Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04380310 A picture made available on 02 September 2014, shows the logo of Nestle on a sign at the new coffee factory of food and beverage company Nestle in Schwerin, Germany, 27 August 2014. The new factory will be officially inaugurated on 05 September 2014.  EPA/JENS BUETTNER

Der Schweizer Grosskonzern Nestlé setzt weiter auf internationale Fachkräfte. Bild: EPA/DPA

Keine Reaktion aufs Abstimmungsresultat

Nach der Masseneinwanderungs-Initiative: Grösste Schweizer Firmen haben keine Lust, die Zuwanderung zu reduzieren

Thomas schlittler / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Trotz Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wanderten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres unter dem Strich 37'147 Menschen in die Schweiz ein. Nur im Rekordjahr 2013 war die Zuwanderung höher. 

CVP-Bundesrätin Doris Leuthard macht dafür in erster Linie die Unternehmen verantwortlich: «Ich bin von der Wirtschaft enttäuscht», sagte Leuthard vor wenigen Wochen in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». 

Sie sehe noch immer keine Massnahmen zur Drosselung der Zuwanderung, die zeigen würden, dass die Wirtschaft den Volksentscheid vom 9. Februar ernst nehme. 

Johann Schneider-Ammann nimmt die Unternehmer derweil in Schutz: «Die Wirtschaft hat spätestens nach dem Ja zur Zuwanderungsinitiative verstanden, dass etwas gehen muss», sagte der FDP-Bundesrat am Dienstag.  

Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Eidgenoessischen Departements fuer Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF, aeussert sich ueber die Fachkraefteinitiative, waehrend der Pressekonfernz des Bundesrates, am Freitag 19. September 2014 in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Johann Schneider-Ammann nimmt die Wirtschaft in Schutz. Bild: KEYSTONE

Die Bundesräte sind sich also nicht einig, ob die Wirtschaft seit Annahme der Masseneinwanderungsinitiative genug tut, um das Fachkräftepotenzial im Inland besser zu nutzen. Bei den Parlamentariern gehen die Meinungen erst recht auseinander. 

Um sich ein eigenes Bild zu machen, fragte die «Aargauer Zeitung» bei den grössten Arbeitgebern der Schweiz nach, ob sie seit Annahme der Masseneinwanderungsinitiative Massnahmen ergriffen haben, die helfen sollen, das Fachkräftepotenzial im Inland besser zu nutzen. 

Grosskonzerne haben nicht reagiert

Das Ergebnis ist ernüchternd: Keiner der angefragten Grosskonzerne hat aufgrund des Abstimmungsergebnis Änderungen bei der Personalrekrutierung vorgenommen. 

Und etwas Neues aufgegleist wurde lediglich bei der Credit Suisse: Diese startet im ersten Quartal 2015 die Initiative «Real Returns», die talentierten Frauen, die aufgrund familiärer Verpflichtungen den Beruf in den Hintergrund gestellt haben, die Wiedereingliederung in die Wirtschaft erleichtern soll. 

ARCHIV - ZUR BEKANNTMACHUNG DER ZAHLEN DES ERSTEN QUARTALS 2014 DER CREDIT SUISSE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Das Logo der Credit Suisse, Donnerstag, 24. April 2008 in Zuerich. Der Reingewinn fiel im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel auf 859 Mio. Franken, obwohl sich die Bank in der Vermoegensverwaltung verbessern konnte.(KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Die Credit Suisse fördert mit der Initiative «Real Returns» talentierte Frauen. Bild: KEYSTONE

Die meisten der grossen Arbeitgeber gehen dagegen nicht einmal konkret auf die Fragen der «Aargauer Zeitung» ein. Stattdessen erklären die Grosskonzerne von ABB bis Zurich, dass sie seit jeher sehr viel tun würden, um möglichst viele Fachkräfte im Inland zu finden. 

Was folgt sind umfassende Beschreibungen der jeweiligen Rekrutierungsinstrumente: Die Auflistungen reichen von der Anzahl Ausbildungsplätze über Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten nach der Lehre, über familienfreundliche Arbeitszeitmodelle bis hin zu flexiblen Pensionierungslösungen. 

Teilweise kommen dabei fortschrittliche Konzepte zutage: Bei ABB zum Beispiel besteht die Möglichkeit, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. 

ZUM ZWEITEN QUARTALS-GESCHAEFTSJAHR 2014 DES ENERGIETECHNIK- UND AUTOMATIONSKONZERNS ABB STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG - Logo des Industriekonzerns ABB, aufgenommen am 25. Maerz 2010 in Baden im Kanton Aargau. (KEYSTONE/Gaetan Bally) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Bei der ABB kann man über das Rentenalter hinaus arbeiten. Bild: KEYSTONE

Novartis spricht mit dem Programm «Prime Force» ebenfalls gezielt ältere Mitarbeitende an, um ihr Fachwissen über das reguläre Pensionsalter hinaus in der Firma zu behalten. 

Zudem unterstützt der Basler Pharmariese in einer Kooperation mit der Universität St. Gallen das Projekt «Woman Back to Business», das Frauen adressiert, die wieder in den Beruf einsteigen möchten. 

Doch alle diese gut gemeinten Massnahmen haben das gleiche Problem: Sie bestehen schon seit langem und konnten die Zuwanderung der letzten Jahre nicht eindämmen – was schliesslich die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative zur Folge hatte. 

Es ist also eine Tatsache, dass die Grosskonzerne seit dem Ja am 9. Februar untätig geblieben sind. Aus den umfangreichen Antworten ist herauszulesen, dass die meisten darauf hoffen, sich auch in Zukunft ohne grosse Einschränkungen auf dem europäischen Arbeitsmarkt bedienen zu können. 

Nestlé setzt weiter auf internationale Fachkräfte

So schreibt etwa Nestlé: «Als multinationales Unternehmen sind wir darauf angewiesen, international rekrutieren zu können.» 

epa04344374 (FILE) A file picture dated 28 February 2002 of a Swiss flag flying over Nestle's headquarter in Vevey, Switzerland. Nestle, the world's biggest food company, said 07 August 2014 that its net profit sank 9.5 per cent to 4.63 billion Swiss francs (5.1 billion dollars) in the first half of the year, as the strong Swiss currency hurt earnings. Revenues dropped 4.8 per cent to 42.98 billion francs year-on-year, Nestle said. However, Nestle's organic revenue growth, which does not include negative currency effects, reached 4.7 per cent.
The strong franc lowers the value of foreign-currency earnings. Nestle also announced that it would buy back shares worth 8 billion francs through next year.  EPA/FABRICE COFFRINI *** Local Caption *** 99278856

Nestlé: «Wir sind auf darauf angewiesen, international rekrutieren zu können». Bild: EPA/KEYSTONE FILE

Schwierig einzuschätzen ist, ob die Grosskonzerne tatsächlich bereits seit Jahren alles in ihrer Macht stehende tun, um den Schweizer Arbeitsmarkt voll auszuschöpfen. 

Von aussen betrachtet, bleibt auf jeden Fall der Eindruck, dass sie sich bei Zuwanderungsfragen auf folgende Taktik geeinigt haben: Nichts sehen, nichts hören und nichts sagen. 

Mildernd ist zu sagen, dass sich mittlerweile zumindest die Wirtschaftsverbände tatkräftig um Lösungen bemühen. 

So schreibt der Arbeitgeberverband auf Anfrage: «Wir wollen unseren Beitrag dafür leisten, dass vermehrt inländische Arbeitskräfte wieder ins Erwerbsleben einsteigen können oder dort verbleiben.» 

Einfach sei das aber nicht: Viele Frauen möchten kein 100- oder 80-Prozent-Pensum. Und viele ältere Personen hätten sich dagegen entschieden, bis 65 Jahre oder älter zu arbeiten. 

«Unsere Bemühungen können deshalb nicht in wenigen Wochen und Monaten die Erwerbsquote erhöhen», so der Arbeitgeberverband. 

Das könnte dich auch interessieren:

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 24.09.2014 17:22
    Highlight Highlight ... und die Bevölkerung hat keine Lust auf übermässige Zuwanderung. Was ist jetzt wichtiger, das was die Bevölkerung will oder das was die Wirtschaft will?
  • keplan 24.09.2014 10:37
    Highlight Highlight Und genau da liegt das Problem die Grossunternehmen wollen gar nicht den Nachwuchs födern. sie bedienen sich lieber im Ausland, da so keine Kosten entstehen
  • MediaEye 24.09.2014 09:35
    Highlight Highlight Die MEI war und ist von Anfang an ein Mogelpaket!

    Und ee ist mehr als logisch, wenn sich die Wirtschaft, vornehmlich internationale Grosskonzerne darum futieren. Warum auch nicht, steht doch in den Bedingungen ausdrücklich "nach Bedarf der Wirtschaft"!

    Darum im November ein JA zur ECHTEN Zuwanderungsinitiative von ECOPOP

    Denn auch der Arbeitgeberverband schlägt nur mit wohlfeilen Worthülsen und nichts sagenden Phrasen um sich
    • Tsetse 24.09.2014 16:04
      Highlight Highlight "nichts sagenden Phrasen"
      Gleichfalls ;-)

Zar Putin der Korrupte – oder warum es Russland mies geht

Am kommenden Wochenende spielen die Russen wieder einmal «gelenkte» Demokratie. Präsident Putin hat das Land längst in einen korrupten Feudalstaat zurückverwandelt. Doch das Volk muckt auf.

In Russland werden die Sitze in Stadt- und Regionalparlamenten am Sonntag neu verteilt. Überraschungen sind keine zu erwarten. Die Partei des Präsidenten Wladimir Putin, «Einiges Russland», wird als Sieger hervorgehen. Demonstrationen gegen diesen Einheitspreis werden verboten, Oppositionelle niedergeknüppelt oder gar in den Knast geworfen.

Das alles kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Putins Popularität sich im Sinkflug befindet. Vielleicht sogar dramatisch. So ermittelte das …

Artikel lesen
Link zum Artikel