Wirtschaft
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Kampf um Nigerias Öl: Rächer des Niger-Deltas

Eine neue Gruppe von Rebellen kämpft in Nigeria gegen Öl-Multis wie Shell und Chevron. Das Ziel: die lokale Bevölkerung an den Gewinnen beteiligen. Manche glauben, dahinter steckt die Opposition.

Benjamin Dürr



Ein Artikel von

Spiegel Online

Mit Gewalt kämpfen sie für ein an sich hehres Ziel: Die Beteiligung der lokalen Bevölkerung an den Gewinnen des Landes. Dafür allerdings sprengt eine neue Rebellengruppe in Nigeria Anlagen und Pipelines von Rohstoffkonzernen in die Luft.

Anfang Mai etwa zerstörte ein Team der «Niger-Delta Avengers» (NDA) mehrere Gas- und Rohöl-Leitungen des staatlichen Mineralölunternehmens NNPC. Zur gleichen Zeit sprengte eine Gruppe die Anlagen am Bohrloch D25, mit der der US-Konzern Chevron Erdgas förderte.

Wenige Tage später musste Shell mehrere Anlagen räumen, nachdem die NDA mit Anschlägen gedroht hatte. Allein durch die Evakuierung von fast hundert Mitarbeitern der Produktionsanlage «Eja OML 79» am Wochenende fiel Shells Produktion um 90'000 Barrel pro Tag, berichtete die Zeitung «Vanguard».

Die Aktionen gegen Chevron und Shell seien erst der Anfang, drohen die NDA auf ihrer Website, deren Echtheit jedoch nicht gesichert ist. Und die Rebellen legen nach: Sie liessen es vorerst nicht zu, dass Chevron die Anlage repariert. Das Unternehmen sei seit mehr als 40 Jahren in der Region aktiv. Die Terminals des Konzerns hätten seither jeden Tag Strom gehabt, heisst es in einem Statement der Rebellen. «Gleichzeitig fehlt es in den umliegenden Gemeinschaften an allem – von Trinkwasser, Schulen und Krankenhäusern bis zu Strassen und Elektrizität.»

People protest following the removal of fuel subsidy by the government in Lagos, Nigeria, Wednesday, May 18, 2016. Militant attacks on oil installations and the threat of a nationwide strike drove Nigeria's petroleum production and its naira currency to new lows Tuesday. (AP Photo/Sunday Alamba)

Streiks und Demonstrationen legten Anfang Woche die Öl-Produktion lahm.
Bild: Sunday Alamba/AP/KEYSTONE

Liste mit zehn Forderungen

Die NDA, die «Rächer des Niger-Deltas», haben eine Liste mit zehn Forderungen aufgestellt. Dazu zählt eine gerechtere Verteilung der Rohstoffe. 60 Prozent der Ölförderstellen müssten Eigentum der lokalen Bevölkerung des Niger-Deltas werden, fordern die NDA. Bisher ist nur ein Bruchteil im Besitz lokaler Unternehmen.

Zudem müssten Firmen die Umweltverschmutzungen säubern und Gemeinschaften entschädigen. Manche Gegenden sind hochgradig vergiftet, weil durch Unfälle und beschädigte Leitungen in den vergangenen Jahren Millionen Barrel Öl auf die Felder, in die Böden und in die Gewässer geflossen sind, von denen die Menschen leben.

Am Wochenende wurden mehrere mutmassliche NDA-Kämpfer festgenommen. Wer die Gruppe anführt, ist bisher aber unklar. Nigeria ist geteilt in einen überwiegend christlichen Süden und einen hauptsächlich muslimischen Norden. Üblicherweise wechseln sich die Landesteile informell bei der Präsidentschaft ab. Zurzeit regiert der Muslim Muhammadu Buhari aus dem Norden – manche glauben, die Opposition könnte hinter der NDA stecken, um Buhari zu schaden.

Die nigerianische Regierung hat bisher mit Drohungen auf die Aktionen der NDA reagiert. Buhari nannte die Rebellen Vandalen und Saboteure. Er kündigte an, gegen sie genauso entschlossen vorzugehen wie gegen die Miliz Boko Haram. Im Norden des Landes dringt die Armee gerade die Islamisten zurück, da nehmen im Süden die Spannungen wieder zu.

Für das Land hat das ernsthafte Folgen. Nigeria war – bis die Angriffe begannen – der grösste Ölproduzent Afrikas, hat nach eigenen Angaben die höchste Wirtschaftskraft und die meisten Einwohner des Kontinents. Doch das Land ist entsprechend auf Öl und Gas angewiesen. Etwa 70 Prozent des Staatshaushalts stammen aus den Öleinnahmen.

Unruhe sorgt für Produktionsausfälle

Wie andere Förderländer auch, leidet Nigeria jedoch unter dem derzeit recht niedrigen Ölpreis. Dem Staat geht das Geld aus. Um eine Wirtschaftskrise zu vermeiden, verkündete die Regierung jüngst, die Sprit-Subventionen drastisch zu kürzen. Der Preis stieg dadurch um rund 70 Prozent.

Die Unruhe im Niger-Delta, dem rohstoffreichen Süden des Landes, reisst ein weiteres Loch in die Einnahmen des Staates. In den vergangenen Wochen fiel die Produktion auf ein 20-Jahres-Tief. Zum ersten Mal seit 1994 lag die Fördermenge Anfang Mai bei unter 1,7 Millionen Barrel am Tag, analysierte Bloomberg.

Die Wirtschaft wächst in diesem Jahr wohl nur um 2,3 Prozent. 2014 hatte es noch bei 6,3 Prozent gelegen. Die Rebellen fürchten die wirtschaftlichen Folgen ihrer Aktionen nicht. Sie würden sogar für ein Schrumpfen der Wirtschaft um 100 Prozent sorgen, teilten sie mit, wenn ihre Forderungen nicht bald erfüllt würden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kstyle 19.05.2016 07:55
    Highlight Highlight Die Robin Hoods aus Nigeria. Find ich gut
  • pamayer 19.05.2016 07:12
    Highlight Highlight Jede Hochkultur basiert auf Sklaverei und Ausbeutung. Auch die unsere.

    Stell dir vor, wir müssten für in Nigeria gefördertes öl faire preise bezahlen! Da würde der Benzinpreis un 3 Rappen steigen...
  • Pius C. Bünzli 19.05.2016 01:06
    Highlight Highlight Wenn der "Staat" sich nicht um seine Bürger kümmern, und sie nicht ernähren kann hat er versagt. Geld mit Öl zu machen ist höchst fragwürdig und ein sehr dreckiges Geschäft. Seine Wirtschaft 70% von einem endlichen Gut abhängig zu machen ist gelinde gesagt sehr unklug.

    Mir gefällt es wenn die Unterdrückten aufstehen um sich ihr Stück vom Kuchen zu holen. Jedoch ist Waffengewalt meist der falsche Ansatz
    • FrancoL 19.05.2016 02:58
      Highlight Highlight Bei den Gegebenheiten die vor Ort anstehen, stellst Du dir was für einen Protest vor?
    • Kstyle 19.05.2016 07:50
      Highlight Highlight Free huge
    • mrgoku 19.05.2016 13:04
      Highlight Highlight Das alle an ein Tisch sitzen und darüber reden...bis dann einer aufsteht und alle wegballert...

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