aber auch Zürich und Genf, verwandeln sich in Festungen für Superreiche.  

Die Stadtentwicklung wird zunehmend von den Interessen des Kapitals und der Gier getrieben. Auf der Strecke bleiben dabei der normale Mittelstand und die Kreativen. «In wenig mehr als einem Jahrzehnt hat sich die Revitalisierung der Städte, die ich vorausgesagt hatte, verwandelt in eine ausufernde Gentrifizierung, die einen Keil zwischen reiche Zuzügler und Alteingesessene getrieben hat», klagt Florida.    

Politik

Zuwanderung und die Flüchtlinge werden die Politik auch weiterhin bestimmen. Das Problem wird sich nicht mit einer gut gemeinten Willkommenskultur lösen können. Wer das Feld nicht der SVP und anderen Demagogen überlassen will, muss sich auch über unangenehme Dinge informieren. In diese Kategorie gehört etwa das Buch «Eritrea, der zweite Blick» von Hans-Ulrich Stauffer.  

THEMENBILD ZUM SDA TEXTPAKET  MIGRATION UND FLUCHT --- 2016 AP YEAR END PHOTOS - Migrants, most from Eritrea, jump into the water from a crowded wooden boat as they are helped by members of an NGO during a rescue operation in the Mediterranean sea, about 13 miles north of Sabratha, Libya, on Aug. 29, 2016. Thousands were rescued from more than 20 boats by members of Proactiva Open Arms before being transferred to the Italian cost guard and other NGO vessels operating in the area. (AP Photo/Emilio Morenatti, File)

Flüchtlinge aus Eritrea werden aus dem Mittelmeer gefischt. Bild: AP

Stauffer ist ein bekennender Alt-68iger und grenzt sich dezidiert von den Rechtspopulisten ab. Sein Buch ist zudem im linken Rotpunktverlag erschienen. Stauffer ist ein profunder Afrika-Kenner und hat Eritrea mehrmals besucht. Dieses Land hat sich jahrzehntelang im Krieg befunden: zuerst gegen die Italiener, dann gegen die Engländer und zuletzt gegen die Äthiopier, mit denen es bis dato bloss einen Waffenstillstand geschlossen hat.

Der endlose Krieg hat dazu geführt, dass die einst bewunderte eritreische Befreiungsfront sich zu einem rigiden Regime verwandelt hat, aus dem vor allem junge Menschen fliehen, weil sie in einen jahrelangen Nationalen Service gezwungen werden und keine Perspektiven sehen. Doch Stauffer zeigt auch auf, dass Eritrea keine korrupte Diktatur ist, wie es in Afrika leider üblich ist. Die Eritreer sind vielmehr extrem auf ihre Unabhängigkeit bedacht und unterwerfen alles diesem Ziel.  

«Langsam dämmert es einzelnen europäischen Staaten und einigen internationalen Organisationen, dass die Flüchtlingsbewegung nicht allein durch die Proklamation von Menschenrechten und die Limitierung des National Service beendet werden kann», so Stauffer.  

Die Sicht der knallharten Konservativen

Im Gegensatz zu Stauffer ist Hans-Peter Schwarz ein knallharter Konservativer. Trotzdem lohnt es sich, sein Buch «Die neue Völkerwanderung nach Europa» zu lesen. Der deutsche Politologe vertritt darin die Abschottungsposition in der Flüchtlingsfrage und zieht Parallelen zum Untergang des römischen Reiches. Auch wenn dieser Vergleich fraglich ist, es lohnt sich stets, wenn man die Argumente der Gegenseite kennt.      

Naturwissenschaften

Das Gehirn hat Hochsaison. Gleich mehrere Bücher sind in letzter Zeit zu diesem Thema erschienen. Für Einsteiger lohnt sich «The Brain. Die Geschichte von dir» von David Eagleman. Der britische Neurowissenschaftler erklärt dabei in verständlicher Sprache und mit farbigen Grafiken, wie unsere grauen Zellen funktionieren.  

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Weibliches Gehirn als Röntgenbild. bild: shutterstock

Eagleman zeigt zudem, dass es keineswegs unrealistisch ist, dass unser Gehirn einst erweitert werden kann und wir zu Mensch-Maschinen werden. «Wenn wir die Grenzen unserer angeborenen Sinnesorgane und Gliedmassen hinter uns lassen, werden wir andere Menschen sein», so Eagleman. «(...) Wir Menschen von heute haben vielleicht mehr mit unseren steinzeitlichen Vorfahren gemeinsam als mit unseren Nachfahren der nahen Zukunft.»  

Mit der Vergangenheit der Gehirnforschung setzt sich Matthias Eckoldt in «Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist» auseinander. In der Antike spielte es keine Rolle, damals stand das Herz im Mittelpunkt. Erst im ausgehenden Mittelalter wurde die Erforschung des Gehirns massgeblich vorangetrieben, zunächst mit eher grusligen Methoden. Mit Experimenten an Hingerichteten wurde ermittelt, wie unser Gehirn funktioniert.  

Eckoldt kommt mit seiner historischen Perspektive jedoch zu einem völlig anderen Schluss als der Neurowissenschaftler Eagleman. Sein Fazit lautet: Wir wissen im Grunde genommen noch Nichts – und werden es auch nie tun. Daran ändern auch die modernsten Forschungsmethoden nichts. «Nach einem Vierteljahrhundert Forschung mit den neuen Verfahren hat es sich als gewaltiger Trugschluss herausgestellt, dass man mit modernster Bildgebung dem Gehirn bei der Arbeit zusehen kann und dadurch verstehen lernt, wie es funktioniert», stellt Eckoldt nüchtern fest.  

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Unendlich weit, unendlich faszinierend: das Universum. bild: shutterstock

Ein P.S: Astrophysik ist gewissermassen das Gegenstück zur Gehirnforschung. Anstatt wahnwitzig klein ist alles unglaublich gross – aber genauso faszinierend. Neil DeGrasse Tyson hat dazu ein brillantes Büchlein für Einsteiger verfasst, «Astrophysics for People in a Hurry». Es lohnt sich allein schon wegen des Eingangszitats: «Das Universum ist nicht verpflichtet, für dich einen Sinn zu ergeben.»    

Technik

Auch hier zuerst etwas Historisches: «Tesla» von W. Bernard Carlson. Dabei geht es nicht um das Auto, sondern um Nikola Tesla, dem Erfinder des elektrischen Zeitalters. Carlson verbindet das Leben und das Schaffen eines ausserordentlichen Mannes auf meisterhafte Art und Weise. Er zeigt auf, wie der Sohn eines orthodoxen serbischen Priesters, der in einem kroatischen Kaff aufgewachsen war, den Wechselstrom-Motor erfand und zu einem Superstar in New York am Ende des 19. Jahrhunderts wurde. Wie er zunächst gefeiert und danach fallengelassen wurde. Eine lohnenswerte Lektüre, selbst wenn man die technischen Details nur erahnen kann.  

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Nikola Tesla verblüffte die Welt mit seinen Selbstversuchen.

In die Zukunft weist das Buch «Blockchain Revolution» von Don Tapscott und seinem Sohn Alex. Die Blockchain entwickelt sich immer mehr zu einem zentralen Pfeiler der Digitalisierung. Sie verändert unser Geld, unsere Geschäftsabläufe und vielleicht bald unsere Welt. «Die Blockchain ist eine der fundamentalsten Erfindungen in der Geschichte der Computerwissenschaften», schreibt Marc Andreesen in seinem Testimonial zum Buch. «Lest es, um die weitgehenden Implikationen zu verstehen.»

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