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screenshot: amazon.de

Missbrauchte Marktmacht

Schweizer Buchverlage bezeichnen die Praxis von Amazon als «skandalös»

Erst war es nur ein Konflikt zwischen einem US-Verlag und dem Online-Händler Amazon. Dann wurden die Leser in den Streit hineingezogen, weil sie Bücher nicht kaufen konnten. Jetzt weiten sich die Proteste aus.



Das Vorgehen hat System: Erst verschwindet bei Amazon der Knopf für Vorbestellungen bei anstehenden Veröffentlichungen. Zudem werden in bestimmten Fällen auch die Lieferzeiten bei Büchern oder DVDs plötzlich länger. Im Frühjahr traf es so den Medienkonzern Time Warner in den USA, während er mit Amazon über einen neuen Vertriebsdeal verhandelte. Nach der Drohgebärde waren die Gespräche binnen weniger Wochen abgeschlossen.

Der Konflikt schwappte inzwischen auch nach Deutschland über: Über 100 deutschsprachige Schriftsteller werfen Amazon in einem Protestbrief vor, Autoren und ihre Bücher als Druckmittel zu nutzen. Auch die Schweizer Buchverlage und Verbände kritisieren die Preispolitik und das Vorgehen des Onlineriesen Amazon scharf. Marianne Sax, Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands, bezeichnet den Umgang von Amazon mit Buchhändlern und Verlegern als skandalös. 

Miserable Arbeitsbedingungen und Steuerflucht

In der Schweiz seien die Verlage noch nicht so unter Druck wie in anderen Ländern, sagte Marianne Sax weiter. Aber sobald deutsche und französische Verlage dem Druck von Amazon nachgeben würden, werde der amerikanische Versandriese wohl auch hierzulande mit solchen Praktiken Druck ausüben, ist sie sich sicher.

Marianne Sax weist aber darauf hin, dass Amazon in Deutschland wegen miserabler Arbeitsbedingungen mit den Gewerkschaften im Clinch liegt und, dass weder in der Schweiz noch in Deutschland oder in Frankreich Steuern bezahlt werden. Um den Gewerkschaften aus dem Weg zu gehen, plant der US-Konzern deshalb Versandhäuser in Polen und Tschechien. (whr/sda)

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