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epa03557469 Previously unissued picture dated 12 December 2012 and made available 26 January 2013 shows Britain's Prince Harry wearing a Christmas Hat as he stands outside the VHR (very high readiness) tent, at Camp Bastion southern Afghanistan. Captain Wales as he is known in the army, has served four months as an Apache Helicopter Pilot/Gunner with 662 Sqd Army Air Corp since September 2012. He is now back in the UK  EPA/John Stillwell UK and Republic of Ireland Out, no commercial sales

Prinz Harry als Weihnachtsmann in der britischen Armee. Bild: EPA

Little Britain – oder: Liebling, ich habe eine Grossmacht geschrumpft

Die einstige Weltmacht Grossbritannien hat inzwischen weniger Soldaten als die Schweiz und wird auf der geopolitischen Bühne nicht mehr richtig ernst genommen.



Ray Odierno, Chef der amerikanischen Army, fragt sich, ob britische Soldaten überhaupt noch in der Lage seien, zusammen mit seinen Truppen zu kämpfen. Nicht etwa, weil sie feige wären, sondern weil es schlicht zu wenige von ihnen gibt. Der Truppenbestand der britischen Armee ist bereits auf 82'000 Mann geschrumpft. Pessimisten befürchten, dass es bald nur noch 50'000 sein werden. Da kann selbst unser Verteidigungsminister Ueli Maurer stolz sein: Seine Armee soll nur auf 100'000 Mann reduziert werden. 

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Die einst stolze britische Kavallerie ist eine Attraktion für Touristen geworden. bild: shutterstock

Die Entwicklung der ehemaligen Weltmacht Grossbritannien führt zu Irritation bei den engsten Verbündeten. Premierminister David Cameron hat am letzten Nato-Gipfel die Verbündeten eindringlich aufgefordert, mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) für die Armee aufzuwenden. Jetzt wird ausgerechnet er dieses Ziel verfehlen. Im laufenden Budget liegen die Verteidigungsausgaben bereits knapp unter dieser Marke und bis 2019 sollen sie gar auf 1,75 Prozent des BIP sinken. 

Bei den Verteidigungsausgaben auf Rang sechs abgefallen

Dabei ist die Welt heute so gefährlich wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Ob Ukraine oder Naher Osten, überall brennt der Busch. Doch die Briten sind inzwischen bezüglich Verteidigungsausgaben international auf Rang sechs abgefallen. Wie sollen sie also weiterhin die Rolle spielen, in der sie sich nach wie vor gerne sehen: Als beste Freunde und engste Verbündete der Grossmacht USA

Nicht nur auf der anderen Seite des Atlantiks schüttelt man den Kopf. In Europa werden die Briten zunehmend ins Abseits gedrängt. Als David Cameron letztes Jahre versuchte, Jean-Claude Juncker als Präsident der EU-Kommission zu verhindern, hatte er die Lage komplett falsch eingeschätzt und erhielt am Schluss einzig noch Unterstützung von Ungarn, ebenfalls ein Paria in Brüssel. 

Britain's Prime Minister David Cameron delivers a speech during an election campaign event in Bristol, south western England, April 6, 2015.  REUTERS/Kirsty Wigglesworth/Pool

Wo sind meine Soldaten geblieben? Der britische Premier David Cameron. Bild: POOL/REUTERS

Dass Cameron sich permanent der europafeindlichen Fraktion innerhalb der konservativen Partei anbiedert, hat sein Ansehen in der EU ebenfalls untergraben. Sein Versprechen, eine Volksbefragung bezüglich EU-Mitgliedschaft durchzuführen, stösst auf grosses Misstrauen. In Paris machen inzwischen führende französische Politiker kein Hehl mehr daraus, dass sie ganz froh wären, wenn die Briten die EU wieder verlassen würden. Viel verändern würde dies eh kaum mehr. Die Verhandlungen in der Ukrainekrise führen Angela Merkel und François Hollande ohne Briten. Cameron gilt im besten Fall als schlechter Witz und im schlechtesten als lästiger Kläffer. 

Das Jammern der Elite-Blätter

Die neue britische Impotenz kommt auch im eigenen Land schlecht an. Eliteblätter wie die «Financial Times» und «Economist» lamentieren lautstark und fordern energisch Remedur. Kein Wunder: Bis zum Ersten Weltkrieg war Great Britain noch eine Weltmacht, die mit ihrer Flotte die Weltmeere beherrschte. Auch in jüngster Zeit waren die Briten zwar nicht mehr die globale Supermacht, aber sie gefielen sich in der Rolle, die Griechen der Römer zu sein, will heissen: Die Vertrauten und Lehrer der Amerikaner. 

President George W. Bush presents former British Prime Minister Tony Blair with a Presidential Medal of Freedom, Tuesday, Jan. 13, 2009, during a ceremony in the East Room of the White House in Washington. (AP Photo/Ron Edmonds)

Verbündete im Irakkrieg: Tony Blair (links) und George W. Bush. Bild: AP

Mit Margret Thatcher und Ronald Reagan hat dies ganz gut geklappt, auch mit Tony Blair und George W. Bush. Blair musste sich zwar als «Pudel von Bush» verspotten lassen, doch unter seiner Führung wurde das Vereinigte Königreich auf der geopolitischen Bühne noch ernst genommen. David Cameron hingegen ist zum Statisten degradiert worden. Als er sich zuletzt in Syrien als starker Partner der Amerikaner profilieren wollte, wurde er vom eigenen Parlament auf demütigste Art und Weise zurückgepfiffen. 

London verärgert Washington

Selbst die lange verspotteten Franzosen haben auf diesem Gebiet mehr vorzuweisen: Sie haben die islamischen Fundamentalisten in Mali zurückgebunden und auch im Kampf gegen Nigerias Boko Haram können sie erste Erfolge vorweisen. Derweil machen sich die Briten selbst in Washington unbeliebt. Soeben haben sie ihren Beitritt zur chinesischen Konkurrenz der Weltbank, der AIIB, bekannt gegeben – und die Amerikaner damit nachhaltig verärgert. 

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