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Muss sich vor dem Richter verantworten: Weltwoche-Vize Philipp Gut.
Bild: wikimedia

Gutgläubig oder einfach nur arrogant? So stellte sich die «Weltwoche» im Fall Sarasin selbst ein Bein

Die Kampagne gegen die beiden Historiker Philipp Sarasin und Svenja Goltermann droht, zu einem Fiasko für das Köppel-Blatt zu werden. Der stellvertretende Chefredaktor hat die Regeln des journalistischen Handwerks missachtet und muss sich vor Gericht dafür verantworten.



Die Kampagne gegen die beiden Historiker Sarasin und Goltermann im Herbst 2014 war für Schweizer Verhältnisse wohl einmalig und selbst für die «Weltwoche» aussergewöhnlich. In einer Artikel-Serie – insgesamt waren es 16 Artikel, einmal gar eine Titelstory – warf der stellvertretende Chefredaktor des Blattes, Philipp Gut, den beiden Geschichtsprofessoren ein Liebesverhältnis vor. Er folgerte daraus, bei der Berufung von Goltermann an die Universität Zürich sei Beziehungskorruption im Spiel gewesen.

Reich an Vorwürfen, arm an Beweisen

Zuerst hat eine von der Universität Zürich eingesetzte Expertenkommission diese Vorwürfe als unberechtigt zurückgewiesen. Nun hat auch die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat Klage wegen übler Nachrede und mehrfache Widerhandlung gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb erhoben.

Über Seiten listet sie dabei auf, welch grobes Geschütz die «Weltwoche» aufgefahren hat. Hier eine kurze Auswahl von insgesamt 41 Auszügen: Vetterliwirtschaft, Beziehungsfilz, Beziehungskorruption, Doppelmoral, unverantwortliches Treiben, extremer Fall von Befangenheit.  

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Guts Geschichten sind reich an Vorwürfen, aber arm an harten Beweisen. Mehr als handschriftliche Notizen von angeblich geführten Gesprächen hat er offenbar nicht vorzuweisen. Mit wem diese Gespräche geführt worden sind, will Gut mit Berufung auf den Quellenschutz nicht preisgeben.

«Absolut vertrauenswürdige Quellen» – wirklich?

Der Quellenschutz ist dann angebracht, wenn es gilt, Zeugen vor möglicherweise verhängnisvollen Konsequenzen ihrer Aussagen zu schützen, bei einem berechtigten Fall von Whistleblowing beispielsweise. Bei der «Weltwoche» hingegen liegt der Fall anders.

Gut nennt keine Vorfälle, sondern stellt Schutzbehauptungen auf und versteckt sich hinter Phrasen wie «absolut vertrauenswürdige Quellen», mit denen er gesprochen haben will. «Es gibt nicht einmal eine konkrete Behauptung, die man widerlegen könnte», sagt Sarasins Anwalt Daniel Glasl. «Das könnte man vorlegen, ohne die Quelle preisgeben zu müssen.»  

Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, ist zudem keiner der «absolut vertrauenswürdigen Quellen» bereit, mit vollen Namen zu ihren Aussagen zu stehen.

Die «Weltwoche» wollte offenbar Roger Schawinski und den ehemaligen «Weltwoche»-Chefredaktor und heutigen PR-Berater Jürg Wildberger im Nachhinein dazu überreden, zu ihren Gunsten auszusagen. Das kann als Zeichen der Verzweiflung gedeutet werden. Schawinski ist ein guter Freund von Philipp Sarasin, Wildberger sein Berater in dieser Affäre. 

Sind der «Weltwoche» ihre Erfolge in den Kopf gestiegen? 

Philipp Gut ist ein erfahrener Journalist. Wie kommt es, dass er derart fahrlässig gehandelt hat? Sind der «Weltwoche» ihre Erfolge in den Fällen Monika Stocker und Philipp Hildebrand in den Kopf gestiegen? Hat man nicht damit gerechnet, dass sich Sarasin und Goltermann zur Wehr setzen?

Gut bestreitet das: «Die Geschichte stimmt – es bleibt ein Skandal, dass Prof. Sarasin nicht in den Ausstand trat, obwohl er bereits vor dem Berufungsverfahren eine Affäre mit Kandidatin Goltermann hatte», sagt er. Und weiter: «Die ‹Weltwoche› verfügt über mehrere erstklassige, voneinander unabhängige und absolut vertrauenswürdige Quellen aus dem nächsten beruflichen und privaten Umfeld von Philipp Sarasin. Wir haben ihnen Anonymität zugesichert. Daran halten wir uns. Der Quellenschutz ist unverzichtbar für einen Journalismus, der seine Rolle als kritische vierte Macht im Staat wahrnimmt.»

Es drohen Bussen und Reputationsschäden

Quellenschutz und vierte Macht, das tönt gut an Kongressen über journalistische Ethik. Im Fall «Weltwoche» gegen Sarasin hingegen ist es reiner Zynismus. Ob Gut damit vor dem Richter bestehen und den Beweis, gutgläubig gehandelt zu haben, erbringen kann, ist fraglich.

Wenn nicht, muss er mit einer Geldstrafe von 31'200 Franken und einer Busse von 6000 Franken rechen. Dieses Strafmass fordert die Staatsanwaltschaft. Dazu wird noch die Übernahme der Kosten der Gegenpartei kommen. Insgesamt dürfte sich so ein Betrag in einer sechsstelligen Höhe zusammenläppern.

Weit mehr schmerzen dürfte jedoch der Reputationsschaden für die «Weltwoche» und vor allem Philipp Gut. Er wurde kürzlich als möglicher Nachfolger von Felix Müller als Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» gehandelt. Sollte er verurteilt werden, dann dürfte dies illusorisch sein.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Armando 16.02.2016 20:18
    Highlight Highlight Von einem Käseblatt wie die WW, dessen Chefredaktor Köppel die Nr. 2 des Nazi-Regimes, Göring, salbungsvoll reinzuwaschen versucht, ist ja nichts Anderes zu erwarten. http://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/roger-koeppel-verharmlost-nazi-fuehrer-hermann-goering-129979655
    • Citation Needed 17.02.2016 00:51
      Highlight Highlight Sarasin hat eine gepfefferte Replik zu Köppels Göring-Gehudel verfasst. Oder eher eine Analyse. Zu finden auf der Plattform 'Geschichte der Gegenwart'.
  • Der Kritiker 16.02.2016 03:55
    Highlight Highlight kommen wir zurück zur akte hildebrand: glaubt einer hier wirklich, dass es der ww um diese läppischen kursgewinne bei diesen devisengeschäften ging? oder wollte die ww im auftrage einer höheren macht herrn hildebrand bewusst aus dem wwg räumen? wenn ja, weshalb?
  • Hippie-ster 15.02.2016 23:37
    Highlight Highlight Ging es bei der WW Artikelserie nicht schlussendlich darum, sich an der Universität für die Mörgeli-Affäre zu rächen?
  • Rodolfo 15.02.2016 20:22
    Highlight Highlight Sehr gut gerschrieben, Philipp! Ohne zu Frotzeln, ohne Übertreibungen, realistisch! Es ist einfach so!
  • Rööfe 15.02.2016 19:42
    Highlight Highlight Seit dem 9.2.14 bewegen sich unsere SVPler in einer anderen Sphäre. Sie haben die Bodenhaftung verloren. Alle anderen werden als Ganznette, Gutmenschen und Naivlinge verhöhnt. Nur sie sind die Ganzschlauen. Da halte ich es mit dem ehemaligen SP-Bundesrat Willi Ritschard: "Je höher der Affe klettert, desto besser sieht man seinen Hinter".
  • Tatwort 15.02.2016 19:16
    Highlight Highlight Quellenschutz ist, meiner Ansicht nach, ein wichtiges Gut einer Demokratie und einer funktionierenden Presse.
    Nur: Eine Quelle macht _Fakten_ zugänglich, an welche ein Journalist sonst nicht kommen könnte. Der Gegensatz dazu sind Gerüchte. Und mit solchen hantierte Gut.
    Zugespielte und schützenswerte Informationen sollten dem Journalisten _nicht_zur persönlichen Machterweiterung, sondern zur Aufklärung der Öffentlichkeit dienen. Genau dieser Punkt ist im politischen Kampagnenjournalismus der WeWo nicht erfüllt. Guts Argumentation ist also nur wehleidiges Ablenken vom eigenen Versagen.
    • Hierundjetzt 16.02.2016 06:52
      Highlight Highlight Merci fürs korrekte Definieren / Abgrenzen 😊
  • TheCloud 15.02.2016 19:01
    Highlight Highlight Meiner Meinung nach übertreiben Sie etwas, wenn Sie im Zusammenhang mit Weltwoche den Ausdruck "Journalismus" brauchen. Handelt es sich doch um das Privatblättchen eines Miliardären und SVP-Vize und bei den "Journalisten" etc. um Auftragsschreiber der SVP-Hardlinerfraktion. Bei meinen Zahnarztbesuchen freue ich mich stets auf die Weltwoche im Warteraum, konnte aber nie etwas anderes als Lügen, Halbwahrheiten und rechte Propaganda finden. Da ist es doch recht naiv anzunehmen, es gäbe nur schon halbwegs recherchierte Artikel.
  • Yolo 15.02.2016 18:59
    Highlight Highlight Gut, nicht gut!
  • Tilman Fliegel 15.02.2016 18:34
    Highlight Highlight Reputationsschaden für die Weltwoche?
    Guter Witz!
  • Toerpe Zwerg 15.02.2016 18:26
    Highlight Highlight Abwarten ...
    • Lichtblau 15.02.2016 20:02
      Highlight Highlight Damals war Gut nicht der einzige, der sich auf glaubwürdige Zeugen berief. Auch die des rechten Gedankenguts ganz und gar unverdächtige Tagi-Journalistin Binswanger äusserte sich zum Thema ziemlich klar. In ihrem BlogBeitrag "Hinterfragen ist noch nicht Sexismus" antwortet sie in der Kommentarspalte: "Weil es starke Indizien gibt, dass es bei der Berufung Goltermann tatsächlich Ungereimtheiten gab." Und später: "Ich habe selber nachgefragt und glaubwürdige Informanten gefunden. Ich mag den Stil der Wewo auch nicht. Das bedeutet aber nicht, dass am Sachverhalt nichts dran ist."
    • koks 15.02.2016 21:49
      Highlight Highlight Binswanger ist keine 'unverdächtige' Tagi-Journalistin, sondern eine Propaganda-Schreiberin. Peinlich, wenn sich ihre Schreibe aufgrund der Verurteilung von Gut als reine Flunkerei erweisen sollte.
  • Spooky 15.02.2016 18:16
    Highlight Highlight Kein ernsthafter Journalist verrät seine Quellen.
    • TheCloud 15.02.2016 19:14
      Highlight Highlight Genau, und einen solchen wird man bei der Weltwoche vergebens suchen.
    • Spooky 16.02.2016 00:51
      Highlight Highlight @TheCloud: Der Journalist Philipp Gut hat keine Quellen verraten. Also ist deine Bemerkung ein völliger Unsinn.
    • Citation Needed 16.02.2016 08:50
      Highlight Highlight Der Vorwurf ist eher, dass er seine Quellen erfunden hat, bzw. deren Aussage eher auf Gerücht als Fakt beruhen.. In diesem Fall wär 'Quellenschutz' eher Selbstschutz: nicht Informanten, sondern der eigene Pfusch würde geschützt..
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kramer 15.02.2016 18:12
    Highlight Highlight Die Weltwoche muss keinen Reputationsschaden fürchten; als Sprechrohr der Blocher-SVP geniesst sie bei der Zielgruppe ein Stellenwert wie die Bibel, und ist somit unfehlbar.
    Es steht Aussage gegen Aussage, und wer in den Augen des WW-Lesers recht hat, ist klar. Es sind nur die linken Richter die die Weltwoche aus politischen Gründen bestrafen.
    Die Weltwoche gewinnt also bei ihren Lesern ansehen, als Kämpfer für die Richtige Sache.
  • Hierundjetzt 15.02.2016 18:04
    Highlight Highlight Korrigendum: Wildberger war "Chefredaktor" des konkursiten Facts.

    Er ist nach wie vor der einzige Schweizer Journalist in der Geschichte unseres Staates, der es geschafft hat, bei allen eidg. Departementen auf die schwarze Liste gesetzt zu werden, da er es mit der Wahrheit sehr sportlich nahm.
    • dä dingsbums 15.02.2016 20:10
      Highlight Highlight Wildberger war wirklich Chefredaktor bei der WW. Als sie noch zum Jean Frey Verlag gehörte, kurz bevor sie an Köppel verkauft wurde.
    • Philipp Löpfe 16.02.2016 09:57
      Highlight Highlight Er war danach auch Chefrrdaktor
    • Philipp Löpfe 16.02.2016 09:58
      Highlight Highlight Er war danach auch Vhefredaktor
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