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Keine Spur von Altersmilde beim abtretenden deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble.
Keine Spur von Altersmilde beim abtretenden deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble.Bild: kaltura://1789921/178992100/94000/1_ag5tfl52

Die Weltwirtschaft boomt – und Schäuble warnt vor einer neuen Finanzkrise

Grösser als erwartetes Wirtschaftswachstum rund um den Globus und jubilierende Aktienmärkte. Eigentlich wäre Partystimmung angesagt, aber nicht alle wollen feiern.
09.10.2017, 17:1609.10.2017, 17:58

Am kommenden Wochenende findet das traditionelle Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) statt. Notenbanker und Finanzminister haben allen Grund, beschwingt nach Washington zu reisen. Die Ökonomen haben die Wachstumsrate der Weltwirtschaft für dieses Jahr von 2,6 auf über 3 Prozent geschraubt. IWF-Direktorin Christine Lagarde spricht gar vom «besten Wachstums-Sprint seit zehn Jahren».  

«Das IWF-Treffen wird eine Periode synchronisierten Wachstums und der ruhigen Finanzmärkte zelebrieren.»
Mohamed El-Erian

Was dabei besonders erfreulich ist: Vom Wachstum profitieren alle. Japan ist aus seiner Wachstumslethargie erwacht und erwartet einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,5 Prozent. In der Eurozone dürften es gar 2,2 BIP-Prozente werden. Deutschland boomt und auch die Club-Med-Länder um das Mittelmeer erholen sich ebenfalls von ihrer tiefen Krise.  

Chinesische Hochgeschwindigkeitszüge sorgen auch für Wirtschaftswachstum.
Chinesische Hochgeschwindigkeitszüge sorgen auch für Wirtschaftswachstum.Bild: AP/Pool Bloomberg

Aggressive Investitionen in Hochgeschwindigkeitszüge, Autobahnen und Brücken haben in China die Wirtschaft angeheizt. Das hat die Rohstoffpreise steigen lassen und sorgt für Freude in Schwellen- und Entwicklungsländern wie Brasilien und Indonesien.

In den USA richtet derweil Donald Trump zwar ein politisches Chaos an. Die Wirtschaft beeindruckt das jedoch überhaupt nicht. Die Unternehmen vermelden Rekordgewinne. Seit Trumps Amtsantritt haben die Aktienbörsen rund 20 Prozent zugelegt.

Das Chaos von Trump beeindruckt die Wirtschaft bisher nicht

Die Stimmung bei den Investoren bleibt freundlich, obwohl Obamacare nicht abgeschafft werden konnte, die Steuerreform auf sehr wackligen Füssen steht, von den grossspurig angekündigten Infrastrukturprojekten nichts zu sehen ist und die verschiedenen Hurrikane dafür gesorgt haben, dass im Oktober erstmals seit neun Jahren 33'000 Jobs vernichtet worden sind.  

«Genau genommen ist Austeritätspolitik der angelsächsische Ausdruck für eine solide Finanzpolitik.»
Wolfgang Schäuble

Mohamed El-Erian, ein führender Finanzmarkt-Guru, erklärt denn auch in der «New York Times»: «Das IWF-Treffen wird eine Periode synchronisierten Wachstums und der ruhigen Finanzmärkte zelebrieren.»  

Alles im grünen Bereich also? Nicht ganz. Der abtretende deutsche Finanzminister und das Symbol der Austeritätspolitik, Wolfgang Schäuble, ist skeptisch. In einem Interview mit der «Financial Times» warnt er vor einer neuen globalen Finanzkrise. Ausser Kontrolle geratene Staatsschulden und viel zu viel Geld in den Märkten seien im Begriff, eine neue Blase zu bilden, so Schäuble. Die Stabilität der Banken in der Eurozone sei deswegen in Gefahr.  

Schäuble spielt auf die Tatsache an, dass die Zentralbanken dieser Welt seit der Krise von 2008 mit dem so genannten Quantitativen Easing mehr als 14 Billionen Dollar neues Geld in die Märkte gepumpt haben. Das sind drei Billionen Dollar mehr als die gesamte Jahresproduktion der chinesischen Volkswirtschaft; und das hat dazu geführt, dass sich die Leitzinsen seit Jahren auf einem Rekordtief bewegen. In der Schweiz befinden sie sich teilweise sogar im negativen Bereich.  

Die Märkte mögen das Tapering nicht

Irgendwann müssen die Leitzinsen wieder auf ein normales Niveau steigen. Dazu muss die riesige Geldschwemme wieder aufgesaugt werden. Das ist leichter gesagt als getan. Niemand weiss, wie die Finanzmärkte reagieren werden, wenn die Notenbanken ihre Wertpapiere und Staatsanleihen, die sie im grossen Umfang aufgekauft haben, auf den Markt werfen. Ein erster Versuch der US-Notenbank im Jahr 2013 ist alles andere als glücklich ausgefallen. Die Märkte reagierten auf dieses so genannte «Tapering» der Fed mit einem Mini-Crash.  

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Video: watson

Nicht nur Schäuble, sondern auch die in Basel beheimatete Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – die Zentralbank der Zentralbanken gewissermassen – warnt seit längerem vor der Geldschwemme. Letzten Monat hat sie erneut darauf hingewiesen, dass sich die Welt an billige Kredite gewöhnt habe und höhere Zinsen die Weltwirtschaft wieder ins Elend stürzen könnten.  

Schäuble fühlt sich bestätigt

In Deutschland wird das Quantitative Easing der Europäischen Zentralbank schon lange kritisiert. Schäuble will auch heute noch keine Kritik an seiner harten Sparpolitik gelten lassen, die er der Eurozone verpasst hat. «Genau genommen ist Austeritätspolitik der angelsächsische Ausdruck für eine solide Finanzpolitik», sagt er.  

Der abtretende Finanzminister sieht sich in seiner Austeritätspolitik bestätigt. «Das Vereinigte Königreich macht sich gerne lustig über den Rheinland-Kapitalismus. Aber wir haben gesehen, dass die Werkzeuge der sozialen Marktwirtschaft effektiver mit einer Finanzkrise fertig werden als alles andere.»

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Triumvir
09.10.2017 17:32registriert Dezember 2014
Und die Party geht (noch) immer weiter, bis zum riesigen, noch härteren ultimativen Crash...Die blinden Notenbanker haben leider rein gar nichts gerlernt aus der letzten Krise und haben die Märkte mit so viel Fiat-Geld geflutet wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. So etwas kann einfach auf Dauer nicht gut gehen und wird wohl zum schlimmsten Crash seit Menschengedenken führen. Alle die jetzt noch weiter in die künstlich aufgeblähten Aktienmärkte investieren, sind von allen guten Geistern verlassen...und werden wohl bald fast alles verlieren...Mein Mitgefühl hält sich in in Grenzen...
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phreko
09.10.2017 17:24registriert Februar 2014
Erfolg heisst für Schäuble, dass es Deutschland gut geht. Ob Andere bald auf der Strasse leben interessiert ihn nicht. Bei einer gemeinsamen Währung ist die maximalst asoziales Verhalten.
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Anonymer
09.10.2017 18:41registriert Juli 2016
Die grössten Risikoträger sind wohl China und die USA. Die USA ist mittlerweile bei ca. 13 Billionen (eng. trillion) USD angekommen. Also jetzt schon mehr als 2008. Und in China hat es vor kurzem schon einmal gerüttelt. Schäuble hat wohl recht: Die Frage ist nicht ob, sondern wann.
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