bedeckt
DE | FR
18
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wirtschaft
Homosexualität

Kreuzzug gegen die Schwulen-Ehe: Der heilige Krieg findet nicht nur im Nahen Osten statt, sondern auch im Fernen Westen

«God hates fags»: Baptistenprediger Fred Phelps (1929-2014) gehörte mit seiner Westboro Baptist Church in Kansas zu den eifrigsten Kreuzrittern gegen die Homosexualität.
«God hates fags»: Baptistenprediger Fred Phelps (1929-2014) gehörte mit seiner Westboro Baptist Church in Kansas zu den eifrigsten Kreuzrittern gegen die Homosexualität.Bild: AP

Kreuzzug gegen die Schwulen-Ehe: Der heilige Krieg findet nicht nur im Nahen Osten statt, sondern auch im Fernen Westen

In den USA tobt ein bizarrer Streit um die Frage, ob Private und Unternehmen gezwungen werden dürfen, Schwule zu bedienen oder nicht.
01.04.2015, 17:5702.04.2015, 14:35

Im Bundesstaat Oregon muss ein Bäcker möglicherweise ein Strafe von 150'000 Dollar bezahlen. Der Grund: Er hatte sich geweigert, eine Hochzeitstorte für eine Schwulen-Heirat zu backen. Ähnlich drastische Strafen könnten auch einer Floristin drohen, die keine Blumen liefern möchte, oder einem Schneider, der kein Hochzeitskleid für Lesben anfertigen will. 

Das mag in unsere Augen mehr als exotisch erscheinen, für die Amerikaner ist es alles andere als ein Spass. Die Trennung von Kirche und Staat ist ein tragender Pfeiler ihres Staatsverständnisses, ebenso der Schutz von Minderheiten. Zudem spielen Richter und Anwälte eine weit bedeutendere Rolle als bei uns. 

Die christlichen Taliban schlagen zurück

Nach wie vor schlägt die Frage der Homo-Ehe in den USA hohe Wellen. Nun droht eine weitere Eskalation in diesem Kampf um Werte. Ausgelöst hat ihn der Bundesstaat Indiana, ein konservativer, von den Republikanern beherrschter Staat. Er hat ein Gesetz eingeführt, das Bussen wie für den Bäcker in Oregon unmöglich machen soll, denn das Gesetz erlaubt Privatpersonen und Unternehmen, sich zu weigern, Schwule und Lesben zu bedienen, falls dies eine «substanzielle Last» für ihr religiöses Gewissen darstellen würde. 

Das Gesetz ist gewissermassen eine Notwehr der christlichen Taliban. Der Versuch, das nationale Bundesgesetz, das die Homo-Ehe erlaubt, mit bundesstaatlichen Gesetzen wieder ausser Kraft zu setzen, ist nämlich vom Obersten Gerichtshof niedergeschlagen worden. Deshalb greifen immer mehr konservative Bundesstaaten im Süden zu Tricks.

Schwulen-Gegner berufen sich auf ein Gesetz von Bill Clinton

Der Bundesstaat Arkansas beispielsweise möchte ein ähnliches Gesetz wie Indiana einführen. Grundlage ist dabei ein Gesetz, das ausgerechnet der liberale Gouverneur Bill Clinton 1993 zum Schutz von Minderheiten erlassen hatte. Es sollte verhindern, dass Indianer ihren Job verloren, nur weil sie bei ihren religiösen Zeremonien Drogen verwendeten. Auf dieses Gesetz berufen sich nun auch die Gegner der Homo-Ehen, um sich dagegen wehren zu können, Schwule und Lesben zu bedienen. 

Ex-Präsident Bill Clinton führte ein Gesetz zum Schutz der Indianer ein.
Ex-Präsident Bill Clinton führte ein Gesetz zum Schutz der Indianer ein.Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

Die Krieger des christlichen Fundamentalismus stossen jedoch nicht nur bei den Liberalen auf Widerstand, sondern auch bei der Wirtschaft. Das Gesetz in Indiana hat heftige Reaktionen ausgelöst. Die Wirtschaftskammer hat dagegen opponiert, Unternehmen wie Apple drohen mit Boykott, Basketballmannschaften und Künstler haben ihre Auftritte abgesagt. Landesweit ist derweil eine neue Episode im Kampf um Werte ausgebrochen. 

Was ist tolerant?

Beide Seiten berufen sich dabei auf die Toleranz. Für die Demokraten ist das neue Gesetz in Indiana nichts anderes als eine weitere Episode in der Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Für die Republikaner hingegen ist dies ein Kampf um mehr Toleranz. Sie berufen sich dabei auf das Schicksal des ehemaligen CEO des Internet-Browsers Mozilla. Er musste zurücktreten, weil er Geld gespendet hatte für ein Referendum gegen die Erlaubnis der Homo-Ehe. 

Das könnte dir auch noch gefallen

Absurde Gesetze

1 / 32
Die absurdesten Gesetze der Welt
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Kennst du schon die watson-App?

Über 100'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

18 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Topoisomerase
01.04.2015 19:33registriert Dezember 2014
Wie kann es Menschen in den Sinn kommen, Schwule nicht bedienen zu wollen? Ich kann (und will) es nicht verstehen, welche Religion das sagt.
638
Melden
Zum Kommentar
avatar
Julien Marchand
01.04.2015 20:23registriert März 2014
Wer mich nicht bedienen will, soll auch mein Geld nicht haben. Mal schauen, ob man vom Glauben alleine auch satt wird... Die landen alle zusammen sowieso in der Hölle mit ihrem unmenschlichen Verhalten, diese "Religiösen"...
348
Melden
Zum Kommentar
avatar
Pieter
01.04.2015 21:53registriert März 2014
Ist das ein gestörtes Volk!
255
Melden
Zum Kommentar
18
Inflation in Eurozone sinkt auf 10 Prozent

Die Inflation in der Eurozone ist im November von ihrem Rekordniveau aus gesunken. Die Verbraucherpreise erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 10 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte.

Zur Story