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Rev. Fred Phelps of the Westboro Baptist Church of Topeka, Kan. protests outside the Broadway United Methodist Church Sunday, Nov. 22, 1998 in Chicago. Rev. Phelps and family members came to the church to protest a September marriage between two gay men officiated by Methodist Rev. Gregory Dell. (AP Photo/Michael S. Green)

«God hates fags»: Baptistenprediger Fred Phelps (1929-2014) gehörte mit seiner Westboro Baptist Church in Kansas zu den eifrigsten Kreuzrittern gegen die Homosexualität. Bild: AP

Kreuzzug gegen die Schwulen-Ehe: Der heilige Krieg findet nicht nur im Nahen Osten statt, sondern auch im Fernen Westen

In den USA tobt ein bizarrer Streit um die Frage, ob Private und Unternehmen gezwungen werden dürfen, Schwule zu bedienen oder nicht.



Im Bundesstaat Oregon muss ein Bäcker möglicherweise ein Strafe von 150'000 Dollar bezahlen. Der Grund: Er hatte sich geweigert, eine Hochzeitstorte für eine Schwulen-Heirat zu backen. Ähnlich drastische Strafen könnten auch einer Floristin drohen, die keine Blumen liefern möchte, oder einem Schneider, der kein Hochzeitskleid für Lesben anfertigen will. 

Das mag in unsere Augen mehr als exotisch erscheinen, für die Amerikaner ist es alles andere als ein Spass. Die Trennung von Kirche und Staat ist ein tragender Pfeiler ihres Staatsverständnisses, ebenso der Schutz von Minderheiten. Zudem spielen Richter und Anwälte eine weit bedeutendere Rolle als bei uns. 

Die christlichen Taliban schlagen zurück

Nach wie vor schlägt die Frage der Homo-Ehe in den USA hohe Wellen. Nun droht eine weitere Eskalation in diesem Kampf um Werte. Ausgelöst hat ihn der Bundesstaat Indiana, ein konservativer, von den Republikanern beherrschter Staat. Er hat ein Gesetz eingeführt, das Bussen wie für den Bäcker in Oregon unmöglich machen soll, denn das Gesetz erlaubt Privatpersonen und Unternehmen, sich zu weigern, Schwule und Lesben zu bedienen, falls dies eine «substanzielle Last» für ihr religiöses Gewissen darstellen würde. 

Das Gesetz ist gewissermassen eine Notwehr der christlichen Taliban. Der Versuch, das nationale Bundesgesetz, das die Homo-Ehe erlaubt, mit bundesstaatlichen Gesetzen wieder ausser Kraft zu setzen, ist nämlich vom Obersten Gerichtshof niedergeschlagen worden. Deshalb greifen immer mehr konservative Bundesstaaten im Süden zu Tricks.

Schwulen-Gegner berufen sich auf ein Gesetz von Bill Clinton

Der Bundesstaat Arkansas beispielsweise möchte ein ähnliches Gesetz wie Indiana einführen. Grundlage ist dabei ein Gesetz, das ausgerechnet der liberale Gouverneur Bill Clinton 1993 zum Schutz von Minderheiten erlassen hatte. Es sollte verhindern, dass Indianer ihren Job verloren, nur weil sie bei ihren religiösen Zeremonien Drogen verwendeten. Auf dieses Gesetz berufen sich nun auch die Gegner der Homo-Ehen, um sich dagegen wehren zu können, Schwule und Lesben zu bedienen. 

Former President of the United States Bill Clinton delivers a speech during the JFK International Symposium at Waseda University in Tokyo, Wednesday, March 18, 2015. (AP Photo/Eugene Hoshiko)

Ex-Präsident Bill Clinton führte ein Gesetz zum Schutz der Indianer ein. Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

Die Krieger des christlichen Fundamentalismus stossen jedoch nicht nur bei den Liberalen auf Widerstand, sondern auch bei der Wirtschaft. Das Gesetz in Indiana hat heftige Reaktionen ausgelöst. Die Wirtschaftskammer hat dagegen opponiert, Unternehmen wie Apple drohen mit Boykott, Basketballmannschaften und Künstler haben ihre Auftritte abgesagt. Landesweit ist derweil eine neue Episode im Kampf um Werte ausgebrochen. 

Was ist tolerant?

Beide Seiten berufen sich dabei auf die Toleranz. Für die Demokraten ist das neue Gesetz in Indiana nichts anderes als eine weitere Episode in der Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Für die Republikaner hingegen ist dies ein Kampf um mehr Toleranz. Sie berufen sich dabei auf das Schicksal des ehemaligen CEO des Internet-Browsers Mozilla. Er musste zurücktreten, weil er Geld gespendet hatte für ein Referendum gegen die Erlaubnis der Homo-Ehe. 

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