Wirtschaft
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Handelskrieg bremst die Weltwirtschaft – Schweizer Wirtschaft wächst stärker



Der von US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochene Handelskrieg bremst schon jetzt die Weltwirtschaft, sagt der Internationale Währungsfonds. Die Schweizer Wirtschaft hingegen dürfte dieses Jahr noch einmal so richtig in Fahrt kommen. Doch weitere Schocks für die Weltwirtschaft sind nicht auszuschliessen – solche dürften dann auch die Schweiz treffen.

Der Dauerstreit um neue Handelsbarrieren der Vereinigten Staaten und die hohe Schuldenlast vieler Staaten haben das Wachstum der Weltwirtschaft spürbar gebremst.

Das Wachstum gehe mit 3,7 Prozent zwar im laufenden und dem kommenden Jahr auf vergleichsweise hohem Niveau weiter, nehme aber nicht mehr wie eigentlich erwartet an Tempo zu, sagte der scheidende Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Maurice Obstfeld, am Dienstag bei der Vorstellung des Weltwirtschaftsberichtes in Nusa Dua (Indonesien).

epa07079861 IMF Economic Counsellor and Director of Research Department Maurice Obstfeld speaks during the World Economic Outlook press conference at the International Monetary Fund (IMF) and World Bank annual meeting in Nusadua, Bali, Indonesia, 09 October 2018. Bali is hosting the IMF-World Bank annual meeting from 08 to 14 October 2018.  EPA/MADE NAGI

Der scheidende Chefvolkswirt des IWF, Maurice Obstfeld. Bild: EPA/EPA

«Die Vorhersage war überoptimistisch», sagte er zu der eigenen Prognose des IWF im April, die noch ein Wachstum von 3,9 für die Jahre 2018 und 2019 voraussagte.

Prognose für Schweiz angehoben

Umgekehrt zu wenig optimistisch war der IWF im April noch für die Schweizer Wachstumsaussichten. Neu traut der Währungsfonds der Schweizer Wirtschaft ein Zuwachs von 3,0 Prozent in diesem Jahr zu. Noch im April war lediglich von 2,3 Prozent die Rede.

Mit der Prognoseanhebung steht der IWF aber keineswegs alleine da. Die meisten Ökonomen gehen inzwischen von einem Plus von rund 3 Prozent für die Schweizer Wirtschaft aus - das ist deutlich mehr als noch im April erwartet.

Die Experten der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich begründeten das hohe Tempo mit der guten Verfassung der Weltwirtschaft aber auch der Binnenwirtschaft. Ab dem nächsten Jahr dürfte sich das Wachstum dann aber abflachen. Der IWF sagt für 2019 wie die KOF ein Zuwachs von 1,7 Prozent voraus.

Nicht nachhaltiges Wachstum

Die meisten Ökonomen sind sich allerdings einig, dass Konjunktureinbrüche im Ausland auch die Schweiz treffen könnten. Laut dem IWF haben sich international die Risiken erhöht. «Die Wahrscheinlichkeit weiterer negativer Schocks für unsere Wachstumsvorhersage ist gestiegen», sagte Obstfeld.

Der Handelskrieg zwischen den beiden weltgrössten Volkswirtschaften USA und China sowie die Androhung von US-Zöllen auf Autos und Autoteile insgesamt könnte etablierte Lieferketten unterbrechen, vor allem dann wenn es zu Vergeltungsmassnahmen kommt, sagte Obstfeld und kommt deshalb hinsichtlich der USA zu dem Schluss: «Das Wachstum wird von nicht nachhaltigen politischen Massnahmen getrieben».

Die derzeit positive Situation in den Vereinigten Staaten sei von prozyklischen Stimuli des Staates mitverursacht und werde nach Aufhebung dieser Effekte zurückgehen. Obstfeld meinte damit vor allem die Steuerreform der Regierung von Präsident Donald Trump. Diese bedeutet einen stützenden staatlichen Eingriff in einer Zeit ohnehin galoppierender Konjunktur - eine untypische Massnahme besonders für US-Republikaner, noch dazu in Zeiten hoher Staatsschulden.

Der IWF habe deswegen auch die US-Prognose bereits für 2019 angepasst. Auch für die Eurozone wurde die Voraussage im Vergleich zum April dieses Jahres um 0,1 Punkte nach unten korrigiert. Weniger optimistisch ist der IWF auch für China, wenngleich das Reich der Mitte mit einem Wachstum über sechs Prozent weiterhin boomt.

Entwicklungsländer im Abwärtssog

In Entwicklungs- und Schwellenländern insgesamt sieht der IWF sogar eine Verlangsamung um 0,2 Punkte im laufenden und 0,4 Punkte im nächsten Jahr. Länder wie Pakistan, Argentinien, die Türkei und Südafrika aber auch Brasilien seien vom starken Dollar und den vergleichsweise rasch anziehenden Zinsen in den USA beeinträchtigt.

In Ländern wie Brasilien zeige sich, welcher Druck durch hohe öffentliche Schulden und gleichzeitig grosse staatliche Ausgabeverpflichtungen, etwa bei Renten, entstehen könne. Insgesamt sei die Schuldenlast der öffentlichen und privaten Hand in aller Welt extrem angestiegen und liege heute um 60 Prozent höher als noch vor der Finanzkrise im Jahr 2007.

Für den bevorstehenden Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union zeigte sich Obstfeld optimistisch. Der IWF gehe davon aus, dass ein Übereinkommen zwischen London und Brüssel erzielt werde. «Eine Übereinkunft irgendeiner Art ist sicher im Interesse der Verhandlungsparteien», sagte Obstfeld. «Wir bleiben bei unserer Annahme, dass vernünftige Politik die Oberhand behält und hoffentlich behalten wir recht», betonte der 66-Jährige, der sein Amt beim IWF zum Jahresende an Nachfolgerin Gita Gopinath abgeben wird. (awp/sda/dpa)

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