Wirtschaft
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FILE - In this Feb. 9, 2008 file photo released by the U.S. Navy, one of two Russian Tupolev 95 Bear long rang bomber aircraft is seen near the U.S. Navy aircraft carrier USS Nimitz, south of Japan. Russia’s defense minister says the military will conduct regular long-range bomber patrols, ranging from the Arctic Ocean to the Caribbean and the Gulf of Mexico.  (AP Photo/U.S. Navy)

Ein russischer TU-95, auch «Bär» genannt, in der Luft. Bild: AP Navy Visual News Service

Ein Krieg würde alles ändern

Warum es sich für Putin lohnt, die Krise in der Ukraine anzuheizen

Der Ölpreis rasselt in den Keller, Gas wird immer billiger: Russland gerät in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ein Krieg würde mit einem Schlag alles ändern. 



Einmal sind es russische Bomber, die sich über dem Ärmelkanal Passagierflugzeugen bedrohlich genähert haben. Ein anderes Mal töten prorussische Terroristen in der ostukrainischen Stadt Mariupol mit einem Raketenangriff 27 Zivilisten. Es ist offensichtlich, dass der russische Präsident Wladimir Putin alles daran setzt, die Krise in der Ukraine anzuheizen. 

epa04588949 Comrades carry the coffin of Andrey Myronyuk, a serviceman who was killed in Donetsk airport during fighting against pro-Russian rebels, during the funeral ceremony, in Mariupol, Ukraine, 27 January 2015. Media reports state the Ukrainian parliament on 27 January passed a statement designating Russia as an 'aggressor state', demanding other countries and international organizations to impose more sanctions against Russia.  EPA/SERGEY VAGANOV

Ukrainische Soldaten begraben einen gefallenen Kameraden. Bild: EPA

Dahinter steckt Methode. So schreibt das renommierte Magazin «Foreign Affairs»: «Mit der neuen Offensive in Donezk und Luhansk will Moskau die Schlacht um den Donbass gewinnen, indem es Terrorismus und politische Instabilität in der Ukraine verbreiten will.» 

Die Terroristen werden vom russischen Geheimdienst ausgebildet

AP10ThingsToSee - Russian President Vladimir Putin wears special glasses as he visits a research facility in

Krieg ist die Lösung: Wladimir Putin. Bild: AP/RIA Novosti Kremlin

In Gefangenschaft geratene prorussische Rebellen haben auch ausgesagt, dass sie in Terrorcamps ausgebildet worden seien, die gemäss Angaben von «Foreign Affairs» vom Geheimdienst der russischen Armee (GRU) und vom russischen Sicherheitsdienst (FSB) organisiert werden. 

Die Krise in der Ukraine spitzt sich gefährlich zu. Der ehemalige russische Staatschef Michail Gorbatschow befürchtet gar, dass der «kalte» Krieg zu einem «heissen» Krieg werden könnte. Er macht dafür den Westen verantwortlich, der Russland in diesen Krieg «gezerrt» haben soll. 

Ein Krieg würde Putin in die Hände spielen 

Allerdings: Was für ein Interesse der Westen an einem Krieg mit Russland haben könnte, ist völlig schleierhaft. Für Putin sieht es ganz anders aus: Ihm könnte ein solcher Krieg in die Hände spielen, nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. 

Die UdSSR ist nicht wegen der militärischen Aufrüstung von Ronald Reagan zusammengekracht, sondern weil der Ölpreis in den 80er Jahren gegen zehn Dollar pro Fass gesunken war. Als sich die Sowjetunion Ende 1991 auflöste, lag der Preis immer noch bei 17 Dollar pro Fass. Russland lag wirtschaftlich am Boden und war auf den Goodwill des Westens angewiesen. 

Je höher der Ölpreis, desto mächtiger ist Putin

In der Amtszeit von Putin begann der Ölpreis zu steigen und kletterte Mitte der Nullerjahre auf über 150 Dollar pro Fass. Russland war wieder wer. Putin begann, seine Armee wieder aufzurüsten, organisierte die teuersten olympischen Winterspiele aller Zeiten und die russische Nationalbank legte ein Devisenpolster in der Höhe von rund 400 Milliarden Dollar an. Deshalb schienen auch der Konflikt mit der Ukraine und die Annexion der Krim finanziell verkraftbar.

«Eine grosse geopolitische Krise mit der NATO auszulösen, wäre eine einfache Lösung für Putin, den Ölpreis schockartig wieder in die Höhe zu pushen»

Thomas Friedman, New York Times

In den letzten Monaten hat sich die Situation fundamental verändert. Der Ölpreis ist wieder deutlich unter 50 Dollar pro Fass gesunken, auch Erdgas ist deutlich billiger geworden. «Viele Verträge von Gazprom verknüpfen den Erdgas- mit dem Ölpreis, mit einer Verzögerung von ein paar Monaten», schreibt das «Wall Street Journal». «Das bedeutet, dass der Zerfall des Ölpreises sich jetzt in den Gaspreis frisst.»

epa04284870 A general view of the Gazprom headquarters where the annual Gazprom's General Shareholders Meeting is taking place in Moscow, Russia, 27 June 2014. Shareholders from Russia and a number of foreign countries are taking part in the Meeting personally, through their trustees or in absentia. As of May 8, 2014 the corporate Register of persons entitled to participate in the Shareholders Meeting recorded 492 543 corporate equity owners with 23,673,512,900 shares.  EPA/MAXIM SHIPENKOV

Das Gazprom-Hauptquartier in Moskau. Bild: MAXIM SHIPENKOV/EPA/KEYSTONE

Mit der Annexion der Krim hat sich Russland politisch isoliert, billiges Öl und Gas bringen nun Putin auch in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das hat Auswirkungen auf die Krise in der Ukraine. Es geht nicht mehr darum, ob sich die Ukraine immer mehr dem Westen zuwendet oder nicht. Ein Krieg hätte auch dramatische Folgen für den Ölpreis. 

Umdenken auch bei der NATO

Thomas Friedman, Kolumnist der «New York Times» stellt dazu fest: «Eine grosse geopolitische Krise mit der NATO auszulösen, wäre eine einfache Lösung für Putin, den Ölpreis schockartig wieder in die Höhe zu pushen. Die verdeckten Aktionen in der Ukraine haben dies bisher nicht bewirken können.» 

Auch bei der NATO hat ein Umdenken eingesetzt. Rory Stewart, Vorsitzender des militärischen Ausschusses im britischen Parlament, erklärte nach dem Bomber-Zwischenfall, es handle sich dabei nicht um einen Zufall, sondern um ein Muster. Der Westen habe bisher Russlands Absichten falsch eingeschätzt. «Wir haben uns eingeredet, dass Russland ein Teil Europas werden wird. Doch zuerst die Krim und jetzt die Ukraine zeigen, dass es sich als potenzieller Feind positioniert hat. Das bedeutet auch, dass die NATO ernsthafter dagegen vorgehen muss.»  

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19 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
sankipanki
30.01.2015 17:57registriert January 2015
Was auch immer die Gründe für Putins Handeln sind, der potenziell steigende Ölpreis im Kriegsfall gehört sicher nicht dazu.
1.
Ein Krieg kostet unwahrscheinlich viel Geld.
(sieht man ja in den USA wo das hingeführt hat)
2.
Durch weitere Sanktionen, die im Kriegsfalle sicher kommen würden,
wird die russische Wirtschaft noch weiter geschwächt.
3.
Durch einen höheren Ölpreis wird das Fracking wieder rentabler.
4.
Das Bestreben nach alternativen Energielieferanten für Europa wird zunehmen.
So richtig verstehen kann man das alles nicht. Hoffen wir das beste.
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N.F.
30.01.2015 17:51registriert January 2015
Wenn ich so die Komentare lese: man darf sich ja schon noch für westliche Werte einsetzen. USA und Europa mögen ebenfalls nicht sauber sein. Aber hallo? Wollt ihr, dass es bei uns so läuft wie in Russland? Wenn nein, dann muss man mit allen Mitteln verhindern, dass sie ihren Einflussbereich ausdehnen. Heute die Ukraine. Und morgen? Ich bin froh, haben wir hier funktionierende Gewaltentrennung, Rechtssicherheit und Meinungsfreiheit. Wenns nach mir ginge, darf das gerne so bleiben!!!
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Lowend
30.01.2015 16:32registriert February 2014
Der Bewertung von Herrn Löpfe kann ich aus meiner Sicht leider nur voll zustimmen, denn was passiert auf der Krim und im Donbas anderes, als ein nicht offiziell erklärter Krieg russischer Truppen auf dem Staatsgebiet der Ukraine! Putin ist definitiv der Brandstifter, auch wenn uns die Russenpropaganda mit ihren gedungenen Kommentatoren weismachen will, dass Russland das Opfer einer ach so bösen Weltverschwörung ist.
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